Porträt · „Gestatten Sie mir eine Bemerkung zum Buchverkauf: Grundsätzlich sind alle meine Werke über Amazon erhältlich. Allerdings sehe ich das zwingende Erfordernis, den Buchhandel in Deutschland ‚in der Fläche‘ zu unterstützen. Ich würde es daher schätzen, wenn Sie meine Bücher direkt beim Verlag oder über den örtlichen Buchhandel bestellen.“ Eine höfliche Bitte, fast beiläufig vorgetragen, in der Vita des Schriftstellers Lothar Engler, der seine historischen Romane vornehmlich in kleinen Verlagen veröffentlicht. Ein kleiner Verlag, das ist auch die Edition Oberkassel, die von Detlef Knut im Jahre 2010 ins Leben gerufen wurde. [Lesezeit ca. 4 min]

„Klein aber fein!“ wie Knut selbstbewusst feststellt. „Wir haben namhafte Autoren, die bei uns veröffentlichen. Gina Meyer zum Beispiel, die auch bei HarperCollins oder Ravensburger veröffentlicht; Rebecca Michéle, die mit einem historischen Roman über das Schicksal irischer Wäscherinnen Aufmerksamkeit erregte. Ihre Arbeit wurde für den Homer Literaturpreis nominiert.“

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David gegen Goliath – Keine Fördermittel für kleine Verlage

Knut stellt fest, dass die Edition Oberkassel, sowie auch die anderen kleinen Verlage, entscheidend dazu beitrüge, dass die Literaturlandschaft in Deutschland vielfältig bleibe. „Wir veröffentlichen viele Krimis. Eine Literaturgattung, in der sich eigentlich jedes Thema gut verarbeiten lässt. Und dann natürlich Reiseberichte, in denen unsere Autoren vornehmlich über Selbsterlebtes berichten. Darüber hinaus haben wir Gegenwartsliteratur und viele historischen Romane.“

Die Edition Oberkassel ist aktives Mitglied bei Homer e.V., einem Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat Schriftsteller und Verleger von historischen Romanen zu fördern. Highlight seiner Arbeit: die alljährliche Verleihung des Homer Literaturpreis.

Der Rote Teppich – Literaturpreis für Historische Romane

„Ein Ereignis,“ so Knut, „das sowohl im Buchhandel als auch in der Presse mit Spannung verfolgt wird. Anlässlich der Preisverleihung trifft sich Rang und Namen der deutschen Literaturszene.“
Knut erklärt, dass die Arbeit im Verlag viel Zeit in Anspruch nimmt. Das sei aber bei weitem nicht sein einziges Engagement in Sachen Literatur. Im Rahmen einer eigenen Akademie veranstaltet er Workshops zum Thema Kreatives Schreiben, bei denen hochkarätige Schriftsteller wie Horst Eckert, Nina George und weitere als Dozenten tätig sind.

In Zeiten vor Corona lud Knut zum regelmäßigen Autorenfrühstück ein. „Die Treffen mit den Schriftstellern, der ständige Austausch mit interessanten Leuten. Das ist es, was die Arbeit so spannend macht.“

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist froh

Eigentlich ist Knut, so sollte man meinen, kein Mann vieler Worte. Als Norddeutscher, in einem kleinen Ort 80 Kilometer vor Hamburg groß geworden, reagierte er als Jugendlicher auf eine Anzeige. Eine Reederei schrieb eine Lehrstelle aus. So fuhr er zur See. 16 Jahre lang. Zunächst als einfacher Seemann. Später als Kapitän. Sein Titel: nautischer Offizier zur See.

„So war ich dann auf den Weltmeeren unterwegs. Da war jeder Pott dabei. Ob groß oder klein. Irgendwann hat man mich dann gefragt, ob ich die Digitalisierung der Deutschen Hochseefischerei Flotte übernehmen wolle. Wieder nahm ich an und wurde IT-Spezialist. Das Logbuch auf Diskette, statt zeitraubenden handschriftlichen Eintragungen. Eine Diskette, die man Schiff zu Schiff mitnehmen, kopieren und verschicken konnte. Das war schon eine Riesensache damals!“ Die Fähigkeiten im IT-Bereich kommen Knut bei der Verlagsgründung zugute. In der Anfangszeit werden Bücher der Edition Oberkassel ausschließlich elektronisch verlegt.

Print on Demand – die Technik macht’s möglich

„Heute haben wir beides. Etwa fifty-fifty, halb Print, halb E-Book. Die Technik macht’s möglich.“ Er lacht. „Man druckt nicht mehr große Mengen. Die Produktion eines Buches nach fertiger Vorlage dauert ja heutzutage nicht mehr wie zwei bis drei Tage. Der Preis passt, selbst für ein einzelnes Exemplar. Auch große Verlage denken heute nicht mehr in großen Auflagen. Da werden dann anfänglich mal 500 Stück gedruckt.“ Knut seufzt: „Für die ist das wenig. Aber eben doch so viel, dass sie dem Buchhandel kostenlos die Exemplare in den Laden stellen können. Für einen kleinen Verlag, wie wir es sind, eine Unmöglichkeit…“

Es gehöre wahrlich viel Idealismus dazu, einen Verlag zu führen, erklärt er weiter. Fördermittel gibt es kaum. Eigentlich müsste der Buchhandel die Arbeit der kleinen Verlage mehr unterstützen; tue es aber nicht, weil es sich finanziell zu wenig lohnt. Auch die Verbraucher gehen am liebsten den Weg des geringsten Widerstandes. Sie lesen Mainstream und Bestseller und bestellen bei Amazon. „Angeblich wird jetzt wegen Corona mehr gelesen. Davon merken wir leider nichts. Unsere Bestellungen sogar eher rückläufig. Vor Corona hatten wir immer wieder Bestellungen von Buchhandlungen. Der Kunde fragt nach einem bestimmten Buch und der Buchhändler bestellt es. Diese Bestellungen sind aktuell ausgeblieben. Warum auch immer…“

Als Knut zur See fuhr, schrieb er Tagebuch

Seine Seemannstagebücher, auch die seien ein Meilenstein auf seinem Weg zum literarisch interessierten Verlagschef gewesen. Knut lacht: „Ja, das eigene Buch publizieren. Das wäre schön. Aber bisher hatte ich immer wieder hatte ich was Interessanteres zu tun. Dazu kommt, dass mir dafür die zündende Idee fehlt. Der rote Faden. Denn auch Romane brauchen Spannung, Dramaturgie, eine Leiche, wenn man es mit dem Krimi vergleicht. ‚Jetzt schreibe ich mal über mein Leben, das war doch einzigartig!‘ – das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Auch wenn die eine oder andere Anekdote ganz lustig ist. Für jeden Dritten ist es langweilig bzw. nichtssagend.“

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