[Unser Nick, der Klempner aus Leeds, der inzwischen Fortuna-Fan ist, wird ab sofort seine eigene Kolumne haben – und darin nicht nur über die glorreiche Fortuna erzählen.] Ehrlich gesagt, Folks: Ich war noch nie in Ipswich. Warum auch? Wir Brits wissen, dass es sich um eines der langweiligsten Käffer handelt, das es auf der Insel gibt. Das Aufregendste an diesem Örtchen war bisher die Mordserie von 2006. Und jetzt der Abstieg der Tractor Boys aus der zweiten Liga – nach 17 Jahren. Darunter leiden nicht nur die Fans des Ipswich Town FC, sondern auch deren Freunde. Denn seit vielen Jahren besteht eine intensive Fan-Freundschaft mit Fortuna Düsseldorf. Die ist entstanden, weil Uli, der Hildener, und Friedie immer schon ein Herz für den Old-School-Football hatten und seit 2006 jedes Jahr im Januar eine Bustour zu einem Spiel der Tractor Boys organisieren.

Holger, mein Kumpel aus dem Block 3, war schon zweimal mit. Deshalb kennt der sich in Ipswich aus. Schon zu Beginn der Saison meinte der Holger, Mensch, was hältst du davon: Wenn deine Whites in Ipswich spielen, fahren wir rüber und gucken uns das an. Udo fand die Idee auch gleich klasse, und kurz vor Weihnachten stand die Reise fest. Wobei die Voraussetzungen ziemlich klar waren: Der ITFC würde als Tabellenletzter aus der Championship-Liga absteigen, während Leeds United in der Relegation um den Aufstieg in die Premier League spielen würde. Es ging also um nix.

Hätte man meinen können. Aber was sich dann am Sonntag an der Portman Road abspielte, fühlte sich ganz anders an. Auch wenn der Laden nur zu zwei Dritteln gefüllt war und das Wetter nicht besonders, ging auf dem Rasen der Punk ab. Bis zur 30. Minute ging es hin und her. Alle Kicker mit vollem Einsatz. Das Spiel fühlte sich sehr englisch an, und das tat mir gut. Wobei mein Herz natürlich total gespalten war. Hey, Leeds United, das ist der Verein, zu dem schon mein Großvater gehalten hat, und mein Vater auch. Mein Vater und seine Brüder und auch die Lads aus der Nachbarschaft, die haben mich damals mitgenommen als ich noch zu klein war irgendwas vom Spiel zu sehen – meine ersten zehn Spiele habe ich nur gehört und gerochen. Für die Whites habe ich mich später mehr als einmal gerade gemacht…

Also hätte ich eigentlich Leeds United anfeuern müssen. Nun bin ich aber – wie ihr alle wisst – vor ein paar Jahren mit Haut und Haaren F95-Fan geworden. Purer Zufall, aber sehr intensiv. Und natürlich sind die Freunde meiner Freunde auch meine Freunde. Also hätte ich eigentlich den ITFC anfeuern müssen. Ging beides nicht. Ich saß deshalb ziemlich still auf der Tribüne, während Holger und Udo eindeutig auf Seiten der Tractor Boys waren. Vor alle nachdem Downes das 1:0 gemacht hatte. Ja, ja, man kann das bejubeln, aber es ging doch um nix.

Zugegeben, als Klich kurz vor der Pause den Ausgleich machte, zischte mir ein „Yes!“ durch die Zähne, und ich ballte triumphierend die Fäuste – in den Taschen. Und dann die 80. Minute: Roofe ist durch, und Chambers haut ihn im Strafraum um. Ausgerechnet Chambers, der Käpt’n! Die Anhänger der Blues stöhnten, und Udo sagte: Scheiße, die kriegen’s wieder nicht hin. Zumal Chambers natürlich auch noch Rot sah. Aber dann verschoss Roofe den Elfer, und aus dem Stöhnen wurde ein Jubeln.

Und jetzt kommt’s: Ausgerechnet ein Düsseldorfer Junge entschied das Match. Ausgerechnet Collin Quaner, der seine ganze Fußballjugend bei der Fortuna verbrachte und sowieso einer der besten ITFC-Spieler an diesem Tag war, ausgerechnet der machte in der 90. Minute das Tor zum 3:2. Und der ist ja „nur“ von Huddersfield ausgeliehen und wird in der kommenden Saison auch wieder zum Erstliga-Absteiger zurückkehren. Verrückt genug, aber weil es eben dieser Typ war, der den Sieg für die Tractor Boys klarmachte, konnte ich mich mit der Niederlage meiner Whites abfinden – es ging ja sowieso um nix.

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