F95 vs Bockenheimer Würstchen 1:0 – Erschöpft, erleichtert, unzufrieden

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Es passiert selten, nein, eigentlich ist es noch passiert, dass Stadion-DJ Opa voll daneben greift. Aber nach dem letzten Heimspiel dieser allein durch die Mannschaft verkorksten Saison „An Tagen wie diesen“ zu spielen, konnte auch als Verarschung dieser Spieler verstanden werden. Genau wie der Versuch einiger Zuschauer, das Team zu feiern, das zuvor nach einer guten Leistung, aber letztlich doch mit mehr Ach als Krach gewonnen hatte. Den vierzehn Herren, die daran mitwirkten, kann ein feines Gespür für die überwiegende Stümmung im Fanvolk nicht abgesprochen werden, denn niemand machte den Versucht, eine Ehrenrunde oder dergleichen zu initieren. Dass der neue Vorstandsvorsitzende Robert Schäfer den Kickern nach dem Abpfiff serienweise um die Hälse fiel, wird wohl seiner Erleichterung geschuldet sein, jetzt doch einen Zweiliga-Verein führen zu dürfen. Warum aber die Herren Jäger und Azzouzi alles herzten und küssten, was nicht bei Drei in den Katakomben war, bleibt ein Rätsel. Denn diese beiden Herren – zu dieser Prognose reißt sich Ihr ergebener Berichterstatter hin – werden nach dem Sommer eher keine bzw. keine führende Rolle bei der Fortuna spielen.

Wie ja überhaupt in der Spielzeit 2016/17 alles auf Anfang steht und vieles sich ändern wird. Und zwar überall und auf allen Ebenen. So wie sich VV Schäfer bisher angestellt hat, wird der weiter klare und gegebenenfalls harte Entscheidungen treffen, und zwar ohne Rücksicht auf Seilschaften oder individuelle Befindlichkeiten. Und das wird zu so manchem Abschied führen. So wie die Dinge liegen, wäre es eine sinnvolle Tat, den ollen Neusser Funkel an den Verein zu binden. Nicht dass man den Herrn jetzt zum „Fortuna-Retter“ hochstilisiert, aber der Friedhelm hat sich in den paar Wochen schon so viel intensiver mit allen spochtlichen Bereichen des Clubs auseinandergesetzt alle mindestens drei seiner Vorgänger. Außerdem: Er wohnt in Krefeld, er ist bei den Schützen in Neuss, und er ist über sechzig – kann gut sein, dass er bei der Fortuna alt werden und dabei etwas Feines und Nachhaltiges aufbauen möchte. Denn dazu hatte er bei den meisten Stationen vorher entweder nicht die Zeit oder die Gelegenheit.

Ja, aber, wird der eine oder andere einwenden, ist denn schon klar, dass F95 in der Zweiten Liga bleibt? Praktisch ja. Theoretisch besteht die Möglichkeit, dass am kommenden Sonntag die Streifenesel gewinnen, wir in Braunschweig verlieren und dabei der aktuelle Vorsprung von sechs Treffern in der Tordifferenz aufgezehrt würde. Nun liegt ein 0:3 der Fortunen bei den Braunschweinchen im Bereich des Vorstellbaren, dass aber die Meiderichter das Projekt aus Leipzig gleichzeitig mit drei Toren Unterschied abfieseln, ist eher unwahrscheinlich. Auch wenn es für die zusammengekaufte Arschgeigentruppe von Rumpelstilzchen Rangnik um nix mehr geht… Aber, man hat ja schon Ponys vor der Drogerie reihern gesehen. Auf jeden Fall müssen die Herren, die leider immer noch den aktuellen Kader der glorreichen Fortuna bilden, auch im letzten Saisonspiel noch einmal alles geben, was noch drin ist im Tank.

Dass sie fighten können, haben sie ja in der Rückrunde etliche Male bewiesen; selbst bei der fiesen Niederlage in der Wedau schlug sich der Kampfgeist zumindest statistisch nieder. Was der Kader gelegentlich spielerisch drauf hat, war auch bisweilen zu sehen. Nur das Rund-um-sorglos-Paket, dass hat diese Trümmertruppe in der ganzen Saison nicht bewiesen. Darum ist es gut, dass nach der Sommerpause ein runderneuerter Kader an den Start gehen wird. Feste Größen bleiben bekanntlich der Herr Rensing, der Herr Fink und unser Axel. Aus dem Duo der Herren Madlung und Akpoguma könnte zumindest eine Saison lang noch etwas werden. Potential als echte Stütze hat unser kleiner Grieche Mavrias, aber dann müsste die 1-Mio-Kaufoption gezogen werden. Wertvoll könnten aber vor allem die Youngster aus eigener Aufzucht werden – neben Ihlas Bebou, der in einem anderen Team sicher besser wird, sind dies vor allem Emma Iyoha und Kemal Rüzgar. Anderson Lucoqui könnte als Linksverteidiger schnell einschlagen. Die Herren Bolly, Pohjanpalo und Gartner werden uns verlassen.

