Der „kicker“ war vor vielen, vielen Jahr mal ein ernstzunehmendes Fachblatt für den Fußballsport. Mittlerweile lecken die Schreiber dort nur noch den Speichel der großen und reichen Vereine. Beweisbar ist die These anhand des Spielberichts über die gestrige Partie der glorreichen Fortuna gegen den Werksclub der Dieselbetrüger. Der ist vollständig aus der Sicht des Vereins aus dieser Retortenstadt an der ehemaligen Zonengrenze geschrieben und beginnt mit der hämischen Feststellung, dass die Fortuna gegen Golfsburg einfach nicht gewinnen kann. Aber die Herren vom kicker sind ja nicht die einzigen Schreibfinken, die gegen die Fortuna schreiben.

Da sind da noch die Leute vom Handelsblatt und vom Spiegel, die auf kriminelle Weise beschaffte Mails zum Anlass nehmen, wüsteste Gerüchte über unseren Verein in die Fußballwelt zu setzen. Welche d***e S** diese „Informationen“ auch immer durchgesteckt haben mag: Er oder sie möge sich auf ewig aus unserer schönen Stadt verpissen. Und gleich diesen einen Schreiberling der RP mitnehmen, der meint, man könne ihn für einen investigativen und kritischen Journalisten halten, weil auf die angebotenen Trittbretter aufspringt. Das es auch anders geht, beweist der geschätzte Kollege Jolitz mit seinem Kommentar zum Spiel. So viel dazu.

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Ansonsten war es eine fröhliche Begegnung mit einem F95-Team, das bei den geneigten Zuschauern einige Ahs und Ohs auslöste angesichts des Tempofußballs, der gelungenen Kombinationen und eines unbändigen Kampfgeistes. Für den ist nach wie vor und vielleicht für immer unser Käpt’n Oliver Fink zuständig. Was der Mann für Balleroberungen zustande bringt! Man sollte Finki mal mit einer persönlichen Kamera bei einem Spiel verfolgen und dabei vor allem sein Gesicht abfilmen: Konzentration, Fokussierung, Willenskraft – das alles auf dem Fundament maximalster körperlicher Fitness. Nein, ein Ballzauberer wird der nicht mehr, und in der Fehlpassstatistik liegt er oft ganz vorne, aber für das dicke B der Balleroberung ist er der Experte, vielleicht sogar in der ganzen Bundesliga.

Labber-Rhabarber rund um die Systeme

Vor dem Spiel blubberten die statistik- und tabellenverliebten, aber nicht im Geringsten sachkundigen Schreibmaschinen in den ausgedünnten Redaktionen vor allem darüber, dass das Team, in dem Schmadtke jetzt seine arrogant-schlechte Laune verbreiten darf, mit einem Sieg Tabellenführer würde, also, für einen Tag. Wen interessiert so etwas eigentlich? Und wer will wirklich wissen, ob dieser hässliche, lange Holländer in wie vielen Spielen gegen welchen Gegner wie viele Tore gemacht hat? Man darf sich als Fan, der nicht nur seinen Verein liebt, sondern den Fußballsport mittlerweile einfach nur noch verarscht fühlen von diesem medialen Dumpfschwampf. Da sind einem ja noch die Labberköppe lieber, die Live-Übertragungen im TV kommentieren und dabei wenigstens ab und an was von Systemen und Taktiken erzählen, auch wenn dabei inzwischen ständig von Sechsern und Achtern die Rede ist, selbst wenn’s gerade nicht passt.

Apropos: Die meisten fachkundigen Auguren hatten aus der offiziellen Statistik ein 4-2-3-1 gelesen. Ungefähr so kickte die Fortuna in den ersten 45 Minuten auch, wobei vor allem die Rollenverteilung zwischen dem unverwüstlichen Adam Bodzek und Lewis Baker nie so ganz klar wurde, denn meistens spielten sie hintereinander gestaffelt – aber, wer will schon von einem 4-1-1-1-2-1 sprechen? Denn auch Käpt’n Fink trat ausgesprochen zentral auf, dehnte seinen Aktionsradius aber auf praktisch jeden ballführenden Gegner im Umkreis von 30 Metern aus. Bodzek vertrat seine Rolle als „Libero“ VOR der Abwehr über die volle Spielzeit, und zwar solide, unaufgeregt und mit einer sehr geringen Fehlerquote. Was man vom Chelsea-Import Baker leider überhaupt nicht sagen kann. In der ersten Halbzeit irrte der englische Schrank teilweise beziehungslos umher, agierte hektisch und lieferte Fehlpässe in Serie. Was aus dem Kerl werden könnte, zeigte er dagegen in den zweiten 45 Minuten – vor allem mit seiner Wucht bei Offensivaktionen.

