Fortuna-Punkte: Nach dem Aufstieg – etablieren oder fahrstuhlfahren?

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Nehmen wir der Einfachheit halber an, der Aufstieg unserer geliebten Fortuna in die erste Bundesliga ist nicht mehr aufzuhalten. Dann wird das wunderhübsche Logo mit dem F und der 95 ab dem Sommer wieder die Stecktabellen der obersten Spielklasse zieren. Fragt sich nur, ob die Saison dann wieder so ausgeht wie die von 2012/13, als unserer Herzensverein am allerletzten Spieltag durch einen mehr als dubiosen Sieg der Hopp-Truppe beim damals noch amtierenden Meister und Pokalsieger aus Dortmund auf Platz 17 und damit zurück in die zweite Liga geschickt wurde. Weiterreichend lautet die Frage: Kann sich der TSV Fortuna Düsseldorf 1895 langfristig in der ersten Bundesliga etablieren und steht F95 das Schicksal eines Fahrstuhlclubs bevor?

An anderen orientieren

Das kann man ernsthaft nur jenseits der sattsam bekannten Floskeln von schlafenden Riesen und „Fortuna gehört einfach in die erste Liga“ diskutieren. Wie immer, wenn man sich mit der Zukunft befasst, hilft es, sich an Beispielen zu orientieren. Konkret lohnt sich, das Schicksal von drei Vereinen über die letzten zehn Jahre zu betrachten: Mainz, Augsburg und Freiburg. Also allesamt Vereine, die weder über einen spendierfreudigen Mäzen, noch einen potenten Investor oder einen mächtigen Sponsor verfügen. Denn natürlich verfälscht – gute Nachwuchsarbeit und vernünftiges Wirtschaften hin und her – fette Kohle, wie sie Projekten und Werksclubs à la Hoffenheim, Wolfsburg und Leipzig zufließen, das Bild. Und die halbwegs solide Finanzierung von Vereinen wie Frankfurt, Berlin oder Leverkusen ist ja auch eher das Ergebnis der Arbeit der letzten Jahre – vom Äff-Zeh ganz zu schweigen.

Vielleicht ist es aber auch schon der völlig falsche Ansatz, direkt bei der Frage nach dem Geld zu beginnen. Denn absteigen tun Mannschaften, die nicht gut genug waren oder (zu) viel Pech hatten. Und das ist – so viel sollte man anerkennen – eben keine reine Finanzfrage. Während bei den absoluten Topklubs (von denen wir in Deutschland nur einen haben) der sportliche Erfolg ab einem gewissen Niveau sehr wohl mit dem Zusammenkaufen von weltbesten Kickern zusammenhängt, gilt das erfahrungsgemäß weder in der unteren Hälfte der ersten, noch in der oberen Hälfte der zweiten Liga. Natürlich können einzelne Spieler durch ihr Talent und ihre Fähigkeiten den Erfolg eines Teams steigern, aber üblicherweise sind dies eben nicht Fußballer, die besonders teuer waren. Wichtiger sind ganz offensichtlich die Mischung, die Führung und die Betreuung des Kaders. Ein Verein wie Darmstadt hat das zwei Jahre lang vorgeführt.

Die erste Saison überstehen

Betrachtet man dann die Erstligaspielzeiten ab 2000/01, zeigt sich ein Muster: Aufsteiger, die ihre erste Saison überstehen, haben gute Chancen, mittelfristig drin zu bleiben. Ab der vierten Saison beginnt das Etablieren in der obersten Liga. Natürlich hat das doch etwas mit dem Geld zu tun, weil man besonders mit den Einnahmen aus TV-Geldern die Infrastruktur rund um die erste Mannschaft auf- und ausbauen kann, weil man aber auch den Kader durch Einkäufe so abrunden kann, dass sich Ausfälle wichtiger Spieler kompensieren lassen. Ein Aufstieg bringt aber nicht nur mehr Kohle durchs Fernsehen und (eventuell) durch deutlich steigende Zuschauerzahlen und mehr Umsatz beim Merchandising, sondern bietet die Möglichkeit, zukünftige Transfererlöse zu steigern, weil man in Liga 1 selbstgezüchtete Talente vorführen kann – ein Rezept, auf das Freiburg früher stark gesetzt hat.

Apropos Freiburg: Dieser Verein ist vielleicht das beste Beispiel für einen unaufgeregten Fahrstuhlclub. Man steigt ab, spielt in der zweiten Liga wieder oben mit und steigt dann eben nach maximal zwei Jahren Unterklassigkeit wieder auf. Das alles im Verbund mit einer sehr soliden, ja, beinahe schon konservativen Finanzpolitik und großer Beständigkeit in allen Instanzen des Vereins. Der SC schwimmt nie im Geld, und es hat nie Präsidenten oder Funktionäre mit großen Rosinen im Kopf gegeben, die – koste es, was es wolle – nach Höherem strebten. Das ist das Rezept der Freiburger. Bei Augsburg sieht es noch ein wenig anders aus, weil es da schon auch Mäzene gegeben hat, weil dort schon ein-, zweimal relativ viel Geld in die Hand genommen wurde. Aber etablieren konnte sich der FCA vor allem dadurch, dass alle Organe des Clubs immer besonders gut zu den Spielern waren. So konnte man Kicker anlocken, die vielleicht woanders mehr verdient hätten. Das Konzept der Mainzer war dagegen ganz auf ihrem Image aufgebaut, das Jürgen Klopp als Trainer(!) noch vor dem Aufstieg geprägt hatte und das nach dem Umzug aus dem Bruchweg nach und nach verloren gegangen ist. Heute ist der FSV mehr oder weniger geruchs- und geschmacklos, und außerhalb von Mainz interessiert sich niemand für den Club.

