Stelzenläufer vom düsseldorf festival! auf der Kö-BrückeIhr sehr ergebener Kulturberichterstatter ist ein erklärter Fan der Veranstaltung, die lange „Altstadtherbst“ hieß und nun unter dem weniger missverständlichen Namen „düsseldorf festival!“ antritt. Das liegt einfach daran, dass das Team des Festivals mit den Intendanten Christiane Oxenfort und Andreas Dahmen ein geübtes Händchen dafür hat, Spannendes, Unbekanntes und Grandioses nach Düsseldorf zu holen. So gesehen ist das düsseldorf festival! eine Wundertüte. Und wenn man sich jedes Jahr diese Kunst-Kultur-Wundertüte holt, wird man in manchen Jahren alles toll finden, was drin ist, und manchmal enttäuscht sein. Wobei diesen Blick ohnehin nur Menschen haben, die mehrere Veranstaltungen besuchen. Ihr sehr Ergebener fand zum Beispiel die Wundertüten der Jahre 2010 und 2011 prallvoll mit wunderbarsten Dingen. Nachdem er urlaubsbedingt 2014 aussetzte, war die Vorfreude für das Jubiläumsjahr nicht ganz so groß. Dabei waren – im Nachhinein betrachtet – wieder unglaubliche Dinge am Start.

stelzenWomit wir bei den kritischen Punkten des Resümees sind. Das ganz, ganz große Plus dieses Festivals ist das Programm. Ja, das Programm in seiner wahnwitzigen Zusammenstellung ist der eigentliche Star. Da nützt es wenig, in den verschiedenen Druckwerken Superlativ an Superlativ zu reihen und schönste Formulierungen zu drechseln, besonders wenn daraus nicht immer klar wird, was einen erwartet. In diesem Sinne war auch die Plakatkampagne nicht wirklich zielführend: zu schrill, zu sehr auf ein Publikum zielend, das ohnehin kaum zu erreichen ist, zu sehr an den Freunden des Festivals vorbei, die es seit Jahren lieben. Mehr sachliche Info hätte gutgetan – zumal in vielen Fällen die wunderbaren Fotos viel mehr Appetit machten als die Texte. Apropos: Nun hat das düsseldorf festival! eine schnieke Webseite und auch einen Facebook-Auftritt. Dessen werbende Wirkung wurde leider mangels Konzept völlig verschenkt. Was nützt eine euphorische Besprechung NACH einer Veranstaltung? Warum setzt die Online-Kommunikation überhaupt erst richtig bei Festival-Beginn ein? Bleibt noch das Crowdfunding-Desaster. Man hatte sich ausgedacht, die Open-Air-Aktivitäten mit dieser neumodischen Methode zu finanzieren. 5.000 Euro wollte man sammeln; am Ende waren es nicht einmal 400 Euro. Und das lag sicher nicht an der mangelnden Attraktivität des Inhalts, sondern an einer ganz falschen Herangehensweise beim Umgang mit der Crowdfunding-Plattform Startnext.

bandaAngesichts der wieder hervorragenden Zahlen fragt sich der Fan ohnehin, ob das viele bedruckte Papier überhaupt nötig ist. Erneut kamen deutlich mehr als 20.000 Neugierige zu den Vorstellungen, sodass eine Auslastung von sehr guten 88 Prozent zu vermelden war. Wie viel Menschen das Festival dann noch am Sonntag mit dem Umzug und der Aktion am Schadowplatz erreicht hat, lässt sich schwer schätzen – 10.000 waren es sicher. Überhaupt: Ihrem Ergebenen war dieser Sonntagnachmittag ein Highlight des Festivals. Weil vieles von dem, was im Programm steckt, draußen – zumal bei Sonnenschein – noch intensiver wirkt. Ja, recht eigentlich war der Abschluss die beste Werbeveranstaltung für die ganze Sache. „Wie, das Festival ist vorbei?“ meinte eine Passantin, die von den Stelzenläufern auf der Kö-Brücke und der großen Blechblas-Bande völlig fasziniert war. Immerhin war es der glänzende Abschluss eines großen Festivals.

trommlerWas die neuen Spielorte angeht, kann Ihr Ergebener wenig sagen. Das Zelt am Burgplatz war wie jedes Jahr ein magischer Ort mit deutlich vergrößerter Gastronomie, und die Vorstellungen in den Kirchen sind Jahr für Jahr besondere Erlebnisse. Bleibt die Frage, was man sich zum nächsten düsseldorf festival! wünschen möchte, das übrigens jetzt schon auf den 14.09. bis 03.10.2016 terminiert ist. Am ehesten die Möglichkeit, die Programmwerdung von einem frühen Zeitpunkt an (z.B. über Facebook) verfolgen zu können. Eine Umsonst-und-Draußen-Veranstaltung VOR dem eigentlichen Festivalbeginn wäre toll. Und natürlich wieder ein Programm, das nach bewährtem Rezept gekocht wird und ganz in der Tradition des Festivals Ungewohntes, Spannendes, Grandioses, Verrücktes, Virtuoses und Ergreifendes für die Menschen bietet, die bereits sind, sich auf die Vielfalt der darstellenden Künste einzulassen. Ihr Ergebener hat seinen Jahresurlaub 2016 schon so geplant, dass er ganz viel düsseldorf festival! wird erleben können.

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