DEG vs KEV 2:1 – An den Krefeldern ergötzen

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It ain’t over, war hier nach dem 3:2 SO-Sieg gegen Nürnberg letztens zu lesen, und das ist ja im Grunde auch richtig … it ain’t over until the fat lady sings. Nun, sie singt noch immer nicht, aber sie steht schon in der Bühnenmitte und hat Luft geholt – am Sonntag gegen 16.30 Uhr wird die letzte Arie geschmettert und die DEG im Sommerurlaub sein. Drei Punkte und 11 Tore müssten gegenüber Straubing aufgeholt werden – vergessen wir’s. Das 2:1 gegen den KEV war daher zwar ganz nett, aber letztlich bedeutungslos.

Slapstick

Die unterhaltsamste Szene der Partie war ohnehin eine Abfolge von Unvermögen: Die DEG hatte mal wieder eine ganz fürchterliche Überzahl gespielt, die meilenweit von Torgefahr entfernt war und als Krönung pünktlich zum Ende der Strafzeit dann auch noch den Puck hergegeben, während sie mit allen fünf Leuten im und am gegnerischen Drittel stand. Der Krefelder Verteidiger schaute kurz hoch und löffelte die Scheibe dann mit viel Übersicht zur Strafbanktür, aus der Collins (deren Collins) gerade herausschritt – und verdammt viel freies Eis vor sich hatte.

Ebner und Collins (unser Collins) stürmten zurück, und weil Ebner 15 Jahre jünger und 15 Jahre schneller als Collins (unserer) ist, kam er als Erster in Collins (deren) Nähe. Collins (unser) gab Ebner noch ein kleiner Schubser, um ihn zu beschleunigen – woraufhin der sich auf die Nase legte und als Verteidiger ausfiel. Slapstick pur. Collins (deren) konnte, so begünstigt, völlig ungestört schießen, und er tat das derart jämmerlich, dass ich es nicht schlechter hinbekommen hätte. Es hat ganz offensichtlich seinen Grund, dass der KEV Letzter ist und bleiben wird.

Krefelder Ultras

Aber wenn das Spiel schon nicht so viel hergibt, kann man sich ja immer noch an den Krefelder Zuschauern ergötzen. Einige hundert von denen standen hinter dem Tor und machten optisch und akustisch einiges her. Das hätte wirklich Respekt abnötigen können, da es für die Gäste sportlich um überhaupt gar nichts mehr ging. Aber es ist eben leider Krefeld, und Krefelder sind beim Eishockey anders als andere Fans, zumindest diese Hundertschaft hinter dem Tor, die auf Ultras machen. Die Jungs und Mädels hatten allerhand Tapeten dabei, auf denen sie der Welt ihre Sicht der Dinge darlegten. Auf einer dieser Tapeten stand schlicht die Zusammenfassung ihrer Überlegungen: „xOTZEN“. Tjoah. Rein argumentativ ist das relativ dünn. Wenn diese Tapetenbotschaft einmal herunter genommen wurde, dann eigentlich nur, um beide Mittelfinger ausstrecken zu können. Hmm. Liebe Leute, ich kann ja verstehen, dass es nicht schön ist, in Krefeld leben zu müssen, aber ein kleines bisschen intelligenter dürften, äh, Provokationen schon sein. Fußballfans kennen dasselbe Problem übrigens aus Duisburg, Fachleute nennen es meines Wissens Neidkomplex.

Zu Beginn des letzten Drittels, und zu diesem Zeitpunkt hatte man sämtliche bekannten Verbalinjurien bereits mehrfach abgehandelt, gab es von KEV-Seite übrigens den ersten spielbezogenen Gesang: „Wir wollen euch kämpfen sehen!“ – ich bin derart erschrocken, dass mir tatsächlich das Kaviarhäppchen auf den Lackschuh gefallen ist. Es sollte bis zum Ende übrigens auch der einzige Gesang dieser Art bleiben, Mittelfinger und xOTZEN-Plakat waren einfach wichtiger. Nun denn.

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1 Kommentar

  1. Man sollte vielleicht noch ergänzen, dass die Krefelder den tollen Ruf „Düsseldorf, verrecke, verrecke, verrecke“ draufhatten. Davon abgesehen, dass die Wortwahl geschichtlich gesehen schon kritisch zu bewerten ist, fand ich das doch sehr unterklassig – und zwar nicht im Sinne einer Ligazugehörigkeit. Aber es soll ja auch wieder salonfähig geworden sein, auf der Straße „Juda, verrecke“ zu rufen, insofern liegen die Krefelder voll im Trend.

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