F95 vs Sandhausen 0:3 – Der postfaktische Schiedsrichter

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Schon klar: Die glorreiche Fortuna hat gegen den SV Sandhausen nicht wegen der Schiedsrichterentscheidungen verloren. Aber das postfaktische Schiedsen des Herrn Koslowski und seiner Spießgesellen hat nach dem Führungstreffer des SVS jeden vernünftigen Spielrhythmus der Düsseldorfer im Keim erstickt. Während seine Strategie bzw. Methode in der erste Halbzeit darin bestand, die Fortuna durch serienweise Freistöße und zwei sinnlose gelbe Karten zu verunsichern, hatte er seinem Linienmann für die zweite Spielhälfte das Thema „Abseits“ verordnet. Verwunderlich nur, dass weder die Bericht erstattenden Medien, noch Trainer Funkel – der sich während des Spiel unentwegt über Koslowski aufregte – diese alternativen Schiri-Entscheidungen thematisierten. Letzter vielleicht deswegen, weil es auch an der eigenen Mannschaft genug zu kritisieren gab.

Nun neigen Coaches eher selten dazu, die von ihnen gewählte Aufstellung und Taktik detailliert zu hinterfragen, wenn es eine Niederlage gab. Wären die Bellheims des deutschen Fußballs (siehe „Her mit den Alten!„) ein wenig selbstkritischer an die deprimierende Niederlage gegen den Provinzverein aus einem Heidelberger Vorort gegangen, hätten sie sich ein paar Fragen stellen müssen. Zum Beispiel: Sollte Axel Bellinghausen immer nach innen ziehen anstatt wie üblich linksaußen vor Lukas Schmitz zu agieren? Dass der Axel in der Pause ausgewechselt wurde, lässt vermuten, dass er sich nicht an die trainerischen Vorgaben gehalten hat.

Fragen über Fragen

Oder: Ist es wirklich sinnvoll, den erfahrenen, aber inzwischen ernsthaft langsamen Alexander Madlung gegen eine schnelle Truppe wie die vom SVS in die Innenverteidigung zu stellen? Immerhin war das Madlung’sche Stellungsspiel überwiegend gut und richtig, und der lange Kerl verhinderte durch beherzten Einsatz einen Sandhäuser Treffer, der eigentlich schon drin war. Weitere Fragen: Welche Rolle sollte Marlon Ritter GENAU spielen, und wie sollte er mit Kaan Ayhan kooperieren? Die Liste ließe sich fortsetzen, den besonders in den ersten 45 Minuten ließ sich kein konziser Spielplan erkennen. Deswegen taten sich die Fortunen sowohl in der Defensive, als auch in der Offensive sehr schwer, agierten hektisch in der Verteidigung und umständlich im Angriff.

Eine Schlüsselrolle spielte natürlich das Tor für die Verivox-Truppe in der 14. Minute. Dass der SVS-Kicker überhaupt zum Schuss kam, lag am inkonsequenten Agieren aller F95-Spieler in der Nähe. Sagen wir so: Bei einem Kevin Akpoguma wäre das nicht passiert – gerade in solchen Situationen ist der absolut sicher. Selbst Robin Bormuth wirkte stellenweise verunsichert, obwohl er es war, der den Ball bei Bedarf mehrfach aus dem Sechzehner drosch. Weil auch Adam Bodzek ein wenig verwirrt über den Rase kariolte, lässt sich eine weitere Frage ans Trainer-Team richten: Warum nicht Bodzek in die Innenverteidigung, wenn Akpoguma oder Bormuth ausfallen? So kreativ Ayhan im Mittelfeld agierte, so wenig gelang ihm gestern. Man wünschte sich, Marcel Sobottka stünde neben ihm auf dem Platz, aber auch der konnte ja nicht mittun. Selbst der erfahrene und immer konzentrierte Oliver Fink war in der ersten Halbzeit ziemlich neben der Spur.

