Fortuna fuhr einen verdienten und nie gefährdeten Heimsieg ein – Zimbo Zimmermann und Khaled Narey waren die Männer des Spiels…

Analyse · Wie immer bei einem scheinbar klaren Sieg möchte Euer schwer ergebener F95-Analyst gern auch von den Schattenseiten sprechen. Zur Brillanz kommen wir dann später. Also, was nicht so gut war… Da fällt dem Ergebenen spontan nichts ein. Ja, Kuba Piotrowski leistete sich einige Fehlpässe, von denen zwei Gefahr für Flo Kastenmeisters Kasten brachte, aber wie der weise Trainer Thioune in der Pressekonferenz nach der Partie richtig sagte: Ihm sei ein energiegeladener und aktiver Spieler, der bei hundert Aktionen zehn Fehle macht, als einer, der bei zehn Szenen nur einen Fehler macht. Den Kuba drückte der Thioune bei dessen Auswechslung, und das völlig zu Recht. Der junge Pole ist einer von denen, die unter dem neuen Trainer, dessen volles Vertrauen er genießt, besser geworden sind. Dazu zählt natürlich auch Teilzeitkäpt’n Cello Sobottka, den sein Vorgesetzter den „Strategen“ nennt – was dem leicht sensiblen Cello sichtlich gut tut. [Lesezeit ca. 8 min]

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Sobottka zog die fünfte gelbe Karte und muss in Paderborn aussetzen. Kann gut sein, dass er dies in Absprache mit den Coaches tat, denn so ist Cello gegen den HSV wieder an Bord, und weil Vollkäpt’n Bodze vermutlich nächste Woche fit genug ist, kann der die Sobottka-Rolle fast nahtlos übernehmen. Wie wichtig unser Mann mit der 31 ist, zeigte auch wie wirr sich das Spiel nach dessen Auswechslung in der 77. Minute entwickelte – und das lag nicht einmal an der Hereinahme von Eddie Prib, der ja sonst oft gern schuld war … in den Augen gewisser Fans. Dieselben übrigens, die auch immer den Flo Hartherz auf dem Kicker hatten. Und der machte ein richtig gutes Spiel.

F95 vs Ingolstadt: Los geht's - kurz nach dem Anpfiff (Foto: PS für TD)

F95 vs Ingolstadt: Los geht’s – kurz nach dem Anpfiff (Foto: PS für TD)

Hartherz musste ran, weil am Morgen auch noch Nicolas Gavory positiv auf Covid-19 getestet wurde. Und an dieser Stelle kommt der erheblich Ergebene nicht umhin, ein klitzekleines bisschen Kritik an Daniel Thioune und seinen Coaching-Kollegen zu üben. Denn man stellte erneut Shinta Appelkamp auf die rechte linke Außenbahn, immerhin mit der Lizenz zum In-die-Mitte-Ziehen. Und weil Hartherz kein Gavory ist, fand damit in der ersten Halbzeit durchgehend und in der zweiten Halbzeit über weite Strecken offensiv über den rechten linken Flügel wenig statt. Defensiv stand Flo Hartherz bombensicher, und er konnte mit ein paar schicken weiten Diagonalpässen glänzen.

F95 vs Ingolstadt: Klare Meinung zum Überfall auf die Ukraine im 160er (Foto: PS für TD)

F95 vs Ingolstadt: Klare Meinung zum Überfall auf die Ukraine im 160er (Foto: PS für TD)

Jammern auf hohem Niveau, denn wer braucht einen linken Flügel, wenn er einen solchen rechten Flügel hat? Matthias „Zimbo“ Zimmermann hat gegen Ingolstadt möglicherweise das beste Spiel seiner Zeit bei der Fortuna gemacht. Denn er zeigte alle seine Qualitäten: Die als stabiler Außenverteidiger, die als Initiator von Passstafetten, die als Mitmacher bei Doppelpässen, die als Flügelflitzer und Flankengeber und sogar die als Torschütze. Sein 2:0 in der 35. Minute war zum Zungeschnalzen, eine Aktion, die von Khaled und Kuba eingeleitet wurde, wobei letzterer schließlich auf Zimbo spielte, der ein bisschen an der Sechzehnerkannte cruiste und dann mit seinem nominell schwächeren linken Fuß abzog.

