Ein schöner Tag! Unsere Fortuna schlägt Schalke – wie es dazu kam:

Analyse · Wir Fans der glorreichen Fortuna, zu denen sich auch Euer Ergebener zählt, hatten es ja schon fast verlernt: Anfeuern, supporten, eskalieren und sich am Ende ein Loch in den Bauch freuen. Bei so viel so lang vermisster Euphorie verbietet sich eine nüchterne Analyse beinahe. Aber, egal, muss sein. Denn neben dieser umwerfenden emotionalen Seite hatte die Partie gegen den Club aus Gelsenkirchen auch mehrere rationale Seiten. Und ein paar Fragen stellen sich schon. Zum Beispiel: Wie groß war der Anteil von Neu-Cheftrainer Daniel Thoune an diesem Heimsieg? [Lesezeit ca. 12 min]

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Auf der sachlichen Ebene kann sein Beitrag eigentlich nicht sehr groß gewesen sein, denn in punkto Aufstellung und Systematik hat Thioune gegenüber dem Kiel-Spiel eigentlich nichts verändert. Oder: nichts Entscheidendes verändert. Es lief ein 4-4-2 auf, und die einzige eine personelle Veränderung bestand darin, dass er den unverwüstlichen Rouwen Hennings in die startende Elf gestellt hatte, die andere, dass Khaled Narey nach seinem kurzen Vaterschaftsurlaub wieder dabei war. Dass er so gut wie nichts veränderte, spricht eindeutig für ihn. Denn was die Fortunen bei der extrem unglücklichen Niederlage in Kiel zeigten, war – zumindest in der ersten Halbzeit – so richtig gut.

F95 vs S04: Der Motivationskreis vor dem Spiel hat gewirkt (Foto: TD)

F95 vs S04: Der Motivationskreis vor dem Spiel hat gewirkt (Foto: TD)

Fragen wir weiter: Aber warum war die Begegnung mit den Störchen über weite Strecken so gut? Weil die fürs Sportliche Verantwortlichen dem sympathischen Ex-Trainer Christian Preußer drei schicke Neuzugänge spendiert hatten. Nimmt man diese Auswärtspartie und das heutige Heimspiel zusammen, dann muss man sagen: Nicht der neue Trainer stellte den berühmt-berüchtigten Impuls dar, sondern die Herren Gavory, Ginczek und de Wijs. Und doch machten die paar Tage mit Daniel Thioune den Unterschied.

Und zwar deshalb: Die Fortuna muss brennen, soll sie siegen. Emotionen und Erregung sind der Brennstoff, der den F95-Motor antreibt. Je aufgewühlter die rotweißen Zuschauenden, desto erfolgreicher spielt das Team. Möglicherweise ist DAS der wichtigste Baustein in dieser ominösen (zum Glück schon fast vergessenen) „DNA“. Und wenn der arme Herr Preußer etwas nicht vermitteln konnte, dann eben dieses Feuer. Da ist Daniel Thioune aus anderem Holz geschnitzt.

F95 vs S04: Einige Kontermöglichkeiten in der zweiten Halbzeit (Foto: TD)

F95 vs S04: Einige Kontermöglichkeiten in der zweiten Halbzeit (Foto: TD)

Das hat man heute seinem Coaching neunzig Minuten lang angesehen. In der Pressekonferenz wurde er gefragt, ob er den legendären Patex-Stuhl freiwillig an seinen Co-Trainer abgegeben hat. Ja, sagte Thioune, er muss stehen beim Spiel. Dann sehen seine Spieler auch, dass er neunzig Minuten volle Kanne dabei ist – was für ein tolles Statement! Und gestanden hat er eigentlich kaum. Ständig tigerte er in seiner Zone hin und her, und mehrfach musste ihn der vierte Schiri wieder einfangen und in diese Box zurücktreiben. Das erinnerte ziemlich an seinen Vorvorgänger Uwe Rösler – wobei der deutlich mehr rumgebrüllt hat.

