Die Düssel: Auf der Suche nach dem Ursprung

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Als geborener Düsseldorfer, der diese schönste Stadt am Rhein von Herzen liebt, muss man sich allerlei Spott gefallen lassen. Die Mär vom Schickimickibrüger, der auf der Kö flanieren geht, berührt mich nicht mehr so, weil ich weiß, dass man da vorwiegend Berschheimer und andere Provinzknallis trifft. Da schmerzt schon eher der Spruch vom „Dorf an der Düssel“ für diese kleine Großstadt. Aber man soll sich ja solchen Schmerzen aktiv nähern, und die Beschäftigung mit dem namensgebenden Flüsschen schien mir ein guter Anfang zu sein. Wobei recht eigentlich der Lehrer Dr. Reinhold Feuerstein mal wieder die Schuld trägt. Der hier schon öfter angeführte Mathe- und Biopauker hat mir und den Kameraden ökologisches Denken beigebracht, unter anderem indem er den klassischen „Wandertag“ immer in biologische Exkursionen umfunktionierte. Dort gingen wir dann pflanzenbestimmend und -sammelnd durch die Botanik in der näheren Umgebung. Nun erinnerte ich mich dieser Tage, dass uns einer dieser Ausflüge – es muss im Jahr 1963, 64 oder 65 gewesen sein – an die Düsselquelle führte. Und da wollten wir nun auch hin. Was sich als nicht ganz leichte Aufgabe entpuppte.

Das lag zunächst am autofahrenden Teil unserer kleinen Wandergruppe. Startpunkt sollte das Dorf namens Düssel sein, ein Ortsteil von Wülfrath, dem Weltzentrum des Kalks. Diese ausgesprochen pittoreske Ansiedlung mit seinen zwei Kirchen liegt im Düsseltal. Genauer: an der Stelle, wo einer der Quellbäche in die Düssel fließt. Oder was immer das sein mag, was da aus den Hügeln quillt. Schon Dr. Feuerstein sagte immer: Die Düssel hat keine Quelle, sondern entsteht aus acht Zuflüssen. Recht hat er, denn das sieht Wikipedia inzwischen auch so.

Die offezjelle Düsselquelle

Andererseits gibt es seit rund 40 Jahren eine offezjelle Düsselquelle, einen Stein mit Bronzeplättchen, den einst die Düsseldorfer Jongens gestiftet haben. Und der findet sich in einem Gehöft an der Asbrucher Straße, genauer bei den Hausnummer 92 bis 98, die an einem Weg liegen, der von der Asbrucher Straße, die hier die L355 ist, abzweigt. Was immer die Herren vom Heimatverein bewegt haben mag, diesen Ursprung zu wählen, sie haben dabei in den Müll gegriffen. Wegen der immer stärkeren Absenkung des Grundwassers in dieser Gegend liegt der Gedenkstein schon lange im Trockenen. Aber so weit sind wir gar nicht gekommen.

Die Fahrt nach Düssel, sorgfältig vorbereitet per Google Maps, führte zu einer Odyssee durch so fluchtanregende Orte wie Metzkausen und Mettmann. Hätten wir in Erkrath nicht versehentlich den Weg ins Neandertal genommen, sondern wären wir früher auf den Mettmanner Südring eingebogen, wäre uns manch unerfreuliche Zersiedlung und ein Riesenumweg erspart geblieben. So aber landeten wir erst gegen fünf in Düssel. Dort saß man vor dem Fachwerkcafé in der Sonne, und wenig später brachen Hundertschaften zum Sonntagsspaziergang auf. Dabei ist Düssel recht gut mit dem ÖPNV zu erreichen. Man fährt vom Hauptbahnhof in Düsseldorf irgendwie (S8, RE13 oder RE4) nach Wuppertal-Vohwinkel und entert dort die S9, die in drei Minuten den S-Bahnhof Wülfrath/Aprath erreicht. Das dauert schlimmstenfalls 35 Minuten – Google Maps errechnet für die Fahrt mit dem Pkw übrigens 45 Minuten… Dann geht man Richtung Aprath und biegt an der Aprather Mühle ins Düsseler Feld ab, einen breiten Fahrweg, der den Hügel hinab nach Düssel führt. Will man lieber zur falschen Düsselquelle, kann man auch mit dem Bus zur Haltestelle Koxhof oder Schlupkothen reisen; der 601 oder SB69 kommen vom Wuppertaler Hauptbahnhof.

Sieben tolle Wanderwege

Wie auch immer: Der Bürgerverein Wülfrath-Düssel hat sieben tolle Wanderwege markiert und auf seiner Website beschrieben. Einer davon – er ist 9 Kilometer lang, wofür man um die drei Stunden brauchen wird – führt von der evangelischen Kirche in Düssel in das Quellgebiet, wobei man insgesamt fünf der „Quellen“ besuchen kann. Diese Quellgewässer fließen irgendwo dort in einem unterirdischen Sammelbecken, also einer Reihe von Kavernen im Kalkstein zusammen, und an einer Stelle in Oberdüssel, direkt unter der A535, tritt dann der Fluss selbst durch ein Rohr ans Tageslicht. Da wir es bis dahin nicht mehr geschafft haben, werden wir in Kürze einen weiteren Anlauf nehmen und diesen Punkt fotografisch dokumentieren. Bis dahin können Wanderungen im Quellgebiet der Düssel nur wärmstens empfohlen werden: Es ist einfach schön da.

[Dieser Beitrag erschien zuerst am 21.10.2011 in der „Rainer’schen Post„, dem Vorgänger-Blog dieses Online-Magazins.]

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1 Kommentar

  1. Interessanter Artikel, obwohl ich selbst geborener Düsseldorfer bin, hat mich die Frage nach dem Ursprung der Düssel nie beschäftigt. Soweit ich mich erinnere, war das auch kein Thema in der Schule.
    Das werde ich mal im Auge behalten. Ich habe den Artikel meiner Frau gesandt, aber die kannte den schon. Sie hat eine Kollegin namens Doro und daher wohl schon den Text gekannt ;-). Selbst eine Großstadt wie Düsseldorf ist manchmal klein :-).

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