Meinung · …du Flüsschen, das du uns deinen Namen geschenkt hast. Ohne dich würde diese wunderschöne Stadt vielleicht Kittelhausen, Itterstadt oder Hoxingen heißen. Und das wäre schrecklich. Weil die Ansiedlung, aus der unser Großstadtdorf entstanden ist, genau zwischen deinen Mündungsarmen lag, haben dich schon die ureinwohnenden Fischer und Bauern zur Namenspatronin gewählt. Aber, wie sind die Bürger:innen dieser Stadt dann in den vergangenen 150 Jahren mit dir umgegangen? Sie haben dich begradigt, in schmale Betonbetten gepresst und sogar in Röhren unter die Erde verbannt. [Lesezeit ca. 2 min]

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Nein, nein, niemand macht dir Vorwürfe oder behauptet, du hättest dich vergangene Woche für diese Misshandlungen gerächt. Konntest ja nichts für den Starkregen und dafür, dass die großflächige Bodenversiegelung oben im Bergischen Land dir so viel Wasser zugeführt hat. Du hast treu und brav deine ewige Pflicht erfüllt: Wasser, das von den Hügeln im Osten kommt, nach Westen in den Rhein zu transportieren. Wie du es seit Jahrtausenden tust. Besonders unauffällig in den Zeiten, in denen du friedlich und zweiarmig durch die alten Rheinauen mäandert bist und links und rechts genug Platz hattest dich auszudehnen, wenn es mal dicke kam mit dem Wasser.

Okay, man hat dich auf dem Stadtgebiet hier und da – wie man es voller Euphemismus nennt – „renaturiert“, dir also wieder ein bisschen Platz zum Ausdehnen geschaffen. Aber, da wo das von dir bewegte Wasser den größten Schaden angerichtet hat, also, kurz nach deiner Aufspaltung in einen südlichen und einen nördlichen Arm, zwischen der Dreherstraße und der Grafenberger Allee am Staufenplatz, haben sie dir auf fast zwei Kilometern Länge ein Betonkorsett von kaum mehr als vier Metern Breite verpasst.

Konnte ja keiner damit rechnen, dass mal dermaßen viel Regen fallen würde. Dass du also dermaßen viel Wasser führen müsstest. Dass dein Pegel die bis dahin schon als enorm hoch geltenden 2,35 Meter übersteigen würde. Doch, konnten Leute ahnen. Sogar Beamte, die vor fünf, sechs Jahren bekanntgaben, dass man dir an beiden Ufern Dämme verpassen wolle, damit du auch bei (damals unvorstellbaren) 2,80 nicht überlaufen würdest. Aber irgendwie ist in dieser Sache .in mehr 60 Monaten nichts passiert.

Hätte ohnehin nichts genutzt, denn du bist dann eben doch auf über drei Meter angeschwollen. Auf Höhe der Ostparksiedlung hast du dich dann ergossen – wie eine alte Dame, die dringend mal muss, kein Klo findet und es dann notgedrungen einfach laufen lässt. Wie gesagt: Kein Vorwurf an dich – wir haben dich auch weiterhin lieb.

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