Mehrfach – und nach Meinung des Ergebenen immer in genau den richtigen Situationen – rief er den einen oder anderen F95-Kicker an die Linie, um ihm was mit auf den Weg zu geben. Das ist ein Engagement, das wir bei CP leider so gut wie nie gesehen haben. Das spricht nicht gegen Preußer, der ist eben so. Unterschiedlicher als er und Daniel Thioune können Charaktere kaum sein. Und diese Klarheit der Worte, Sicherheit der Gesten und Überzeugung in seinen Bewegungen haben ganz sicher AUCH die heutige Leistung ermöglicht.

F95 vs S04: Ball festmachen und Zeit schinden in der Nachspielzeit (Foto: TD)

F95 vs S04: Ball festmachen und Zeit schinden in der Nachspielzeit (Foto: TD)

Und die war grandioser als es das Gros der Berichterstatter gesehen hat oder zu beschreiben in der Lage war. Um es wieder ein wenig kälter zu machen: In der Halbzeitstatistik lagen die Roten in JEDER Kategorie vor den Schalkern: Torschüsse, Laufleistung, Anzahl und Genauigkeit der Pässe, gewonnen Zweikämpfe und auch in Sachen Ballbesitz. Das nivellierte sich zum Ende der Partie hin, was vor allem daran lag, dass die Begegnung nach Hennings‘ Führungstür bisweilen einigermaßen vogelwild wurde, viel Hektik reinkam und die Fehlerquote anstieg.

Mann des Spiels war (wieder) und ziemlich eindeutig Khaled Narey – und nicht bloß wegen seines feinen Treffers nach einer vorbildlichen Balleroberung und seiner schicken Vorlage für das 2:1. Der Bursche brannte von Minute 1 an, aber eben wie ein kontrolliert gezündeter Bengalo. Der senste keinen Gegner um (Huhu, Kris Peterson…), der schlug keine Notfallpässe, der hielt seine Position, und man kann davon ausgehen, dass der gute Khaled exakt das spielte, was ihm Thioune (der ihn ja vom HSV her kennt und dort auch gefördert hat) aufgetragen hatte. Und um nicht nur auf Zimbo Zimmermann angewiesen zu sein und ausschließlich auf Außen agieren zu müssen, zog er etliche Male genau im richtigen Moment nach innen. Prima auch die Rochaden mit Shinta Appelkamp in der zweiten Hälfte.

Eigentlich hätten sich die Fortunen die kalte Dusche des Gegentreffers in den ersten 45 Minuten gut und gern ersparen können. Zum Beispiel durch das 1:0 in der 10. Minute. Da setzt Daniel Ginczek im Getümmel einen Kopfball an den Pfosten. Die Pille prallt ab und landet bei Jordy de Wijs, der mächtig abzieht. Aber statt dass die Kugel das Netz löchert, trifft sie den Kollegen Hoffmann – dies war ein Hundertprozenter, und der gute Jordy hätte sich damit in die F95-Geschichtsbücher genagelt.

F95 vs S04: Die Großchance in der 10. Minute (Foto: TD)

F95 vs S04: Die Großchance in der 10. Minute (Foto: TD)

Überhaupt diese blonde Hollandkante! Was der an Macht und Wucht und Willen ausstrahlt, wirkt offensichtlich ansteckend. Der spricht mit den Kollegen, der dirigiert, der ist immer voll da. Der geht mit vor, wenn’s opportun ist, und kommt (meistens) rechtzeitig zurück. Und welche zwei Männer auf dem Platz haben die Fans aufgefordert mehr Stümmung zu produzieren? Genau: Daniel Thioune und Jordy de Wijs. Euer fröhlich ergebener Berichterstatter sagt: Sein Herz hat der Jordy schon gewonnen. Leider liegt die Wahrscheinlichkeit, dass er länger bei der Fortuna arbeiten könnte, im einstelligen Prozentbereich.