Heute trafen sie auf einen – wie nennen sportjournalistische Phrasendrescher das? – „völlig verunsicherten“ Gegner, der zu allem Überfluss auch noch einen klassischen Loser als Trainer hat. Ihr Ergebener hat sich ja schon vor Jahren gefragt, ob so ein Kaff wie Krankfurt wirklich unbedingt zwei Mannschaften in den oberen Ligen braucht, aber dass der FSV, die Würstchen von Bockenheim, jetzt wohl dahin gehen, wo sie hingehören, war zu Beginn der Saison nicht zu erwarten. Genauso wenig wie der Abstieg des genauso sinnlosen Retortenvereins aus Ostwestfalen, der seine Existenz nur einer Reihe von Pleiten und Insolvenzen winziger Provinzklubs verdankt. Jedenfalls brachten die Blauschwarzen wenig Grip auf den Rasen, auch wenn sie über alles gerechnet schon drei, vier Großchancen herausspielten. Nur betrachtet ja jeder Fortuna-Fan schon als gegenerische Chance, wenn der Ball überhaupt in den Sechzehner des Herrn Rensing gelangt. Mal ehrlich: Ein Tor hatte diese Gurkentruppe mit dem Winzanhang nicht verdient.

Da hätte Schiri Weiner noch chaotischer und absurder pfeifen müssen, um den Kickern vom Main in die Puschen zu helfen. Man kann nicht sagen, dass dieser Referee des Grauen eine Mannschaft benachteiligt hätte, nur fragten sich manchmal sogar die von ihm profitierenden Spieler, was er denn da wieder gesehen bzw, nicht gesehen hatte. Ob der Schubser gegen den Herrn Demirbay – der als Sturmspitze auflaufen musste, als Sturmspitze! – Ende der ersten Hälfte elferreif war, sei dahingestellt, aber diverse Fouleieren der überforderten FSVler ordnete er systematisch falsch ein. Bemerkenswert war vor allem, wie beherzt die F95-Spieler durchweg zur Sache gingen. Wie üblich kam es zu etlichen blöden Fehlern und Schlampereien, aber keiner ließ sich hängen, wenn ihm ein Lapsus unterlaufen war. Andernfalls hätte der Herr Koch sich ja auch vor Trauer selbst auswechseln müssen, so daneben trat er gerade in Halbzeit 1 auf.

Tatsache bleibt, dass die Jungs vom Friedhelm ohne Mittelstürmer spielten. Die Idee war vielleicht, alle Offensive gelegentlich in die Mitte rochieren zu lassen, aber das taten sie eben nicht, sodass der Platz des Knispers nie besetzt war. Die Viererkette sorgte für einige Sicherheit, und die Sechser machten einen ordentlichen Job. Der Herr Fink machte summa-summarum sogar einen sehr ordentlichen Job, den ihm gehört der Assist-Punkt beim einzigen Tor. Ähnlich wie ein paar Wochen zuvor gegen Klautern tankte er sich in den Strafraum der Bockenheimer, setzte sich dort energisch durch und spielten den hereinlaufenden Herrn Demirbay prima an. Ein sicheres Tor hatte später dann unser Axel auf dem Fuß; kaum andertalb Meter vor dem FSV-Keeper schoss er denselben leider an. Sonst wäre der Fisch schon zu dem Zeitpunkt geschuppt gewesen. Statt dessen floss ein dunkelgrauer Strom Angst durchs Stadion, weil natürlich alle, die in dieser Saison ein paar Spiele gesehen hatten, wussten, dass immer was anbrennen kann, auch in der Nachspielzeit. Aber es ging dann doch gut…

Die aktive Fanszene hatte erneut die Parole „Alle in Rot“ ausgegeben, und gefühlte 80 Prozent der über 32.000 Anwesenden hielten sich daran, was ein schönes Bild im weiten Rund mit seinen Ecken machte. Die Bereitschaft, das Team laut und wild anzufeuern, war stärker verbreitet als in den meisten Heimspielen der Saison, und selbst unser Kapo war bisweilen verblüfft davon, dass hier und da und dort auch Rufe und Gesänge angestimmt wurden. Gerade Klatschanfeuerungen pflanzten sich oft bis weit in die Haupttribünen fort, und wenn sie gebeten wurden, sich zu erheben, falls Fortune, tat das Gros der Zuschauer dies auch mit großem Ernst. Der anstehende Umzug der Ultras hinters Tor war Gesprächsthema, und die Meinungen waren gespalten. Gut ist sicher, dass dann UD und Dissidenti in räumlicher Nähe stehen werden; schlecht dass das Konzept einer „Support Area“ damit so gut wie aufgegeben wird. Auch das ist also etwas Neues.

Die gute Nachricht ist, dass die F95-Freunde diese Truppe nie wieder in dieser Zusammensetzung im heimischen Stadion sehen werden. Die zweite gute Nachricht ist, dass es eine ganze Reihe Indikatoren gibt, die für eine Zweiliga-Saison 2016/17 Hoffnung machen. Der neue Vorstandsvorsitzender Robert Schäfer ist dabei das überzeugendste Symptom.

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6 Kommentare

  1. Und was ist mit Herrn Demirbay ? Hast du den vergessen ,oder habe ich den (wie immer immer guten und schnellen ) Artikel nicht richtig gelesen. Den brauchen wir doch nächste Saison, oder ?

    • Rainer Bartel am

      Ich sehe keine größere Wahrscheinlichkeit, dass wir den Herrn Demirbay halten können. Ich halte ihn aber auch für einen Hauch überschätzt, was er gestern – zugegeben in ungewohnter Rolle – auch gezeigt hat.

  2. Dass nach dem Abpfiff gefeiert wurde, als ob gerade die Meisterschaft eingefahren wurde, hat mich auch sehr gewundert…

    Die Chance von Axel war aber doch in der ersten Halbzeit, oder?

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