F95 vs Ingolstadt: Die Jubeltraube nach dem wunderschönen 1:0 (Foto: PS für TD)

F95 vs Ingolstadt: Die Jubeltraube nach dem wunderschönen 1:0 (Foto: PS für TD)

Wo die Bande unter einem gewissen Herrn Preußer eigentlich ausschließlich über die Flügel und dortige Flanken kam, zeigen (fast) alle Kollegen einen Zug ins Zentrum und trauen sich endlich auch Distanzschüsse zu. Einer davon muss nun bald mal reingehen, quasi als Lohn der Arbeit. Stattdessen aber flogen die Eier aus der Ferne gern in die dritte Etage über der Hütte oder meterweise links und rechts vorbei. Da ist Optimierungsbedarf, da ist gezieltes Schusstraining angesagt. Apropos: Unter der Woche hatten die Coaches die Kicker stundenlang das Passspiel – bevorzugt in der One-Touch-Variante – üben lassen. Das hat sich ausgezahlt, denn eine Passquote von 86 Prozent oder besser gab’s in dieser Saison erst zweimal vor dieser Begegnung.

F95 vs Ingolstadt: Richtige Farben, falsches Land... (Foto: PS für TD)

F95 vs Ingolstadt: Richtige Farben, falsches Land… (Foto: PS für TD)

Tja, und dann waren die Schanzer ab der 57. Minute nur noch zu zehnt auf dem Platz. Ausgerechnet unser Marcel Gaus, der ja deren Käpt’n ist, kriegte vom ansonsten sicheren Schiri Jablonski Rot-Gelb gezeigt. Das war hart, wenn nicht zu hart, denn Gaus beging an dieser Stelle überhaupt erst sein zweites Foul, und obwohl er dabei Daniel Ginczek so richtig wehtat, war diese Aktion nur bedingt gelbwürdig. „Unser“ Marcel Gaus übrigens deswegen, weil er in seiner Zeit bei der Fortuna vom damals amtierenden Trainer Norbert Meier nie die Wertschätzung zuteilwurde, die er verdient gehabt hätte. Natürlich war er, wie das Gros seiner Mitstreiter, defensiv leicht überfordert, aber das lag eher an der Sicherheit der Fortunen als an der Schwäche seiner Kollegen.

F95 vs Ingolstadt: Strafraumszene ohne Torerfolg (Foto: PS für TD)

F95 vs Ingolstadt: Strafraumszene ohne Torerfolg (Foto: PS für TD)

Vor dem Spiel hatte Trainer Thioune Energie und Vollgas gefordert. Und exakt das setzten seine Schützlinge von Minute 1 an um. Jeder versuchte jeden Ball zu erobern, der überhaupt nur in seine Nähe kam. Und das vorwiegend mit fairen Mitteln. Allen voran die bereits genannten Helden der Begegnung: Kuba, Cello und Khaled. Dabei dürfen wir aber auf keinen Fall Rouwen Hennings vergessen, der tatsächlich öfter im Mittelfeld zu finden war als in der Spitze. Ja, in den letzten zehn fünfzehn Minuten vor seiner Auswechslung in der 85. Minute fand man ihn nicht selten auf dem rechten linken Flügel, und, oh Wunder, ihm gelangen in dieser Partie mehr Pässe als vermutlich in vier, fünf, sechs Spielen zuvor. Auch Hennings ist einer, der unter Thioune auf ungeahnte Weise aufblüht, nicht nur als Knipser.

F95 vs Ingolstadt: In der Pause beim Fachsimpeln (Foto: PS für TD)

F95 vs Ingolstadt: In der Pause beim Fachsimpeln (Foto: PS für TD)

Den hätte eigentlich Daniel Ginczek durchgehend geben können, zumal er das 1:0 in der 5. Minute vollzog wie das ein Knipser nun mal zu tun hat. Allerdings fand er sich nach einer feinen Flanke von Narey auch mutterseelenallein auf dem Elferpunkt und hatte ungefähr siebzehn Möglichkeiten, die Pille einzunetzen. Er entschied sich für einen Kopfballaufsetzer, gegen den der FCI-Torhüter nichts tun konnte. Und wie gut tat dieser frühe Führungstreffer! Danach wirbelten die Roten teilweise wie ein Aufstiegskandidat, manche Kombination fielen eindeutig in die Kategorie „brillant“.