F95 vs S04: Wer heizt die Stümmung an? Genau: der Jordy... (Foto: TD)

F95 vs S04: Wer heizt die Stümmung an? Genau: der Jordy… (Foto: TD)

Vergessen wir aber auf keinen Fall unseren Rouwen, der nicht erst seit heute in einer Reihe mit den legendären Knipsern der letzten 20 Jahre (Erinnert sich noch jemand an Axel Lawaree?) steht. Nein, nein und nochmal nein: Ein brillanter Fußballer wird der in diesem Leben nicht mehr; seine Passquote dürfte unter der 50 liegen, und bei der Ballannahme kräuselt sich jedem Jugendtrainer das Nackenhaar. Aber auch er ist mit seinem nie nachlassenden Engagement eine Fackel, die das fortunistische Spiel am Brennen hält. Auch wenn er nicht mehr der Schrecken jeder gegnerischen Abwehr ist, macht der den Verteidigern jederzeit jede Menge Arbeit. Und recht eigentlich hätte der gute Rouwen heute sogar zweimal einlochen müssen. Schwamm drüber!

Wo wir aber über das Engagement sprechen, müssen wir auch – was sagte Daniel Thioune in der Vor-dem-Spiel-PK? – von der Liebe und noch mehr von der Leidenschaft reden. Beides hat unter Preußer fast durchgehend gefehlt. Und nun geht ein Andre Hoffmann aber mal so richtig aus sich heraus und schimpft den Referee um den Preis einer gelben Karte aus. Ziemlich genau in der 90. Minute landet Zimbo Zimmermann nach einem Kopfballduell ziemlich unglücklich auf dem Rücken und bleibt mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen. Und die sogenannten „Knappen“? Scheren sich nicht drum, sondern spielen nach vorne. Und Schiedsrichter Osmers? Schert sich auch nicht drum und lässt weiterspielen, obwohl er den Vorfall beobachtet hat.

F95 vs S04: Mehr Feuer! Hoffmann schimpft mit dem Schiri (Foto: TD)

F95 vs S04: Mehr Feuer! Hoffmann schimpft mit dem Schiri (Foto: TD)

Als er dann das Treiben der Babyblauen dann doch unterbricht und die F95-Medizinmänner auf die Wiese lässt, rennt Hoffmann auf ihn zu und brüllt ihn gestenreich an. Das mag sachlich betrachtet in dieser Situation übertrieben gewesen sein, emotional war es genau richtig und genau das, was der Fortuna im bisherigen Verlauf der Spielzeit 2021/22 gefehlt hat. Auch dass sich Hennings nach einem Foul, das ihm ein Schalker zugefügt hat, dem lautstark an den Kragen wollte, gehört zu dem, was unbedingt mehr werden muss, soll die launische, aber wunderschöne Diva nicht den Fahrstuhl nach unten nehmen müssen.

Eigentlich könnte man nach diesem zauberhaften Sieg jeden einzelnen Kicker auf ein Podest stellen. Zum Beispiel auch Nicolas Gavory, der nominell als linker AV aufgestellt war, aber – ähnlich wie in Kiel – mehr einen Außenläufer gab. Denn in der Systematik (Hallo, Herr Preußer!) sollte diese Nummer ja Shinta Appelkampg spielen. Der aber – ähnlich wie in Kiel – oft und gern nach innen zog und dann doch fast wie ein Zehner agierte. Da rückte Gavory dann vor und wurde zum Flankengeber. Das macht der alles unaufgeregt und auch ein wenig zu unauffällig, als dass man ihn gleich dafür bewundern würde.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Aufgabenteilung zwischen Nicolas und Shinta wiederholt, ist gering, wenn Kris Peterson wieder mitspielen darf. Denn sie hat auch Nachteile. Wenn Appelkamp den Flügel aufgibt und es zu einem gegnerischen Umschaltspiel kommt, fehlt auf der linken Seite schlicht und einfach eine Nase, es entsteht ein Loch, und die Fortuna kann sich glücklich schätzen, dass die S04er diese Schwäche nicht entdeckt und ausgenutzt haben. Oder doch? So ganz klar ist es dem Ergebenen nicht, wie die Vorgeschichte der Schalker Führung aussah. Zu sehen war nur, dass ein Blauer auf unserer linken Seite pfeilschnell aus Richtung Mittellinie anlief, dass Gavory beim Versuch ihn abzugrätschen, leicht wegrutschte und Andre Hoffmann zunächst zu langsam war und dann in der Box mehr nicht tun konnte, wollte er keinen Elfer riskieren.

