Porträt · Mit federnden Schritten kommt mir Johannes Horn an diesem sonnigen Juninachmittag im Zoopark entgegen. „Wie herrlich, wieder einmal hier zu sein“, strahlt er zur Begrüßung. Denn als ehemaliger Vorsitzender der Bezirksvertretung Düsseltal-Flingern gehörte auch der Zoopark zu seinem Aufgabenbereich. Quasi ein Heimspiel für uns beide, denn ich bin hier in dem Viertel aufgewachsen. Im Februar ist Johannes Horn 65 Jahre alt geworden. Seit 1995 war der gebürtige Düsseldorfer erst Stellvertreter, dann seit 2003 hauptamtlicher Leiter des Jugendamts. Nun geht der quirlige Mann in den Ruhestand. Was man sich angesichts seines Temperaments kaum vorstellen kann. Zeit für ein Gespräch unter einer alten Kastanie ganz in der Nähe vom Haupteingang auf der Rethelstraße. [Lesezeit ca. 4 min]

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Haben Sie ein Motto, mit dem Sie in Ihrem Job gut gefahren sind?
Johannes Horn: Klar. Geht nicht, gibt’s eher nicht bei mir. Ich bin gern im Dialog und finde heraus, was möglich ist. Ein Beispiel ist der Kiwifalter im Düsseldorfer Norden. Das war ein langer Anlauf von den beiden Initiatorinnen Stephanie Zinkler-Maus und Katja Kaltenbach, bis das Projekt samt Haus und Konzept endlich stand. Bis ein passendes Grundstück gefunden war. Bis der richtige Investor zur Stelle war. Dabei hatten beide so viel Begeisterung in ihre Idee gelegt, das war schon ansteckend! [Der Kiwifalter ist ein Haus für Kinder und Erwachsene mit einem geballten Angebot an Kursen für Freizeitgestaltung]
Außerdem möchte ich schon seit jeher Arm und Reich zusammenbringen, denn die Wünsche, Sorgen und Nöte von Kindern kennen keine sozialen Unterschiede.

Was haben Sie in den letzten 26 Jahren erreicht? Und worauf sind Sie besonders stolz?
JH: Auf die menschliche Komponente in meiner Arbeit, die ich hoffentlich stärken konnte. Einfach Mensch zu sein, der anderen, die um Hilfe nachfragen, auch wirklich helfen kann. Das Jugendamt ist breit aufgestellt, sehr familiengerecht, und jeder kann Unterstützung anfordern. Stolz bin ich auch darauf, dass in den stadtweiten Kitas 19 Nationalitäten vertreten sind. Das ist bunt und zeitgemäß.
Unser Angebot ist vielfältig, ob Kurse für Eltern-Kompetenzen, Erziehungsberatung, wir haben 95 Prozent Dienstleistungen alleine für Kinder und Jugendliche im Angebot. Das soll nachgefragt werden! In vielen Stadtteilen gibt es Familienzentren, außerdem haben wir fast 100 Jugendzentren in der ganzen Stadt verstreut. Wir machen die Stadt für die Menschen, nicht umgekehrt.

Haben Sie ein Herzensanliegen?
JH: Ganz klar die Inklusion. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es ist, wenn man als Kind Probleme hatte. Als ich vier Jahre alt war, hatte ich einen Unfall, mit dem Ergebnis, dass ich gestottert habe. Die Erfahrungen waren nicht so toll, ich wurde gehänselt und auch ausgegrenzt, wenn ich im Unterricht nicht schnell genug antworten konnte, wurde einfach mein Sitznachbar drangenommen. Das Stottern habe ich überwunden, die Erinnerung an das Gefühl bleibt.

