Jesus und die Lobbyisten

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>…und Jesus zog hinauf gen Jerusalem. Und er fand im Tempel sitzen, die da Ochsen, Schafe und Tauben feil hatten, und die Wechsler. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Ochsen und verschüttete den Wechslern das Geld und stieß die Tische um und sprach zu denen, die die Tauben feil hatten: tragt das von dannen und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhause! (Johannes 2, 13-16) Danach war klar: Wer sein Geld mit Geld verdient, kann kein guter Christ sein. Und doch werden diese ganzen Banker und Investmentleute – so sie sich denn Christen nennen – wieder Weihnachten feiern, womöglich in die Kirchen rennen und mit sich im Reinen sein. Wo an ihren Händen doch das ausgehauchte Leben von Millionen Menschen klebt, deren Tod sie mit ihren unchristlichen Geschäften bewirkt haben. Die Tempelreinigung des Herrn Jesus war ein symbolischer Akt. Es ging Gottes Sohn wohl eher nicht darum, die kleinen Händler aus dem Haus seines Vaters zu vertreiben, sondern zu demonstrieren, dass der auf den Profit gerichtete Handel schmutzig ist. So schmutzig wie das widerliche Tun der Lobbyisten, die das Haus der Demokratie beschmutzen.

Lebte Jesus heute und wäre er Bundestagsabgeordneter, er würde die Lobbyisten mit Pfefferspray und Gummiknüppel aus dem Parlament vertreiben. Auch das wäre eine symbolische Tat. Denn das Prinzip des Lobbyismus ließe sich damit nicht ausmerzen. Die Interessenvertreter der Industrien würden weiter auf Freierfüßen herumlaufen und die Parlamentshuren eben wonanders treffen und ihnen die dicken Geldbündel zustecken, damit sie beispielsweise den Umsatzsteuersatz für das Hotelgewerbe senken oder die Laufzeit der Atomkraftwerke verlängern.
So wie wir Jesus aus der Bibel kennen, wäre er angesichts der Zustände der heutigen Welt zornig. Ja, möglicherweise würde er seinen Vater bitten, das jüngste Gericht ein paar Jahrtausende vorzuziehen, um diesem menschenfeindlichen und gottesverachtenden Treiben der Wucherer und Zuhälter ein Ende zu bereiten. Und dann käme die Abrechnung: „Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen. Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme.“ (Matthäus 19, 23-24)

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