F95 vs S04: Zimbo mit einem weiten Einwurf (Foto: TD)

F95 vs S04: Zimbo mit einem weiten Einwurf (Foto: TD)

Der Pass kam dann halbhoch von der Grundlinie, durchquerte den Fünfer, wurde vom innen stehenden Schalker verpasst, aber sein Kollege jenseits des langen Pfostens nahm das Ei geschickt an und machte die Hütte. Da konnte auch Flo Kastenmeier wenig tun, weil er sich entscheiden musste, wessen Schuss er blocken sollte. Außer diesem Ding kam in den ersten 45 Minuten nicht viel von den Schalkern, und deren Trainer war in der Pressekonferenz einigermaßen angepisst von der Leistung seiner Buben. Er vergaß, dass man immer nur so gut spielen kann wie es der Gegner erlaubt. Nehmen wir nur diesen Terodde, den speziell Hoffmann, aber auch de Wijs fast komplett aus dem Spiel nahmen – das ist ja offensichtlich immer die halbe Miete.

Nicht alle F95-Helden kamen gleich gut in die Partie. Shinta Appelkamp brauchte eine gute halbe Stunde, bis er sich eingegroovt hatte. Ab diesem Zeitpunkt nahm seine Fehlpassquote ab, und er begann nicht nur in punkto Balleroberung zu glänzen. Kreative Ideen hatte er aber nicht exklusiv, denn auch Jory de Wijs schlug ein paar Diagonal- und Steilpässe vom Feinsten. Da hatte Cello Sobottka anderes zu tun: Der ordnete durchgehend das Mittelfeld, holte sich ein ums andere Mal die Pille vom Gegner und verteilte die Bälle im Aufbau. Schön, dass unser Aushilfskäpt’n auf dem aufsteigenden Ast ist.

F95 vs S04: Endlich wieder Schals im Block - fast schon wie zu normalen Zeiten (Foto: TD)

F95 vs S04: Endlich wieder Schals im Block – fast schon wie zu normalen Zeiten (Foto: TD)

Einziges Sorgenkind blieb Kuba Piotrowkski, der gerade in der ersten Hälfte bisweilen recht ziellos umherirrte und sich manchen Fehlpass leistete. Was ihm nun überhaupt nicht vorwerfen kann ist mangelnder Einsatz und zu geringer Kampfeswillen. Da gehört er ja immer zu Treibern. Und wie wir wissen, schießt er dabei manchmal übers Ziel hinaus. Heute aber hatte er sich offensichtlich Disziplin auferlegt. Bleibt von der Startelf noch Daniel Ginczek, der in der 69. frei vor dem Tor die Bude zum 3:1 hätte machen müssen. Der Daniel ist ein unermüdlicher Arbeiter, oft anspielbar, aber im Abschluss noch glücklos. Denn außer dem Ding in der 10. und dem verpassten Hunderprozenter in der 69. hatte er laut Strichliste weitere vier Schüsse, die nichts Zählbares brachten.

Nun sind wir Fortuna-Fans ja Böses gewohnt, und der ganze Block bibberte, weil eben das eigentlich verdiente 3:1 nicht fiel und der Schiri vier Minuten Nachspielzeit ausrief. Und das, was Preußer ein paar Mal schiefging, gelang seinem Nachfolger brillant: die Wechsel. In der 75. Minute brachte er Robert Bozenik für Ginczek – ein nachvollziehbarer Austausch. Ao Tanaka für Sobottka zu bringen und nicht für Piotrowski überraschte ein wenig, wobei unser Japankicker die Partie ganz ordentlich zu Ende brachte, ohne nun irgendwelche großen Akzente zu setzen. Das gelang Bozenik übrigens auch nicht – aber der brachte weiteres Feuer in die Sache.

