Nein, ich habe das Spiel nicht selbst gesehen, ich hatte Probe. Die übrigens nur eingeschränkt möglich war, weil halt ständig neben dem Mischpult der Toralarm bimmelte – von 0:4 und Wechsel des Keepers über 4:4 und 4:6 zum 5:6, wobei quasi mit der letzten Sirene der Puck fast noch zum 6:6 durchgerutscht wäre. Habe ich danach bei meinen Freunden vom magentafarbenen Ungeheuer im TV gesehen. Shit happens. Aber um das Spiel geht es ja auch eigentlich gar nicht.

„Shit happens“ ist nämlich vor allen Dingen ein Zitat des späten Mittwochabend. Gesprochen von Verteidiger Timothy Conboy, dem heimlichen Idol meiner Tochter. Conboy hat früher ein paar Jahre in der NHL gespielt, ohne sich da durchzusetzen – er ist einer der unzähligen Kanadier (okay, er ist Ami, aber bei Hockey klingt Kanadier irgendwie authentischer), die danach durch die unteren US-Ligen tingeln oder ihr Glück in Europa versuchen. Conboy ist seit 2012 in Deutschland, dort 2014 mit Ingolstadt (Ingolstadt!) deutscher Meister geworden und seit 2014 bei der DEG. Und man möchte ihn nicht missen, der er gehört zu den wenigen Cracks des im Saldo seeeehr braven DEG-Teams, die auch mal die physische Komponente ins Spiel bringen. Und das sorgt ja immer für ein wenig Pep.

Diese physische Komponente hat ihm zuletzt allerdings acht Wochen Pause beschert – in bester Conboy-Manier. Nämlich nicht durch eine schnöde Trainingsverletzung, sondern dadurch, dass er im Spiel gegen Berlin im September den Dynamo-Kollegen Spencer Machacek zum Einzelgespräch gebeten hat. Problem daran: Machacek ist auch ein ganz guter Gesprächstherapeut und hat Conboy ordentlich einen verplättet, das war ein klarer Punktsieg mit Tendenz zum technischen KO. Über das dabei erlittene blaue Auge hätte man ja noch lachen können (hat Tim sicher auch), über den durch den Sturz beim Kampf verursachten Meniskusschaden allerdings nicht so. Knieverletzung nach Hauerei, ist klar.

Für Katastrophentouristen:

Gestern in Nürnberg also das langersehnte Comeback. Und zwar für satte siebeneinhalb Minuten, dann schlug ein Nürnberger Schlagschuss in seinem Gesicht ein, und ihm gingen die Lichter aus. Conboy ist umgefallen wie ein nasser Sack und lag sekundenlang, augenscheinlich ohnmächtig, auf dem Eis. Irgendwie hat er sich dann mithilfe diverser Mitspieler wieder aufgerappelt und wurde von denen in die Kabine geschleift. Mit, so liest man, Blut im Mund und einer ordentlichen Katsche im Kinn.

Noch vor Ende des ersten Drittels stand der Kerl wieder auf dem Eis und hat weitergespielt. Das muss man sich einfach mal verpacken. Der Typ ist völlig irre, but I love this guy!
Er selbst fasste die Sache im Interview so zusammen: „That’s why we play the game, we know the risks.“ Und, fast schon grinsend, hinterher: „Shit happens.” Äh, ja.

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