Kaputtgepfiffenes Spiel

Zurück zum ersten Tor des SVS und zu Referee Koslowski. Bis dahin hatten zumindest Julian Schauerte, Marlon Ritter und Rouwen Hennings ein paar schlüssige Angriffszüge komponiert, aber nur über die rechte Seite ging überhaupt etwas. Gut, die Sandhäuser machten die Schotten ziemlich dicht, und deren Torhüter ist auch kein Fliegenfänger. Dass aber ab der 20. Minute praktisch jeder Zweikampf zuungunsten der Fortuna abgepfiffen wurde, ließ keine Daueroffensive entstehen. Freistöße für den SVS in der F95-Hälfte waren dagegen durchweg gefährlich. Bei aller Kritik: Sie wurden alle von der Verteidigung entschärft. Beim Treffer für Sandhausen war dann auch ein wenig Pech im Spiel, denn dass der Ball nicht nur direkt neben dem linken Pfosten einschlug, sondern kurz vorher noch auftitschte und über Michael Rensings Hand sprang, war vom Schützen so nicht geplant.

So gingen die nicht einmal 20.000 Anwesenden, so sie Freunde der Fortuna waren, trotz des nicht überzeugenden Auftritts noch recht hoffnungsfroh in die Pause. Und tatsächlich kam die Truppe gewandelt aus den Katakomben. Zumal Emma Iyoha nun für den Axel kam und als zweite Spitze neben Hennings agierte. Und was brachte der Junge für einen Schwung ins Spiel! Emma spielte die SVSler reihenweise schwindelig, war ständig anspielbar und leitete alle erfolgversprechenden Aktionen der Fortuna ein. Zumindest die Schüsse aufs Tor der Gäste wurde immer mehr. Und in der 62. Minute hatten die Rotweißen enormes Pech als ein wunderhübscher Schuss von Schmitz eben nicht in die Hütte ging, sondern vom Innenpfosten zurück ins Feld sprang.

Dem Schiri-Gespann wurde die Sache wohl zu heikel, und sie verständigten sich darauf, jeden zweiten F95-Angriff als Abseits zu bewerten. Leider zeigte Sport1 keine dieser Situationen, sodass schwer zu ermitteln war, wie viele der Abseits-Entscheidungen knapp waren. Mindestens zwei davon waren so falsch, dass sie an absurdes Theater erinnerten. Auch damit kann man eine Offensive zerstören, denn wenn immer wieder auf Abseits entschieden wird, ziehen sich die Stürmer immer wieder einen Schritt weiter zurück oder starten eine Millisekunde später in einen Pass.

Wild entschlossen, aber unkonzentriert

Endlich reagierte auch die Südtribüne, die dem viel zu früh verstorbenen Fan „Walli“ in der 50. Minute mit einem Banner und Dutzenden schwarzer Fahnen die letzte Ehre erwiesen. Erst jetzt kam es zu blockübergreifenden Anfeuerungen, die offensichtlich auch auf das Spiel Einfluss nahmen. Hätte, hätte, Fahrradkette – aber hätten die F95-Stürmer nur eine der vier Großchancen vor der 75. Minute zum Ausgleich reingemacht, wäre die Partie vermutlich zugunsten der Düsseldorfer gekippt. Den Sandhäusern blieb nicht mehr als auf Konter zu hoffen. Viele solcher Möglichkeiten ergaben sich nicht; eine konnte – wie erwähnt – Madlung in allerletzter Sekunde entschärfen. Aber der goldene Schuss von halbrechts, der sauber in den linken Giebel einschlug konnten die Verteidiger nicht verhindern. Die Fernsehbilder davon belegen, dass keiner der in dieser Gegend anwesenden Fortunen sich bemüssigt fühlte, dem Gegner ernsthaft anzugreifen.

Damit war der Film gerissen. Der kurz vor dem 0:2 eingewechselte Ari Ferati ackerte wie üblich, trickste herum, war aber wieder einmal erheblich ineffizient. Dass Christian Gartner dann in der 81. Minute für Kaan Ayhan kam, darf als motivierende Maßnahme für den Österreicher gewertet werden. Wenig motivierend aber, dass nach dem zweiten Treffer des Gegners in der 75. Minute die Zuschauer in Massen die Tribünen verließen, um sich an wärmere Orte zu begeben. Fragt sich auch, ob das Pfeifkonzert zur Pause den F95-Kickern oder dem postfaktischen Schiedsrichtergespann galt.