Schaut auf Nordirland!

Die Jungs um den vom Neusser Schützenfest kaum geschwächten Friedhelm brauchten ungefähr 4 Minuten, um sich zu sortieren. Und deswegen hätte es in der 3. Minute auch schon klingeln müssen, denn da hatte das Team – das „die Wölfe“ zu nennen so ungefähr das Blödeste ist, was man über den VfL sagen kann – eine Hundertprozentige. Natürlich ist diese abgasgereinigte Milliardentruppe auf jeder Position besser besetzt als unsere Mannschaft. Wir lernen zurzeit jedoch im Weltfußball, besonders bei den Spielen diverser Nationalmannschaften, dass die riesigen Unterschiede im Talent durch kluge Strategien und extreme Einsatz- Lauf- und Kampfbereitschaft mehr als wettgemacht werden können – siehe beispielsweise die Partie Nordirlands gegen die DFB-Auswahl. Die Rezepte dafür liegen auf dem Tisch, und die F95-Trainer bedienen sich daran.

Zu diesen Konzepten gehört eine Art Extrempressing ab der Mittellinie bis an den gegnerischen Strafraum, das teilweise sogar als Manndeckung daherkommt und durch konzentriertes Doppeln und Tripeln verstärkt wird. Wichtig dabei ist, dass nicht dauernd früh draufgegangen wird, sondern konzertiert und nach Absprache. Bei der Fortuna sind für diese Absprachen die Herren Fink und Hennings die Regisseure. Mehrfach war zu beobachten, wie Rouwen Hennings seinen Kollegen mit einer Geste (ausgebreitete Arme und nach vorn weisend) deutlich machte: So, jetzt mal wieder ran an die doofen W’burger! Und alle machten mit. Vielleicht ist das auch eine der schönsten Erkenntnisse dieses lauschigen Septemberabends: Dawid Kownacki und Erik Thommy sind sie sich für massiven Defensiveinsatz nicht zu schade. Wie sich das für moderne Stürmer ja auch gehört.

Lobrede auf Erik Thommy

Womit wir bei einem Spieler sind, von dem man gar nicht genug schwärmen kann. Warum Stuttgart diesen Thommy nicht mehr wollte, muss dem Blödheitskonto des berechtigten Zweitligisten zugeschlagen werden. Der Mann ist flink, ballsicher, trickreich und hat zudem noch Übersicht. In der ersten Halbzeit war bei jedem Vorstoß auf der rechten Seite Alarm, weil die Golfsburger diesen Flügelflitzer nie auch nur annähernd in den Griff bekamen. Dass der gute Erik nach der Pause durchhing, könnte Ursachen in der Fitness haben. Jedenfalls war seine Auswechslung nach 70 Minuten nötig und richtig. Dass Dawid Kownacki das auch alles kann, zeigte er zunehmend in Hälfte Zwo, wo er in einer Situation einen dieser schwarzgrünen Deppen so dermaßen abkochte, dass man gleichzeitig staunen und lachen wollte. Aber am überzeugendsten war der supernette Pole immer dann, wenn ihn Hennings mit in die Spitze nahm. Ja, Kownacki ist eigentlich ein moderner Mittelstürmer – so wie Hennings eben ein altmodischer Mittelstürmer ist. Vielleicht ist der Dawid ja auf dem Flügel ein bisschen verschenkt. Deshalb ist ein F95-Supersturm mit Tekpetey und Ampomah auf den Flügeln und Kownacki in der Mitte durchaus vorstellbar.