F95 vs S04: So zelebriert Daniel Thioune Auswechslungen (Foto: TD)

F95 vs S04: So zelebriert Daniel Thioune Auswechslungen (Foto: TD)

Mit den drei Einwechslungen in der 86., 87. und 88. nahm Thioune dann aber entscheidende Minuten von der Uhr, etwas, was seinem Vorgänger so nie gelungen ist. Gerade bei den Wechseln ließ sich auch gut der völlig andere Umgang des Trainers mit den Spielern erkennen; Daniel Thioune agiert körperlich mit den Kickern, nimmt sie mal eben schnell in den Arm oder gibt ihnen einen aufmunternden Klaps. Euer Ergebener fühlt sich beim Neu-Coach in vieler Hinsicht an den zu Unrecht schlechtgeredeten Uwe Rösler erinnert und denkt sich, dass Trainer, die selbst mal Profis in den oberen Ligen waren, eben doch angemessener mit ihren Schützlingen umgehen als Trainer, die nie was anderes waren als Trainer.

Kommen wir zum Highlight Nummer 1 des Tages: Das 1:1 durch den wunderbaren Khaled Narey in der 47. Minute. De Wijs nimmt einen Abschlag vom S04-Keeper auf und leitet gleich weiter. Zweite oder dritte Station ist Ginczek, der steil auf Narey legt. Der nimmt den Ball klasse an, trickst den Schalker Verteidiger aus, zieht vorbei, kommt frei vors Tor und netzt präzise unten links ein – ein wunderschönes Tor. Die Jubeltraube danach an der Ecke vor der Süd war kurz vorm Explodieren. Was für eine Erleichterung! Endlich wieder ein Tor für Rotweiß!

F95 vs S04: Die Jubeltraube nach dem Ausgleichstor (Foto: TD)

F95 vs S04: Die Jubeltraube nach dem Ausgleichstor (Foto: TD)

Aber ein Knotenplatzer war das noch lange nicht, das schienen auch die Spieler zu wissen, denn sie versuchten rasch nachzulegen. Zumal die Schalker merkwürdig lethargisch auf den Ausgleich reagierten. Erst nach dem Führungstreffer drehten sie ein bisschen auf, schoben vor und gaben Räume für Konter. So konnte Rouwen Hennings in der 53. Minute fast unbedrängt von der Sechzehnerkannte aus schießen, hatte die Pille aber auf dem falschen Fuß und bekam keinen Druck hinter den Schuss.

F95 vs S04: Das mit den Fähnchen... (Foto: TD)

F95 vs S04: Das mit den Fähnchen… (Foto: TD)

Unsere Jungs hatten zu diesem Zeitpunkt Schalke voll im Griff. Angriff um Angriff lief, vorwiegend über rechts. Immer wieder Doppelpässe, an den Zimmermann, Narey und Ginczek beteiligt waren. Gavory weit vor. Appelkamp und Hennings zentral. Manchmal de Wijs weit vorne mit dabei. Da standen dann manchmal zehn Schalker im eigenen Strafraum. Und dann sind die Roten drin in der Box. Zimmermann schiebt durch zu Narey, der aus der Drehung hinter die Masse der Verteidiger passt, wo Hennings wie einst im Mai goldrichtig steht und goldrichtig einnetzt.

Und wieder eskaliert die Situation auf den Rängen, im Block, vor der Bank und auf dem Rasen. Der Jubel ist unbeschreiblich. Oh, wie ist das schön! Ja, ja, ja! Komischerweise gab’s keine Bierdusche auf der Süd. Tatsächlich sahen manche Fans im Stehbereich fast wie gelähmt aus, so lange war es her, dass man mal wieder so richtig abgehen konnte. Obwohl nur 10.000 Menschen, darunter ziemlich genau 9.500 Anhänger der glorreichen Fortuna in der Arena war, brodelte es wie in den seligen Zeiten vor dieser beschissenen Corona-Seuche. Wenn es je eines Beweises bedurft hätte, wie wichtig anfeuernde Zuschauende gerade auch für die Fortuna sind, dann war es diese aufwühlende Begegnung gegen den Verlierer des Endspiels um die Deutsche Meisterschaft anno 1933 (…nur damit es jeder weiß…).

