Bericht · Man kann Probleme haben, aber man aber auch selbst eines sein, wie beispielsweise Baal oder Carmen. Mit letzterer hatte vielleicht auch der Eine oder die Andere im Publikum ein Problem während der Ballett-Premiere am Rhein „I am a Problem“. Der französische Choreograph Roland Petit hat Georges Bizets 1875 uraufgeführte Oper 1949 in ein Ballett verwandelt. Die Düsseldorfer Inszenierung verzichtet auf Flamenco-Feeling. Da zog auch kein von der Opernbühne gewohntes, verführerisches Vollweib das Publikum in der aufgeheizten Atmosphäre einer Zigarettenfabrik in seinen Bann. [Lesezeit ca. 3 min]

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Es war eher eine zierliche Geisha (Futaba Ishizaki), die sich da hinter einem Fächer versteckte, um dann auf einer bonbonbunten Bühne durchaus auf Augenhöhe katzenhaft einen spanisch-feurigen Don José (Gustavo Carvalho) zu umgarnen, zu becircen, zu beherrschen. Aber Carmen lässt sich ja nicht irgendwo oder von irgendwem festmachen. Sie ist eine Zigeunerin. Die gibt es überall in der Welt.

Roland Petit „Carmen“: Daniele Bonelli (Toreador) mit Ensemble Ballett am Rhein. FOTO © Ingo Schäfer

Roland Petit „Carmen“: Daniele Bonelli (Toreador) mit Ensemble Ballett am Rhein. FOTO © Ingo Schäfer

Spanisches Temperament sprengte die Bühne erst nach der Pause. „Jetzt knistert’s. Endlich. Unendlich“, verspricht der Spruch auf der Wand. „Habt ihr’s gespürt? Ist es durch die Haut gegangen? Das war Zirkus!“, fragte Bert Brecht in seinem Baal. Es war mehr. Baal bebt! Mit jeder Faser. Miquel Martinez Pedro ist Baal, lebt Baal. Er geht ganz auf in ihm in der Choreographie der Kanadierin Aszure Barton.

Roland Petit „Carmen“: Gustavo Carvalho (Don José), Futaba Ishizaki (Carmen) und Ensemble Ballett am Rhein. FOTO © Ingo Schäfer

Roland Petit „Carmen“: Gustavo Carvalho (Don José), Futaba Ishizaki (Carmen) und Ensemble Ballett am Rhein. FOTO © Ingo Schäfer

Schlaksig kraftvoll, dabei irgendwie anstrengungslos wirkend, beherrscht Baal die Bühne. Selbst durch den grasgrünen Schlabber-Look (Kostüme: Michelle Jank) spürt man pure Power. Keine Bewegung wirkt einstudiert, jeder Schritt, jeder Sprung wie aus dem Augenblick geboren. Fast symbiotisch agiert er mit Kumpel Ekart (Julio Morel), der dem Dämon näher scheint als alle Frauen, denen er zu der fieberhaften Musik (eine Auftragskomposition von Nastasya Khrushicheva) in lasziv wechselnden Stellungen begegnet.

Aszure Barton „Baal“:Miquel Martínez Pedro (Baal) und Julio Morel (Ekart). FOTO © Ingo Schäfer

Aszure Barton „Baal“:Miquel Martínez Pedro (Baal) und Julio Morel (Ekart). FOTO © Ingo Schäfer

Brecht ersann seinen Baal bereits vor 100 Jahren, da war er etwa so alt wie jetzt Miquel Martinez Pedro. Chefchoreograph Demis Volpi holte das gerade mal 18jährige Talent 2020 direkt vom Konservatorium an den Rhein. Düsseldorf ist das erste feste Engagement des für Volpi „einfach wahnsinnig magnetischen Künstler.“ Wohl wahr. Und wohl verdient die Standing Ovations am Premierenabend.

I Am A Problem: Ballettabend mit Choreographien von Roland Petit und Aszure Barton
Weitere Aufführungen: 13. Februar 2022, 5. März 2022, 12. März 2022, 27. März 2022, 13. April 2022, 16. April 2022, 6. Mai 2022
Tickets im Webshop der Oper am Rhein, ab 19 bis 90 Euro, Ermäßigung jeweils 50%

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