Fortuna-Punkte: Marinko Miletic – eine ganz normale Profikarriere

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Im Januar 2017 war der TD-Stammtisch bei Marinko Miletic, den sie alle nur Mile nennen, zu Gast. Wir saßen zu zehnt oder zwölft im hinteren Teil vom Ham-Ham auf der Kurze Straße, und Mile erzählte uns seine Lebens- und Fußballgeschichte. Leider gibt es keine Tonaufzeichnung davon, aber jede Menge Notizen. Wenn ich nun diese teils üblen und verächtlichen Beleidigungen mancher „Fans“ gegen eigene Spieler lese, muss ich immer an Mile und seine Karriere denken und sage mir: Das Leben des ganz normalen Profikickers spielt sich in den meisten Fällen jenseits von Goldsteak und 4500-Euro-Jacke ab und führt nicht zwangsläufig zu märchenhaftem Reichtum. Wer aber den Fußball liebt wie Mile, der wird mit einem Lächeln auf seine Karriere zurückblicken, auch wenn sie anders als glücklich verlaufen ist. Hier seine Geschichte:

Die Kurze Straße ist tagsüber eine stille Straße. Und wenn die Lieferwagen wieder weg sind, gibt es auch Platz. Hier hat Miles Fußballkarriere begonnen. Mit anderen Altstadtjungs kickte er quer über die Straße, direkt neben dem legendären Imbiss Ham-Ham bei Josef, den seine Eltern betrieben. Die waren aus dem damals noch existierenden Jugoslawien nach Düsseldorf gekommen und hatten den Laden übernommen. Mile wurde am 8. Oktober 1980 in Kroatien geboren und verbrachte einen Teil seiner Kindheit dort. Zur Schule ging er dann in Düsseldorf, wo ein Sportlehrer sein Talent für den Fußball entdeckte und ihn zum DSC 99 schickte.

Ein großes Talent

Auch dort stellten die Trainer fest, dass der Kerl alles hatte, was man als Fußballer braucht. Später wechselte er zum BV 04, wo er weiter gefördert wurde. Mit 16 Jahren kam Mile dann zu Fortuna Düsseldorf, dem Verein, dem immer noch sein Herz gehört. Die ganze Jugend über spielte er im Mittelfeld. Aber bald zeigte sich, dass er ein idealer Verteidiger war: über 1,90 groß, robust und kampfstark mit einem guten Auge für die jeweilige Spielsituation. So kam er für die Saison 1999/2000 in den Kader der ersten Mannschaft für die damalige Regionalliga. In der Folgesaison wurde er teilweise zum Stammspieler.

Weil er zur Saison 2001/02 zu den „Amateuren“ von Borussia Mönchengladbach wechselte, blieb ihm der Abstieg der Fortuna in die viertklassige Oberliga erspart. Dort aber kickte BMG II, sodass Mile nun gegen seinen Heimatverein antreten musste. In Gladbach gewann sein Team mit 4:0, das Rückspiel gewann die Fortuna mit 1:0. Zwei Jahre blieb er bei der Zweiten der Borussia, dann nahm er ein Angebot vom FC St. Pauli an, um ab 2003 wieder in der Regionalliga zu kicken. Da war Mile 22 Jahre alt und konnte noch auf eine Karriere zwischen zweiter und dritter Liga hoffen. Aber nun ereilte ihn zum ersten Mal das ganz große Verletzungspech, sodass nach zwei Jahren nur 18 Einsätze für ihn auf dem Zettel standen und er zum FC Gütersloh 2000 in die Oberliga wechselte.

Immer wieder Verletzungspech

Dort präsentierte er sich so positiv, dass er ein Angebot von Rot Weiss Ahlen annahm. Aber wieder schlugen Verletzungen zu. Noch in der Hinrunde der Saison 2007/08 musste er sich einer Achillessehnen-OP unterziehen und fiel zweieinhalb Monate aus. Wie durch ein Wunder kam er rasch zurück, wurde Stammspieler und stieg mit RW sogar in die zweite Bundesliga auf, der Verein, bei dem in jenem Jahr die Karriere des Marco Reus begann. Auch der junge Kevin Großkreutz zählte zum Aufstiegskader. Noch heute schwärmt Mile von diesem Aufstieg und seiner ersten Saison in der zweiten Liga.

Da war Mile aber auch schon 28 Jahre alt, und die Frage stellte sich: Wie geht’s weiter? Dass es die zweite Liga sein sollte, war klar, und als das Angebot von Rot-Weiß Oberhausen kam, schlug er zu und unterschrieb einen Vertrag bis 2011. Im November 2008 hatte er sich bei einem Abschlusstraining bei RW Ahlen das hintere Kreuzband gerissen und sich dabei zu allem Überfluss eine Knorpelabsprengung zugezogen. Nach dem Auskurieren zeigten sich zunächst keine Folgen dieser Verletzung. Beim Spiel des RWO am 20. Februar 2011 in Osnabrück traten starke Kniebeschwerden auf.

Ende als Sportinvalide

Das Knie war nach dem Spiel stark angeschwollen, sodass Mile pausieren musste. Aber nach zweieinhalb Monaten war das Knie immer noch dick, und er unterzog sich einer Arthroskopie, die eine genaue Diagnose ergeben sollte. Und die war verheerend: Es wurde ein Knorpelschaden vierten Grades festgestellt, die maximale Stufe. Im Klartext bedeutete dies, dass im Knie Knochen auf Knochen arbeiteten und Fußballspielen für Mile unmöglich geworden war. Mit dreißig Jahren wurde Marinko Miletic zum Sportinvaliden.

Im Gastraum vom Ham-Ham hängen die auf Plakatformat vergrößerten Autogrammkarten seiner wichtigsten Stationen; dazu eingerahmte Trikots und die Wimpel all der Vereine, bei den Mile erfolgreich gespielt hat. Anfang des Jahres hat Mile, der seit zwei Jahren zum zweiten Mal verheiratet ist und erneut Vater geworden ist, den legendären Imbiss an der Kurze Straße übernommen. Dort serviert er nicht nur die berühmten Schweinshaxen und Schweinebrötchen, sondern bewirtet immer wieder Gäste aus aller Herren Länder, die ihn vom Fußball her kennen und gern besuchen. Die Verbindung zur Fortuna ist immer noch eng – nicht nur zu Robert Palikuca, den er aus den St.-Pauli-Tagen kennt. Denn selbstverständlich gehört Mile zum Kader der F95-Traditionsmannschaft. Reich geworden ist er mit dem Fußball nicht, und die kleine Rente, die er als Sportinvalide bekommt, hat eine eher symbolische Höhe. Aber dass er den Fußball immer noch liebt, davon kann sich jeder Fan, der ihn im Ham-Ham besucht, persönlich überzeugen.

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