F95 vs S04: Die Freude der Trainer über den Heimsieg (Foto: TD)

F95 vs S04: Die Freude der Trainer über den Heimsieg (Foto: TD)

Aber, wer Fortuna-Fan ist und deshalb das Leben nicht zu fürchten braucht, trägt immer auch einen Schuss Skepsis, ja, Pessimismus in sich. Ja, sagte einer, was nutzt es, wir stehen immer noch auf dem Relegationsplatz. Du kannst dir doch nicht im Ernst vorstellen, wirft ein anderer ein, dass eine Mannschaft wie diese absteigen kann. Doch, dachten sich im Stillen diejenigen, die schon ein bisschen länger dabei sind, der Fortuna kann so etwas passieren. Von wegen himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt. Realistisch betrachtet wird F95 wohl eher nichts mit dem Abstieg zu tun haben, sondern allerschlimmstenfalls Relegation spielen müssen.

F95 vs S04: Thioune hält nach dem Spiel eine Rede (Foto: TD)

F95 vs S04: Thioune hält nach dem Spiel eine Rede (Foto: TD)

Loben wir doch bitte mal die Leute im Verein, die was zu sagen haben. Vor allem für die Neuverpflichtungen, aber auch für den (etwas verspäteten) Trainerwechsel. Rein fußballerisch hat Christian Preußer gar nicht so viel falsch gemacht. Er hat es aber weder geschafft, gute Kicker besser zu machen, noch die Flamme im Kader zu zünden, die lodern muss, soll das Team ordentliche Leistungen in Tore und damit in Siege zu verwandeln.

Verrückt genug: Las man vor ein paar Tagen noch in den sogenannten „sozialen“ Medien von etlichen Fans, sie hätten keinen Bock mehr auf die Fortuna und würden auch nicht mehr in die Arena tapern, hörte man heute auf dem Nachhausweg vorwiegend, dass man sich schon auf das nächste Heimspiel am kommenden Sonntag gegen Aue freue. Vorfreude? Hatten wir lange nicht mehr…

9 Kommentare

  1. In Ihrer gut zusammengefassten Nachbereitung des Spiels würde ich Sie gerne an zwei Stellen berichtigen. Im Vergleich zum Kiel-Spiel war nicht nur Hennings die einzige Änderung in der Startaufstellung! Auch Narey war von Beginn an dabei und wie wir schon über die gesamte Saison feststellen konnten, ist er ein erheblicher Faktor in unserem Angriffsspiel. Wer weiß, wie das Spiel in Kiel gelaufen wäre, wenn er nicht Papa geworden wäre und Preußer ihn hätte aufstellen können? Vielleicht wäre ein Preußer ja dann noch im Amt.
    Allerdings habe ich das Gefühl, dass Thioune vom Typ her wesentlich besser zu uns und der Mannschaft passt, als der liebe Herr Preußer.
    Der zweite Punkt wäre die Chance von Hennings in der 53. Minute. Den Ball bekam er auf den richtigen Fuß, nämlich seine linke Klebe. Dass er den nur ohne Druck flach ins Eck legen wollte ist bestimmt noch dem Umstand geschuldet, dass auch er in einer Torflaute hing, die ihm das Selbstvertrauen für einen Vollspannknaller nahm.
    Ingesamt war die Mannschaftsleistung sehr ansprechend. Für mich sind nur Appelkamp und Piotrowski etwas abgefallen. Bei Appelkamp habe ich das Gefühl, dass es ihm noch an Körperlichkeit fehlt. Da sollte er sich mal mit Iyoha unterhalten, der diesbezüglich auch während seiner Leihen zu Osnabrück und Kiel zugelegt hat. Piotrowski steht sehr häufig falsch und muss deshalb seinen Gegenspielern häufig hinterherrennen, was für ihn dann auch noch Mangels Geschwindigkeit enorm viel Kraft kostet.
    Da muss er noch besser werden, liegt aber vermutlich auch an fehlender Spielpraxis.
    Die drei Neuverpflichtungen sind definitiv eine Bereicherung für unsere Mannschaft, da stimme ich Ihnen voll zu. Sowohl als Führungspersönlichkeiten auf dem Platz, als auch durch ihre mitgebrachten Fähigkeiten. Da sollte sich Herr Allofs jetzt schonmal Gedanken machen, wie er die Kohle zusammenkratzt, um de Wijs für uns zu gewinnen. Der Typ ist bärenstark, sowohl gegen den Mann, als auch mit dem Ball.