F95 vs Ingolstadt: Gänsehaut - endlich mal wieder eine Choreo... (Foto: PS für TD)

F95 vs Ingolstadt: Gänsehaut – endlich mal wieder eine Choreo… (Foto: PS für TD)

Erneut wurde sichtbar, was mit diesem Kader plus der Winterzugänge in dieser Saison möglich gewesen wäre, hätte ihn ein passender Trainer in die Finger bekommen. Nun standen ja nur zwei der Herren auf der Wiese, die erst zum neuen Jahr kamen, wobei sich wieder zeigte, dass Jordy de Wijs (der nicht fehlerfrei agierte, aber erneut KEINEN Zweikampf verlor) vermutlich der wertvollste der drei Neuen ist, denn der hat genau das, was sein Trainer fordert: Energie. Selbst als nach dem 3:0 und dem Platzverweis der Lolli gelutscht war, haute der sich rein, als ginge es bei jedem Zweikampf um die Meisterschaft. So zu sehen in der 84. Minute als er einem Ingolstädter im Konter im eigenen Sechzehner mit vollen Risiko vom Fuß spitzelte. Ach, gäbe es doch nur eine Chance, den Holländer für die kommende Saison zu kaufen.

F95 vs Ingolstadt: Khaled Narey beim Eckstoß (Foto: PS für TD)

F95 vs Ingolstadt: Khaled Narey beim Eckstoß (Foto: PS für TD)

Ginczek litte aber auch darunter, dass er zweimal heftig auf die Knochen bekam, einmal in einem Zweikampf, den er selbst angezettelt hatte. Danach humpelte er eine Weile, bekam nachher noch zweimal auf einen ab, und es sah doch sehr danach aus, dass er sich nicht weiter quälen sollte und Robert Bozenik Platz machten würde. Der kam aber erst in der 85. Minute für Rouwen Hennings, und man kann nachrechnen, dass er sich auf den Abschied freuen wird, wenn er in den folgenden neun Partien nie wieder in der Startelf stehen darf. Ihm wurde Emma Iyoha als Ersatz für Kuba vorgezogen, und es sah nach der 67. Minute kurz so aus, als würde die Fortuna nun mit drei Spitzen stürmen.

Wie die Wechsel überhaupt das System ziemlich aus den Fugen hoben, denn nachdem Flo Hartherz auch erst sehr viel weiter vorn arbeitete, roch die Abwehr nach Dreierkette mit Cello als falschem Libero. Vielleicht waren diese taktischen Irrungen und Wirrungen auch das, was dem Team letztlich die Energie entzog, Treffer vier, fünf, sechs zu markieren. Zumal die Hausherren nach den Wechseln auch anfälliger für das Ingolstädter Umschaltspiel wurden. Das diese übrigens schon in der ersten Halbzeit einige Mal ziemlich erfolgversprechend zelebrierten. Da musste Flo Kastenmeier ein paar Mal tief in seine Kompetenzkiste greifen, um ein Tor der Gäste zu verhindern.

F95 vs Ingolstadt: Absprachen - der Trainer und sein Stratege (Foto: PS für TD)

F95 vs Ingolstadt: Absprachen – der Trainer und sein Stratege (Foto: PS für TD)

Fehlt noch das 3:0 durch Khaled Narey, der von einem üblen Bock eines Schanzers profitierte, relativ ungestört in eine gute Schussposition kam und dann auch perfekt abzog und die Kugel in die Maschen beförderte. Dies war ein höchstpersönliches Tor, im Gegensatz zu den beiden anderen Treffern, die einfach die klare offensive Überlegenheit der Düsseldorfer Jungs unter Beweis stellten. Vergessen wir nicht Andre Hoffmann, der auch mit Maske maximale Stabilität garantiert und aufs Feinste mit Jordy harmoniert – schade für Chris Klarer, der so momentan außen vor ist.

F95 vs Ingolstadt: Die Teambesprechung nach dem Schlusspfiff (Foto: TD)

F95 vs Ingolstadt: Die Teambesprechung nach dem Schlusspfiff (Foto: TD)

Die auffälligste Schwäche der Rotweißen – und die wird Thioune sicher auch noch abstellen – ist die Unsicherheit beim Unterbinden von Kontern, die mehrere Gründe hat, die es genauer zu analysieren gilt. Denn schon gegen Paderborn nächste Woche wird sich die Mannschaft derlei nicht erlauben dürfen, will sie in der dortigen Möbelhalle wenigstens einen Punkt ernten. Der wäre mindesten so wichtig wie ein darauffolgender Heimsieg gegen den HSV. Mal angenommen, es hagelt diese vier Punkte, dürfte das Thema Relegation final gebügelt sein. Läuft alles weiter so gut, könnte ein einstelliger Tabellenplatz den versöhnlichen Schlusspunkt einer unegalen Saison bilden.

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