Übrigens: Das Prädikat „altmodisch“ für Rouwen Hennings ist absolut nicht abwertend gemeint. Seine Spielweise sorgt für ständige Unruhe beim Gegner, und er bindet eigentlich bei jedem Angriff zwei Verteidiger. Nur zu Torchancen kommt er als einzige Spitze so kaum. Gestern kam er über 90 Minuten auf genau einen Torschuss. Und wer gedacht hatte, nach der Einwechslung von Kenan Karaman für Oliver Fink in der 72. Minute würden die Coaches doch noch eine Doppelspitze anordnen, sah sich getäuscht: Karaman übernahm die Rolle des ewigen Finkis praktisch 1:1, und er füllte sie wirklich prima aus. Jean Zimmer für Thommy muss auch als positionsgenauer Wechsel betrachtet werden, hatte aber andere Auswirkungen, weil der kleine Blonde eben seinen Außenlinienstiefel spielte, während Thommy deutlich mehr Konzepte auf Lager hat.

Schrecksekunden gab es als unser Kaan Ayhan um die 80. Minute herum nach einem Zweikampf an der Außenlinie schmerzverzerrt zu Boden ging und sich das Knie hielt. Nach der Behandlung lief der Viererkettenboss erheblich unrund, und eigentlich hätte man ihn vom Rasen holen müssen, um eine schlimmere Verletzung zu vermeiden. Aber der harte Kaan wollte zunächst nicht und zeigte erst nach mehreren Minuten an, dass er lieber ausgetauscht werden wollte. Demonstrativ unverletzt trabte er raus, um sich mit Kasim Adams abzuklatschen. Der ihn in den verbleibenden Minuten perfekt vertrat.

Die vielen Gesichter der Viererkette

Ansonsten zeigte die Viererkette wieder verschiedene Gesichter. Wie gesagt: Kaan Ayhan ist Chef dort und weiß genau, wann er sich auch mal ins Umschaltspiel einschalten kann oder muss. Über die Qualitäten und vor allem den Fleiß von Matthias Zimmermann muss man kaum reden. Das Zusammenspiel mit Thommy war in der ersten Halbzeit einfach sensationell. Nur die linke Seite, die macht Sorgen. Dieses Mal war es nicht Niko Gießelmann, der die Unsicherheit auslöste, sondern leider, leider unser Robin Bormuth, der stellenweise massiv überfordert wirkte. Der Ausgleich für die Wolfsburger in der 29. Minute geht volle Kanne auf sein Konto. Denn wenn ein IV eine Aufgabe hat, dann die zu verhindern, dass ein gegnerischer Außenstürmer an der Grundlinie entlang in den Sechzehner eindringt, sich bis fast an den Fünfer bewegen und dann scharf nach innen passen kann. Retten wir Robins Kickehre, indem wir festhalten, dass er in der zweiten Halbzeit sehr solide spielte und keinen Bock mehr schoss.

Zurück zu Gießelmann, der beim Spiel in Frankfurt auf ähnliche Weise den Siegtreffer für die Eintracht erlaubte. Man muss kein Schmierölpsychologe sein um zu vermuten, dass der gute Niko dem Trainerteam etwas für das Vertrauen zurückzahlen wollte, dass es mit der Startelfaufstellung in ihn gesetzt hatte. Was ihm auch gelang. Wobei er und Bormuth eigentlich Glück hatten, dass die VfLer so wenig über ihre rechte Seite machten. Aber das Hammertor, das Gießelmann in der 17. in die VW-Bude drosch, das war das wahre Dankeschön. Der unsympathische Herr Schmadtke, von dem man kaum glauben mag, dass er mal Fortuna war, so unangenehm ist der geworden, schäumte auf irgendeinem Bezahlsender schon in der Pause vor sich hin und beklagte mangelnde Gerechtigkeit. Denn: Der Ball, aus dem die Chance entstand, war wohl im Aus als Matthias Zimmermann den entscheidenden Pass schlug. Verrückte Sache: Der Assi von Schiri Gräfe stand direkt daneben und zuckte gar nicht. In der Kölner Gruft sortierten sie hektisch Bilder, fanden aber keins, das dieses Aus belegen konnte. Nicht einmal das heute viel zitierte Pressefoto der Situation beweist die Sache eindeutig.

