Vor einer erstligareifen Kulissen von mehr als 37.000 Zuschauern gewann das Team von Trainer Friedhelm Funkel gegen den Aufstiegsaspiranten nach einem Elfmetertor von Ihlas Bebou verdient mit 1:0. Die Mannschaft in Weiß überzeugte durch eine hervorragende kämpferische Leistung auf Basis einer guten taktischen Disziplin. Bei der Aufstellung hatte Funkel bis kurz vor dem Einreichen der Startelf taktiert; dass der Ex-VfBler Kiesewetter zum Anpfiff auflief, war nur eine Variante davon. Gegenüber dem Unentschieden in Sandhausen fehlten zunächst Christian Gartner und Emma Iyoha, die durch Marcel Sobottka und eben Jerome Kiesewetter ersetzt wurden. Etwas überraschend gab Ihlas Bebou die Spitze und machte in den 90 Minuten seine nicht so gute Leistung aus der Vorwoche deutlich wett. Auch Axel Bellinghausen ließ seinen nicht überzeugenden Auftritt im ersten Saisonspiel vergessen. Erneut großer Rückhalt der Mannschaft und letztlich Punkteretter war Torhüter Michael Rensing.

Mit Kevin Akpoguma und Alexander Madlung scheint eine stabile und entschlossene Innenverteidigung gesetzt. Mit gegenüber der Vorsaison vertauschten Rollen agieren auf Außen Julian Schauerte und Lukas Schmitz. Während Schauerte auf der rechten Seite mit großer Disziplin seinen Defensiv-Job erledigte, schaltete sich Schmitz immer wieder in den Angriff ein und sorgte für gefährliche Momente. Harmonisch gestaltete sich die Zusammenarbeit des Mittelfeldes mit Bodzek, Sobottka und Fink.

Erst nach 25 Minuten angekommen

Allerdings konnte man erneut den Eindruck haben, die zehn Feldspieler in Weiß seien in den ersten 25 Minuten nicht ganz auf dem Rasen angekommen. Auch wenn die Offensivbemühungen der Stuttgarter – einschließlich der hochgelobten Maxim und Tashchy – eher harmlos daherkamen, gelang es der F95-Elf zunächst nicht, Akzente zu setzen. Leider war in der ersten Spielhälfte Schiri Cortus schlechtester Mann auf dem Platz. Ein ums andere Mal schenkte der dem VfB Freistöße in nicht ungefährlichen Positionen – meist wenn Kiesewetter einen Stuttgarter Spieler auch nur berührte. Dass er absolut identische Fouls an Fortuna-Spielern nicht pfiff, ließ erste Schieber-Rufe laut werden.

Dann wachten die Schützlinge des Fortuna-Trainer-Teams auf und setzten erste Offensivstöße. Dabei zeigte sich die Anfälligkeit der VfB-Abwehr, die schon beim Heimspiel gegen den FC St.Pauli zu sehen waren. Zwei hundertprozentige Chancen brachten leider nicht den Führungstreffer, wobei es gerade Marcel Sobottka auf dem Fuß hatte, das erste Heimspieltor der Saison zu erzielen. Erwähnenswert auch, dass Kapitän Bodzek nach mehreren Zusammenstößen mit dem Stuttgarter Sama schon in der 5. Minute die gelbe Karte sah und trotzdem bis zum Ende dabei sein konnte.

Zufrieden in die Pause

Zur Pause zeigten sich die F95-Fans in der Südkurve und auf den Tribünen hochzufrieden. Vor allem begeisterte die geschlossene Mannschaftsleistung und der große Kampfgeist des Teams. Auch wenn der VfB mehr Spielanteile hatte, war die Fortuna doch der Führung deutlich näher als der Gegner. Auch dank des ungewöhnlichen 4-1-4-1-Systems und des perfekten Verschiebens bei Angriffen der Stuttgarter. Deren Spieler Maxim, der in der Vorwoche noch die Paulianer fast im Alleingang besiegt hatte, sah kaum Land und wurde nur durch die von ihm getretenen Frei- und Eckstöße sichtbar.

