Überall sieht, hört und liest vor angedrohten und während stattfindender Hitzewellen die immergleichen Ratschläge, von denen manche so banal sind, dass wirklich nur Vollidioten sie nicht auch ohne Medien beherzigen. Ein paar solcher Tipps haben wir hier in den vergangenen zwei Tagen einem Praxistest unterzogen – und das bei einem Temperaturrekord von 36,2° um 13:20 auf der Ostseite im Stadtteil Friedrichstadt; so warm war es hier nicht einmal während der großen Hitzewelle im August 2003. Die Frage ist: Wie macht man es sich erträglich, wenn man jobbedingt drinnen sein muss und keine Klimanalage vorhanden ist?

Schotten dicht!
Bisher dachte ich, es wäre klug, jeweils auf der Schattenseite die Fenster geöffnet zu halten, damit „frische Luft“ reinkommt. Ein großer Irrtum, denn was reinkommt, ist die warme Luft. Wenn auf der Ostseite im Schatten über 36° herrschen, dürfte die Luft auf der Sonnenseite im Südwesten um die 50° haben. Weil aber eine leichte Brise weht, die den Schweiß auf der Haut kühlt, kommt einem das nicht so vor. Tatsächlich aber heizt die warme Luft ein Zimmer, das morgens 26° aufwies, innerhalb von drei Stunden auf fast 30° auf. Wird das Fenster geschlossen und die Jalousie bzw. der Vorang geschlossen, sinkt die Temperatur innerhalb einer Stunde um 1° bis 1,5°. Der Unterschied zwischen zugezogenen Vorhängen bzw. Jalousien und nicht verhängten Fenstern macht auf der Schattenseite(!) zwischen 1° und 2° aus. Seitdem alle Fenster und Türen geschlossen und verhängt sind, hat sich die Raumtemperatur in der Wohnung innerhalb von zwei Stunden um 1,5° verringert und liegt jetzt bei knapp unter 29°.

Fazit: Die vermeintlich kühle Luft von draußen heizt die Bude objektiv betrachtet auf.

Feuchte Tücher
Eine quasi ökologische Klimanalage kriegt man hin, indem man Fenster spaltweise öffnet und angefeuchtete Bettücher (oder dergleichen) so darüber hängt, dass die Luft von draußen Feuchtigkeit aufnimmt und so Verdunstungskälte erzeugt. Sofern man die Tücher immer schön feucht hält, bringt das bis zu 4° Reduktion. Wo es möglich ist kann man auch eine ganze Fensteröffnung so mit einem Filter versehen. Sollte noch mehr bringen…

Fazit: Verdunstungskälte selbstgemacht hilft.

Vergiss Ventilatoren
So einen Ventilator nennt man auch „Miefquirl“ – zurecht, denn mehr als die Luft zu verwirbeln, kann der nicht. Als Abkühlung wird das nur deshalb empfunden, weil der Luftstrom den Schweiß auf der Haut verdunste lässt, wodurch minimal Verdunstungskälte direkt am Körper erzeugt wird. Die Raumtemperatur sinkt durch einen noch so großen Ventilator überhaupt nicht.

Fazit: Ventilatoren kann man sich schenken…

Kalte Fußbäder
Wenn sich der Körper bei Raumtemperaturen jenseits der 26°-, 27°-Marke aufheizt, helfen kühle Fußbäder am besten und schnellsten, die Körpertemperatur zu senken. Allerdings sollte das Wasser nicht eiskalt sein, sondern etwa so kühl wie es aus dem Wasserhahn kommt. Angenehm ist es, eine passende Schüssel da zu platzieren, wo man sitzen möchte, und die Füße hineinzuhalten. Die Blutzirkulation, die bei der Abkühlung hilft, wird durch stetiges Bewegen der Zehen, aber auch Wackeln mit den nackten Füßen beschleunigt.

Fazit: Füße kühlen senkt die Körpertemperatur um bis zu 1,5°.

Lauwarme Getränke
Es stimmt tatsächlich, dass die Körpertemperatur durch den Genuss von eisgekühlten Getränke ansteigt. Denn mit den coolen Drinks wird dem Körper vorgegaukelt, es sei kalt draußen, und er versucht, dass durch Steigern der Körpertemperatur auszugleichen. Ideal wären Getränke, die etwa um 12°, 15° kühler sind als die Körpertemperatur, also bei unter 25° liegen – das wird als lauwarm empfunden. Aber schon wenn man den Eistee vor dem Trinken ein wenig Zimmertemperatur annehmen lässt oder auf Eiswürfel grundsätzlich verzichtet, reagiert der Körper auf das Trinken nicht mit Wärmerwerden.

Fazit: Nicht direkt aus dem Kühlschrank und ohne Eiswürfel trinken.

Weitere Tipps folgen, wenn es am kommenden Montag immer noch heißt ist.

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5 Kommentare

  1. Christoph am

    „Als Abkühlung wird das nur deshalb empfunden, weil der Luftstrom den Schweiß auf der Haut verdunste lässt, wodurch minimal Verdunstungskälte direkt am Körper erzeugt wird..“

    Immerhin schafft er der Mensch damit, bei Lufttemperaturen über 37 °C noch die Körpertemperatur zu halten. Wie sonst würde er einen Gang in die Sauna überleben (bei bis zu 100 °C Lufttemperatur). Der Kühlungseffekt ist erheblich und maßgeblich für die Regulation der Körpertemperatur. Der Luftstrom sorgt für den Abtransport der durch die Schweiß-Verdunstung mit Flüssigkeit angereicherten Luft. Die fördert die weitere Verdunstung.

    Hier wird dies schön erklärt: http://www.wdr.de/tv/kopfball/sendungsbeitraege/2010/0523/ventilator.jsp

    Die restlichen Tipps in diesem Artikel sind gut, die Hintergründe dazu aber teilweise falsch.

  2. jupp flassbeck am

    Ingwerstücke, Lemonen- oder Zitronensaft, wer es mag tut einige Teelöffel Damiana mit in die Kanne, überzieht das ganze mit kochendem Wasser.
    Ganz heiß schlürfen …

  3. Christoph am

    Hier eine schöne Erklärung, was bei zu kalten Getränken im Körper passiert: http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/sommer-und-hitze-viel-und-richtig-trinken-bei-hitze-a-1041370.html

    Zu den feuchten Tüchern: Die Temperatur sinkt, aber gleichzeitig steigt die Luftfeuchtigkeit im Raum (Thema Schwüle). Die Temperatur wird als höher empfunden, weil die Fähigkeit des Körpers zur Abkühlung durch Schwitzen sinkt. Das führt dann im schlimmsten Fall zum Hitzschlag (http://www.netdoktor.de/krankheiten/hitzschlag/).

  4. Ich setze seit 15 Jahren im Dachgeschoss und im Schlafzimmer auf je ein Klimagerät (Split-Version).

    Hier gilt, schon möglichst früh morgens (wenn draussen etwas kühler ist) die Raumtemperatur runterfahren. Dies entlastet das Gerät bei Einschaltung gegen Mittag/Abend von erheblicher Plackerei (zumindest bei Aussentemperaturen ab 35° aufwärts).

    In unseren Regionen ist der Betrieb monetär relativ erträglich.

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