Schöne Ungenauigkeiten

Und das ist ja das Schöne, dass es solche Ungenauigkeiten aus den Zeiten vor dem Videobesch… noch gibt. Es wird nur um ein Zentimeterchen gegangen sein, aber dieses Mal lief das Ding zugunsten der launischen Diva. Angesichts der Bestellung von Manuel Gräfe zum Spielleiter war das Gestöhne bei der F95-Anhängern anfangs groß, denn der Typ hat uns ja schon mehr als einmal verpfiffen. Gestern aber brachte Gräfe eine blitzsaubere Vorstellung ins Stadion. Vor allem seine zeitgemäß liberale Einstellung zu Zweikämpfen – von der unsere Jungs sehr profitierten – gefiel. Und wenn ein, ähem, angetrunkener Fan mitten im Block ständig vom „Scheiß-Schiri“ plärrte, bewiese das nur seinen Alkoholmissbrauch. Zu der Zentimetergeschichte konnte Gräfe nichts beitragen, dafür war er zu weit weg. Und bei der anderen Zentimeterentscheidung lag er leider, leider, leider richtig.

Die ergab sich in der 3. Minute der Nachspielzeit, also quasi kurz vor knapp. Da gab es am Rande des gegnerischen Sechzehners ein Kuddelmuddel, bei dem ein Fortune (Karaman?) regelwidrig gefällt wurde und seitwärts in den Strafraum fiel. Von den Zuschauerrängen aus stank das nach Elfmeter. Tatsächlich aber fand das Foul ein paar Zentimeter vor der Linie statt, sodass Freistoß die richtige Entscheidung war. Wäre natürlich schick gewesen, hätte Baker das Ding versenkt und nicht in die Mauer gekloppt. Aber, wie heißt es auf Loddarisch? Wäre, wäre, Fahrradkette… Und wenn man mal die rotweiße Brille von den Augen nimmt, muss man sagen: Ja, das Unentschieden geht in Ordnung. Es war eine Partie auf Augenhöhe, und das ist definitiv ein Lob für die Fortuna-Mannschaft der Saison 2019/20.

Gutes Bier macht gute Stimmung

Man muss sich das mal vorstellen: Dass fürderhin original ächtes Schumacher Alt, also der Saft einer Düsseldorfer Hausbrauerei, in der Arena ausgeschenkt würde, war eine der Top-F95-Meldungen der Sommerpause. Gut, nicht wenige Menschen bewegen sich ja auch nur deshalb nach Stockum, um sich angesichts eines grünen Rasens und inmitten emotional aufgeputschter Menschen die Kante zu geben. Ein Kumpel hat es mal nachgerechnet. Wer in den rund drei Stunden, die durchschnittlich dort verbracht werden, 15 Bier trinkt (und das ist keine außergewöhnliche Menge), der wird im Schnitt 30 Minuten Spielzeit verpassen. Da kann ja für jemanden aus dieser Fraktion das Fußballspiel da drinnen nicht wirklich wichtig sein.

Der Selbsttest bewies: Schumi aus dem Plastikbecher ist ganz okay, aber nur vom Fass – aus der Leitung schmeckts es irgendwie laff. Und über ein „Weltbier“ wie dieses Carlsberg möchte man als in Ehren ergrauter Biertrinker nun wirklich nicht schreiben müssen. Neu war auch der Rasen. Der war schön grün, aber in merkwürdigen Mustern verlegt. Könnte sein, dass die Rollrasentruppe im Nebenerwerb vor und während der Arbeit als Testtrinker für das köstliche Altbier gewirkt hat.

Jedenfalls hat die Fortuna nun einen Punkt mehr auf der hohen Kante und kann der Schlacht gegen die ostholländischen Jungpferde und die verwirrten Menschen, die ihnen anhängen, ruhig entgegensehen. Wer gegen Frankfurt so gut aussieht und gegen ein angebliches Topteam einen Punkt holt, der kann genauso in Gladbach gewinnen wie in Bremen. Und dass dieser ganze aus interessierten Kreisen lancierte Mist in den Medien keine Auswirkungen auf das Spiel hat, zeigte sich gestern – der Schmierartikel im Spiegel ging genau zwei Stunden vor Anpfiff online. Da setzt jemand auf Unruhe und hofft auf schädliche Auswirkungen für die Fortuna. Wer so denkt und handelt, kann kein Fortune sein, wird nie ein Fortune gewesen sein und wir auch nie einer. So viel ist sicher.

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1 Kommentar

  1. goodness, how gratious! Danke für den ausführlichen Beitrag, den es sich Zeile für Zeile und bis zum Ende zu lesen lohnt!

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