Garten- und Landschaftsbau brutal – Hauptsache viel Motorenlärm!

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Das Revier unterhalb vom Lohauser Deich zwischen dem Wasserwerk Am Staad unter der Flughafenbrücke nutzen der Hund und ich gern für ausgedehnte Gänge am Vormittag. Kürzlich bekam die übliche Idylle, die sonst nur vom Dröhnen der Turbinen des Flugverkehrs gestört wird, zusätzliche Risse. Ziemlich genau auf Höhe der Einfahrt zum Wasserwerk war eine GaLa-Brigade im Einsatz. Die Abkürzung steht für „Garten- und Landschaftsbau“, hat aber anscheinend mit Pflege oder öhnlich sentimentalem Quatsch nichts mehr zu tun. So auch hier. Zwei Kleinlaster und ein Radlader hatten den Weg, der sonst fast nur von Spaziergängern mit und ohne Hund begangen wird, mit ihren Rädern um und um gewühlt und in eine Matschwüste verwandelt. Fünf Typen mit kreischenden Motorsägen fütterten den Schaufalbagger mit abgesägtem Geäst der Sträucher an den Stränden. Das war nicht nur laut, sondern zwang uns und andere Gänger einen Umweg unmittelbar am Wasser entlang durch den Sumpf zu nehmen. Diese Aktion ist typisch für GaLa brutal, die Methode, mit dem Spazierwege und Parks methodisch und sinnlos ungemütlich gemacht werden.

Vorbildlich in dieser Disziplin sind die Mitarbeiter des Düsseldorfer Gartenamts, die ja am Ostende des Volksgartens in der Nähe der Philipshalle einen Stall haben. Damit die teueren, grellorgangenen Laster nicht einrosten, werden sie täglich durch den Park bewegt. Da fährt eine Kolonne mit vier Mann tatsächlich die knapp 500 Meter zu den Rhododendrongärten mit einem dieser Autos, nur um dort mal nach dem Rechten zu schauen. Nicht selten fahren die Herren, die eigentlich Liebe zur Pflanzenwelt haben sollten, auch einmal quer durch den Park zum Hennekamp, um nicht außen herum über die Oberbilker Allee reisen zu müssen. Überhaupt sind die meist schlechtgelaunten Kerle, die auf Fragen entweder nicht oder oft sehr aggressiv reagieren, Meister der Abkürzung. So zum Beispiel, um vom Hennekamp auf die Erasmsusstraße zu kommen. Denn einfach den Fußweg entlang der Düssel zu nutzen, spart doch eine Menge Zeit. Dass dabei der Weg gerade in der feuchten Jahreszeit so beschädigt wird, dass sich tiefe Pfützen bilden, und die Böschung ebenfalls einigen Schaden nimmt, stört die Apfelsinenmänner wenig. Wobei sie selbst beim Pausemachen gern ungestört sind. Regelmäßig findet man einen Kleinlaster auf(!) dem Spielplatz an der Gurlittstraße, wohin er über den Weg auf der anderen Düsselseite vom Hennekmap hin gepoltert ist.

Nun sollte nicht nur auf die Gartenämtler geschimpft werden, denn die Dienstleister, die von der Unteren Wasserbehörde verpflichtet werden, sind keinen Deut besser. Vermutlich werden deren Jobs ausgeschrieben und an den billigsten Anbieter vergeben. Beispielsweise das Mähen der Böschungen ander Düssel oder eben auch das Kappen der Büsche am Rheinufer. Um ebendiese Böschungen zu mähen, schickt eine Firma eine Kolonne von fünf Männern mit Motorsensen los, der gern samstags vor acht Uhr morgens antreten und alles abmähen, was nicht angeschraubt ist. Dass diese Arbeiter natürlich keine Schutzausrüstung tragen, versteht sich. Damit die mit den teuren Geräten nicht durchbrennen, werden sie von einem fahrenden VW-Bus, der ihnen im Schrittempo oben an der Straße folgt, überwacht. Es geht aber auch anders: Am Kaiser-Wilhlem-Ring in Niederkassel waren dieser Tage GaLa-Arbeiter am Werk, zu denen ein Pickup mit niederländischem Kennzeichen gehörte. Der war nicht nur ordnungsgemäß abgeparkt, sondern die Männer schnitten die Äste an den Kopfweiden von Hand(!), stapelten sie sorgfältig neben den Bäumen, um sie später von Hand(!) aufzusammeln und zum Auto zu tragen und aufzuladen.

Noch schonender für Mensch und Pflanze gehen die Mitarbeiter der Werkstatt für angepasste Arbeit (WFaA) im Südpark vor, die mit viel Liebe und großem Sachverstand GartenPFLEGE betreiben und dabei nur sehr selten auf elektrische oder motorgetriebene Werkzeuge zurückgreifen. Außerdem bewegen sie sich fast lautlos und die Wege schonend mit Elektrokarren und Fahrrädern durch diesen wunderschönen Park. Wer nun glaubt, diese personalintensive Pflege sei unerschwinglich teuer, oder meint, die Mitarbeiter würden ja auch kaum Geld für ihre Arbeit kriegen, irrt übrigens. Allein durch den Verzicht auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ergeben sich Spareffekte, denn der Unterhalt eines orangenen Kleinlasters kostet pro Jahr inklusive Abschreibung ungefähr so viel wie die Stelle eines ausgebildeten Garten- und Landschaftsbauers (gerechnet nach TVÖD).

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