Zu Beginn der zweiten Spielhälfte sah die Partie zunächst ausgeglichener aus, weil beide Teams nun abwechselnd in die Offensive gingen. Chancen gab es auf beiden Seien zunächst nicht, aber es war deutlich zu erkennen, dass die Fortunen nun gewillt waren ernst zu machen. Immer öfter kam es zu feinen Spielzügen, die aber allzu oft vertändelt wurden. Allerdings mit einer Fehlerquote weit unter den schlechten Werten der Vorsaison. Als Vorteil erwies sich nun auch, dass das Spiel der Düsseldorfer nicht mehr auf ein, zwei Spieler konzentriert ist, sondern alle Akteure ihren Anteil sowohl an Offensiv-, als auch an Defensiv-Situationen haben. Besonders das Abwehrverhalten von Ihlas Bebou fiel sehr positiv auf.

Bebou verwandelt Elfmeter

Als dann Fink nach einer kleinen Soloeinlage im Sechzehner des VfB touchiert wurde und zu Boden ging, zeigte der Referee auf den Punkt. Bis dahin hatte er – möglicherweise im Sinne der Konzession – deutlich öfter zugunsten der Fortuna gepfiffen, ohne aber den Gegner wirklich zu benachteiligen. Schon mit dem Pfiff griff sich Bebou den Ball und wartete am Elfmeterpunkt bis sich die Gemüter wieder abgekühlt hatten. In der 53. Minute versenkte er den Strafstoß dann mit einem präzisen Schuss in die rechte obere Netzecke.

Zwar verstärkten die Stuttgarter jetzt ihre Bemühungen, aber Chancen blieben Mangelware. Und wenn es zu Torschüssen kam, war Keeper Rensing zur Stelle. So in der 59. Minute als er einen Fernschuss mit beiden Füßen abwehrte oder knapp 4 Minuten später als er einen Terodde-Kopfball fing. Mit der Einwechslung von Maecky Ngombo für den blass gebliebene Kiesewetter in der 71. Minute änderte sich die taktische Ordnung der Fortunen erneut. Alles war nun auf Torsicherung und mögliche Konter ausgerichtet, und der körperlich starke Ngombo war mehrfach zur Stelle, um den Ball nach vorne zu tragen. Außerdem prüfte Fink den VfB-Torwart mit einem Distanzschuss. Einmal war Bebou, der nun zurückgezogen spielte, fast frei im gegnerischen Sechzehner, verstolperte den Ball aber in aussichtsreicher Position. Den Sack zumachen können hätte aber der in 79. gekommene Christian Gartner, der einen wunderbaren Pass von Ngombo nicht am Keeper vorbei brachte.

Zum Ende der Begegnung rückte wieder Schiri Cortus ins Rampenlicht. Wieso er 4 Minuten Nachspielzeit ansetzte, war nicht nachvollziehbar. Und warum dann, obwohl es nach der 90. Minute keine weiteren Verzögerungen gab, einen Angriff der Stuttgarter in der inzwischen 96. Minute noch laufen ließ, wird sein Geheimnis bleiben. In der Nachspielzeit gab es dann noch einmal einen Aufreger als ein Stuttgarter im F95-Strafraum zu Boden ging und die Spieler in Weinrot auf Elfmeter reklamierten. Aber genau in diesem Moment pfiff Cortus ab.

Hoffnungsvoller Auftakt

Friedhelm Funkel bezeichnete den Sieg als glücklich, zeigte sich aber mit der Leistung der Spieler zufrieden. Die Fans freuten sich einfach; nicht nur über den wichtigen Sieg gegen eine Spitzenmannschaft der neuen Zweitliga-Saison, sondern vor allem über das tolle Auftreten der Jungs in Weiß. Die wurden am Ende mit einer Humba belohnt, die keine war. Axel Bellinghausen stimmte in enger Kooperation mit dem Kapo der Ultras das sogenannte „Laut-leise-Lied“ an, bei der zunächst alle im Sitzen sehr leise singen, um dann bei der Wiederholung aufzuspringen und mit maximaler Lautstärke den Refrain zu singen.

Download PDF

1 Kommentar

  1. Ja, 95% Zustimmung. Eine Fehlpassquote in der gegnerischen Hälfte von über 50% ist nicht so prickelnd und macht viele der offensiven Bemühungen wieder zunichte. Und Bellinghausen hat gefühlte 90% Anteil an der Fehlpassquote, auch wenn er eine Kampfsau ist, aber spielerisch gefällt mir das gar nicht.

Antworten