Was bedeutet das für die Fortuna?

Was aber bedeutet das für unsere glorreiche Fortuna? Vor allem auf dem Hintergrund, dass weite Teile der aktiven Fanszene nur wenig Lust auf die Begleitumstände der ersten Liga haben und teilweise mit Schaudern daran denke, wie es vor fünf, sechs Jahren so in den Stadien der höchsten Spielklasse so war. Vermutlich wären es diese Fans, die mit einem direkten Wiederabstieg am besten leben könnten – nach dem Motto „Wahre Liebe kennt keine Liga“. Möglicherweise würden auch die Zuschauer, die der Fortuna in den letzten Jahren die Treue gehalten haben, bereit, dies auch wieder in Liga 2 zu tun. Die Erfahrung aus 2012/12 zeigt: Weg wären vor allem diejenigen, die erst kurz vor oder nach dem Aufstieg zu „Fans“ geworden sind.

Ganz anders sieht das bei den Spielern aus. Gerade bei jungen und/oder aufstrebenden Kickern ist eine Erstligasaison ein wichtiger Karriereschritt – man hat dies ja sehr gut an Ihlas Bebou sehen können, der zu Hannover ging, weil er unbedingt in Liga 1 kicken wollte. Für Spieler im Herbst oder Winter ihrer Karriere ist dagegen ein Abstieg nicht unbedingt ein Beinbruch, weil bei ihnen nicht mehr der unbedingte Erfolg im Fokus steht, sondern sie für einen Verein spielen wollen, bei dem sie sich rundum wohlfühlen. Talentierte Eigengewächse wird man also nach einem Abstieg kaum halten können – deshalb geht es darum, an deren Wechsel dann gut zu verdienen, um die Kassen für die nächste Fahrstuhlfahrt nach oben zu füllen.

Wenn das Ziel, auf das sich alle Beteiligten (Spieler, Trainer, Stab, Funktionäre, Vereinsführung, Fans, Zuschauer…) einigen können, aber „Etablieren“ heißt, wird man nach und nach tiefergehende Operationen am Verein vornehmen. Man kann es machen wie Frankfurt, wo man einem ehrgeizigen Trainerteam freie Hand lässt, aus einem bunt zusammengewürfelten Haufen eine Mannschaft für die Champignons-League zu formen. Oder wie in Leverkusen, wo man – frei nach Sisyphos – gern mit dem Hintern umwirft, was man vorher aufgebaut hat … und das immer wieder. Etablieren kann man einen Verein in der ersten Liga nur, indem man nicht nur den Kader, sondern alle Bestandteile der Profiabteilung sukzessive optimiert und dafür eben auch Geld ausgibt. Wir wissen aber aus der Vergangenheit, dass es enorm schwer ist, bei einem solchen Prozess die „DNA des Vereins“ zu erhalten und die aktiven Fans mitzunehmen. Vielleicht aber hat ausgerechnet die Düsseldorfer Fortuna unter der aktuellen Leitung das Zeug dazu…

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1 Kommentar

  1. RubensTuna1638 am

    2018 nun in das Oberhaus aufzusteigen und alles dafür zu tun,
    um sich dort im sicheren Mittelfeld nachhaltig zu etablieren
    oder
    der 2 Liga nachzutrauen, wo die Fahrstuhl-Gefahr ziemlich omnipresent ist,
    und kein Verein sicher ist (siehe Traditionsvereine KSC, FCK usw.).
    Wer mit der Bundesliga und der schrillenden Musik/“Unterhaltung“ in vielen ihren Stadien (ganz tolle „Events“) nicht wirklich viel anzufangen weiß,
    könnte vielleicht mit noch mehr Leidenschaft Tuna’s Zwote unterstützen…
    Wichtig ist aber, dass unser Verein lebt, finanziell gesund erfolgreich ist. Kann es wirklich ganz ohne Bundesliga-Ambition gelingen? Wahrscheinlich nicht, oder?

    Irgendwie passen die Zeilen aus meinem mitunter Lieblingsedicht von Kurt Tucholsky:
    „Lebst du mit ihr gemeinsam – dann fühlst du dich recht einsam.
    Bist du aber alleine – dann frieren dir die Beine.
    Lebst du zu zweit? Lebst du allein?
    Der Mittelweg wird wohl das richtige sein.“

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