Um das Frustmaß vollzumachen nickte ein SVS-Verteidiger kurz vor Schluss eine Ecke völlig ungehindert ein. Da hatte vor allem Madlung anscheinend schon Feierabend. Man muss sich als Anhänger der glorreichen Fortuna wünschen, dass es kein weiteres Spiel in der Rückrunde mit einer ähnlichen Liste fehlender Spieler geben wird. Ganz offensichtlich ist die Anwesenheit von Kevin Akpoguma in der Defensive, von Marcel Sobottka im Mittelfeld und auch von Ihlas Bebou im Sturm entscheidend für den Erfolg der Mannschaft.

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4 Kommentare

  1. Der Support der Fans ist super . Er war schon immer super. Die Fans organisieren sich und haben dafür meinen Respekt weil sie das klasse machen. Aber ich denke wenn Fortuna angreift sollte mehr Raum sein für Free- Style , also mehr Raum für Ekstase.

  2. Ich vermisse eine wenigstens gaaaanz zaaarte Kritik an dem so überaus legendären Trainergespann Hermann-Funkel – müsste man nicht auch bei ungünstigsten Konstellationen etwas mehr erwarten können als einfach die nächste Klatsche gegen den zweifellos übermächtigen SVS mit seinen Erstliga-Ambitionen?

    Was soll die verbissene Schiri-Schelte, wenn jeder weiß, dass die tatsächlichen Gründe für das Problem seit jeher „Bodzek“, „Bellinghausen“ und „Madlung“ heißen?

    Hat der Verein übrigens beim neuen Fünfjahresplan (!) einkalkuliert, dass die brav-biederen Strategien des Funkelmariechens die Zuschauerzahl mittelfristig auf altbekanntes Rheinstadion-Niveau treiben werden?

    Es wird ab 15.000 schwierig werden mit dem Support …

    • Rainer Bartel am

      Na ja, die Fragen-über-Fragen sind schon als gaanz zaarte Kritik am T-Gespann gemeint. Bodzek habe ich am Freitag nicht als Problem gesehen, die beiden anderen schon und auch so benannt.

      Und was den 5-Jahresplan angeht: Wir altgedienten Fans müssen schon so langsam mal wieder aufpassen, hinterfragen und vor allem öffentlich zur Debatte stellen, was die Vereinsprofis da gerade anstellen: Noch während der Pause schwarze Folie im VIP-Bereich einzukassieren, damit dort niemand zum Gedenken an den verstorbenen Fan wedeln kann, ist -sammerma- völlig unfortunistisch.

  3. 18andy95 am

    Bezüglich der Aufstellung hätte ich auch eher die Variante mit Ayhan als IV, dafür Gartner im zentralen Mittelfeld bevorzugt.
    Aber die angeblich verbissene Schiri-Schelte finde ich gar nicht so verbissen. Im Gegenteil, hier teile ich die Meinung mit dem ergebenen Berichterstatter. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen, da mir im Gesamtpaket Schiedsrichter, Verbände und Medienberichterstattung seit einigen Jahren manche Dinge gewaltig gegen den Strich gehen, aber das würde den Rahmen hier sprengen…
    Und die Probleme an den genaannten drei fest zu machen ist schlicht und ergreifend falsch, haben doch alle drei bereits das Gegenteil bewiesen und andere – ohne Namen zu nennen – sich phasenweise auch schon als Problem dargestellt.
    Zu guter Letzt: Mir sind 15000 treue Realisten lieber als 40000, von denen die Hälfte persönlich beleidigt ist, wenn es mal nicht so läuft wie die es sich vorstellen. Und 15000 können auch für guten Support sorgen. Da muss man nur mal eine Liga tiefer schauen, da gibt es Vereine, die haben weniger Zuschauer, liefern aber bombastischen Support ab, wie man heute z.B. im Domdorf betrachten konnte.
    Aber dazu müssten bei uns einige erstmal über den alten Bekannten namens eigener Schatten springen…

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