Porträt · Am Rande des Staufenplatzes, dieses an den Rändern ausfransenden Geländes an der Grenze zwischen den Stadtteilen Grafenberg und Ludenberg, von dem niemand weiß, wo er anfangt und aufhört, fällt dem aufmerksamen Flaneur ein ungewöhnliches Gebäude auf – und zwar vor allem wegen des Türmchens, das an eine Burg erinnert. Tatsächlich handelt es sich um das sogenannte “Jägerhaus“, das 1897 im Stil der Neugotik an dieser Stelle errichtet wurde und seitdem immer eine gastronomische Einrichtung beherbergte. [Lesezeit ca. < 1 min]

Trotz des Türmchens wissen nur wenige Einheimische wie das Haus heißt und was besonders an ihm ist. Das wäre auch immer schon so gewesen, hätte der Düsseldorfer Architekten- und Ingenieur-Verein das Bauwerk 1904 in seinem großen Buch “Düsseldorf und seine Bauten“, von dem 1990 ein unveränderter Nachdruck erschienen ist, nicht ausführlich vorgestellt. Dadurch wissen wir, dass an derselben Stelle schon zuvor eine Gastwirtschaft existiert haben wird.

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Google-Map: Staufenplatz mit dem AarabesQ im Jägerhaus in der Bildmitte

Google-Map: Staufenplatz mit dem AarabesQ im Jägerhaus in der Bildmitte

Auch wenn die einschlägigen Quellen es nicht beweiskräftig hergeben, ist sogar denkbar, dass am Staufenplatz eine Poststation bestanden hat, also die Kombination aus Pferdestall und Wirtschaft, an der die Postkutschen Rast machten. Denn die Achse Grafenberger Allee-Ludenberger Straße, die als Bundesstraße 7 ins Bergische Land hinausführt, zählt schon seit Jahrhunderten zu den wichtigen Ausfallstraßen der Stadt. Gesichert ist, dass es sich beim Vorgänger des Jägerhauses um eine größere Gartenwirtschaft gehandelt hat, vergleichbar mit Jansens Garten, besser bekannt als Geislers Lokal, dem Ausflugslokal an der Ecke der heutigen Schadow- mit der heutigen Tonhallenstraße, aus dem später die erste Tonhalle entstand.

Foto von 1904 aus dem erwähnten Buch (public domain via Wikimedia)

Foto von 1904 aus dem erwähnten Buch (public domain via Wikimedia)

Jedenfalls wird auf alten Karten von Düsseldorf und Umgebung sichtbar, dass im Dreieck zwischen der in den Achtzehnhundertsechzigerjahren entstandenen Bahnstrecke und dem Pöhlenweg vorwiegend gartenbäuerliche Kleinbetriebe existiert haben. Gut vorstellbar, dass an der Nordspitze ein Gartenlokal betrieben wurde. Auch das Jägerhaus hat bis in die Sechzigerjahre hinein einen großen Garten gehabt, der fast bis zur Hardstraße reichte; die dortige Wohnbebauung entstand erst relativ spät. Wirklich verwohnt oder verfallen war das Jägerhaus nie, seinen bauhistorischen Wert erkannte man aber erst in den Achtzigerjahren, 1985 wurde es unter Denkmalschutz gestellt.

Grundriss der gesamten Jägerhaus-Anlage von 1904 im erwähnten Buch (public domain via Wikimedia)

Grundriss der gesamten Jägerhaus-Anlage von 1904 im erwähnten Buch (public domain via Wikimedia)

Seit vielen Jahren findet man im Jägerhaus das arabische Restaurant ArabesQ, dessen Inhaber das Interieur von arabischen Kunsthandwerkern mit großer Liebe zum Detail in einen orientalischen Palast verwandelt haben. Wer nicht persönlich vorbeischauen kann, macht sich bei einem virtuellen 360°-Rundgang ein Bild von der Schönheit der Räume. Neben dem Restaurant, der Bar und der Außenterrasse lockt eine Salzgrotte. Außerdem kann man in einem der Appartements übernachten. So wird das Jägerhaus liebevoll erhalten und seiner Historie würdig genutzt.

In unserer neuen Serie “Düsseldorfer Bauten” stellen wir ungewöhnliche Häuser und Bauwerke vor – neben den allgemein bekannten Sehenswürdigkeiten auch solche, die optisch oder von ihrer Geschichte her interessant sind. Natürlich wird auch vom Dreischeibenhaus, dem Rheinturm und den Gehry-Bauten die Rede sein, aber eben nicht nur…

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