New Fall Festival: Balthazar im Tanzhaus NRW

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Im großen Saal des Tanzhauses NRW, einer tollen Location, die man viel öfter besuchen sollten, war der Anteil an Belgierinnen und Belgiern am Donnerstagabend ziemlich hoch. Kein Wunder, denn die bei uns weitgehend unbekannte Alternative-Pop-Band Balthazar gehört im Land von Bier und Fritten zu den beliebtesten Truppen der eingängigen Musik. Und weil es von Lüttich, Eupen und Löwen nicht weit ist bis in die schönste Stadt am Rhein, sind der Fünfergruppe eben etliche Fans nachgereist. Um den Auftakt zur großen Europa-Tournee live mitzuerleben. Wieder ist es den Machern des New Fall Festivals gelungen, Frisches und Unbekanntes nach Düsseldorf zu locken – schade dass doch ziemlich wenig Zuschauer darauf eingestiegen sind. Auch wenn die Stehplätze vor der Bühne rappelvoll waren, auf der Tribüne verirrten sich kaum weitere hundert Personen. So hatte der Gig alle Merkmale eines Clubkonzerts – und das war auch gut so.

balthazar2Die vier Jungs und die eine Dame sind samt und sonders ihrer Instrumente mächtig und haben einen Haufen toller Songs am Start. Einflüsse sind viele zu finden: Der eine der beiden Frontmänner dürfte großer Depeche-Mode-Fan sein und hat seinen Tanzstil offensichtlich bei Dave Gahan abgeschaut. Manchmal kommt es dylanesk, manchmal hört man so etwas wie Mando Diao, ja, selbst ein Hauch Björk liegt bisweilen in der Luft. Der andere Frontmann, der seine Gitarre auf merkwürdige Weise hält und spielt, gibt eher den Singer-Songwriter mit sehr komplexen Texten und einer beunruhigend rauen Stimme. Weil das musikalische Spektrum so breit ist, bleibt es über mehr als anderthalb Stunden immer spannend. Und wenn alle fünf gemeinsam musizieren, steht auf die Violine weit vorne, auf der die Dame im schwarzsilbernen Ringelkleid einen sehr eigenständigen Klang produziert.

Balthazar – Fifteen Floors [Applause]

balthazar3Hört man sich nach diesem ziemlich tollen Live-Auftritt die drei Alben an, die Balthazar seit 2010 herausgebracht haben, wird die Vielfalt der Wurzeln noch deutlicher. Gerade das Album „Applause“ kann allen, die eher der alternativen Seite des Pop zuneigen, dringend ans Herz gelegt werden. Zumal die Tonträger hervorragend abgemischt sind, was live im Tanzhaus nicht immer der Fall war – für die Größe des Raums war bisweilen einfach zu viel Druck auf den Boxen. Die belgischen Fans und neugierigen Zuschauer hinderte das nicht daran, spätestens nach einer halben Stunde begeistert zu tanzen und zu jubeln. So wurde dieser Auftritt zu einem Highlight des New Fall Festivals.

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