  2. Aachener am

    „Euer Ergebener fühlt sich beim Neu-Coach in vieler Hinsicht an den zu Unrecht schlechtgeredeten Uwe Rösler erinnert.“
    Interessanter Satz. Wer hat nochmal in der letzten Saison mehrfach für eine Trennung von Hrn. Rösler plädiert?

    Gruß aus Aachen!

    • Totaler Stuss!
      Der „Ergebene“ ist wirklich immer der allerletzte, der einen Trainerwechsel herbeischreibt!
      Mach mal deine Hausaufgaben … in Aachen.

      • Aachener am

        Hallo Schommi,

        danke für den Hinweis, ich habe es geprüft: Tatsächlich habe ich meine HA gemacht. Der Betreiber dieser Seite hatte in der letzten Saison tatsächlich für eine Trennung von Hrn. Rösler plädiert.

        Gruß aus Aachen!

    • Rainer Bartel am

      Aus heutiger Sicht wurde Rösler tatsächlich zu oft schlechtgeredet – auch vom Ergebenen. Für eine Trennung von Uwe Rösler hat der Ergebene dagegen nicht plädiert, sondern mehrfach die Frage aufgeworfen, ob er der richtige Trainer für die Fortuna ist. Das ist schon ein Unterschied.

      • Wenn Preußer sich nicht als dermaßen eklatanter Fehlgriff erwiesen hätte, käme niemand auf die Idee die monatelang berechtigten (!) Vorbehalte gegen UR nachträglich in Zweifel zu ziehen. Der Unterschied besteht darin, dass letzterer uns einen völlig überflüssigen Abstieg eingebrockt hat (immerhin 15 Spiele verantwortlich!), während man das bei dem Jungspund so gerade noch hat verhindern können – hoffentlich!

        • Das mag jeder sehen, wie er will. Meiner Meinung nach lag es auch an einem nicht erstligareifen Kader. Spieler wie Raman oder Lukebakio wurden nicht adäquat ersetzt und außer Hennings war vorne nix! Stöger kam auch aus einer langen Verletzungspause und brauchte Zeit. Und links hinten….ich sag besser nix! Hinzu kamen dämliche Gegentore, wie auch unter Preußer, die uns den ein oder andern Punkt gekostet haben, der uns gerettet hätte.
          Thioune wird jetzt voll von den drei Neuzugängen profitieren können. Verpflichtungen, die seit Langem mal direkt eingeschlagen sind bzw. Uns sofort zu helfen scheinen. Und wie schon bereits erwähnt: Mit Narey in Kiel hätten wir das Spiel vermutlich gerockt und Preußer wäre immer noch da. Schon da hat man die bessere Qualität und den Führungsgeist der Neuverpflichtungen gesehen. Hätte Funkel schon bessere Spieler bekommen, statt 7 Mio. in einen Dauerverletzten zu investieren, müssten wir uns über Rösler und Preußer garnicht unterhalten.
          Aber Gott sei Dank ist der Klein jetzt mal weg und wir haben wieder einen Trainer, der die Mannschaft an der Linie mitnimmt.

      • Aachener am

        Nee, Nee, Sie hatten am Ende der letzten Saison eine Nichtverlängerung des Vertrags befürwortet.

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