Geben Sie uns ein paar Stichworte von neuen Errungenschaften Ihrer Arbeit beim Jugendamt.
JH: Wir haben die Düsselferien entwickelt. Hier können jedes Jahr etwa 10.000 Kinder und Jugendliche aus der Stadt an Ferienfreizeiten teilnehmen, die von Hause aus eher keine Möglichkeit dazu haben. Es gibt die Spielplatz-Paten, die dafür sorgen, dass der Spielplatz vor Ort gut in Schuss ist und genutzt werden kann. Wir haben viele neue Kitas eröffnet und die Offene Ganztagsbetreuung an Schulen entwickelt. Inzwischen gibt es in unserer Stadt einen Rechtsanspruch für einen Betreuungsplatz. Das war noch vor 10, 15 Jahren undenkbar.
Große Firmen wie die Metro, Mercedes, Ergo und Provinzial haben längst erkannt, wie wichtig Betriebskitas sind, um ihre Leute zu halten. Es gibt eine hübsche Anekdote mit Simone Baghel-Trah [Aufsichtsratsvorsitzende von Henkel Düsseldorf], die ich einmal bei einer Veranstaltung in Düsseldorf traf. Spontan hat es sich ergeben, dass wir unter ihrem Einsatz dreie neue Kitas eröffnen konnten. Sie hat die Dringlichkeit sofort eingesehen.
Auch an den ehemaligen Oberbürgermeister Joachim Erwin habe ich beste Erinnerungen. Er war einst mit dem früheren Messechef Werner Dornscheidt auf einer Geschäftsreise, und als beide zurückkehrten, bekam ich die Zusage für eine weitere Kita in Stockum. Das waren gute Erfahrungen für mich. Den Welcome Point habe ich mit Jürgen Gocht abends aus der Taufe gehoben. [Der Welcome Point ist eine von mehreren zentralen Anlaufstellen für Flüchtlinge in Lohausen, der über die Jugendberufshilfe Düsseldorf organisiert ist]
Wir haben die Waldkindergärten erfunden. In unserer Stadt gibt es 47 Elterninitiativen, die alle einen tollen Job machen. Ich könnte jede von ihnen umarmen! Der Kitanavigator und das Projekt Babylotse sind in meiner Zeit entstanden
Wir haben als erste Stadt gute Kinder- und Jugendhilfepläne entwickelt, die andere Städte sogar von uns kopiert haben. Da waren wir weit vorne!
Wir haben das Elterngeld und den Unterhaltsvorschuss erfunden. In beiden Fällen habe ich meine Mitarbeiter/innen immer richtig angestachelt, schnell zu handeln. Denn es geht um Geld, das bei den Familien rasch ankommen muss. Das ist nicht verhandelbar!

Gibt es auch witzige Geschichten aus Ihrer Zeit?
JH: Jede Menge, eine erzähle ich kurz. Auf der Suche nach geeigneten Räumen waren wir ja immer stadtweit unterwegs. Da gab es in Gerresheim ein Freudenhaus, das seine besten Tage hinter sich hatte (lacht). Da bekamen wir die Genehmigung, das in eine Kita umzubauen. Die Einweihung hat echt Spaß gemacht!

Sind Sie katholisch?
JH: Klar, als Kind habe ich in St. Cäcilia in Benrath als Messdiener gewirkt. Die Nonnen im Cäcilienstift haben mich zum Dank immer mit Schokolade und Kakao versorgt. Das hat mich besonders in den Wintermonaten, wenn es hart für mich war, so früh aufzustehen, ermutigt, weiterzumachen.

Wenn Sie zurückschauen auf Ihre Arbeit. Was fühlen Sie dann?
JH: Ich blicke glücklich zurück. Für meine Stadt, die ich von Herzen liebe, habe ich mein Bestes gegeben. Und ich bin dankbar für das Vertrauen, das andere Menschen in mich gesteckt haben.

Ruhestand – was planen Sie?
JH: Auch künftig werde ich, wenn das wieder möglich ist, bei Fachtagungen für die Stärkung von Kinder- und Jugendrechten auf Bundesebene mitmachen. Da habe ich schon gute Erfahrungen gemacht. Die Inklusion behalte ich im Auge.
In Düsseldorf bin ich sehr gut vernetzt, habe mein ganzes Leben in der Stadt verbracht, die ich von Herzen liebe. Hier habe ich meine Familie, meine Freunde.
Meine Frau und ich reisen gern. New York ist eines meiner Lieblingsziele. Nach Rügen fahre ich seit vielen Jahren. Da kenne ich Mann und Maus. Wenn ich da bin, verbringe ich ganz am Anfang ein paar Stunden beim hiesigen Bäcker, der mir die neuesten Dorfgeschichten erzählt. Anschließend bin beim Friseur, der mich auch mit Neuigkeiten versorgt. Dann bin ich auf dem neuesten Stand und der Urlaub kann beginnen!

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