Meinung · …du hast nicht immer Glück gehabt mit deinen Rektoren. Man denke nur an Norbert Kricke, der in der Beuys-Affäre eine sehr unglückliche Rolle gespielt hat, oder jüngst an den Malerfürsten Markus Lüpertz, der dich behandelt hat wie sein persönliches Fürstentum. Und nun Karl-Heinz Petzinka, der Architekt („Kannst mich Kalle nennen…“). Der Mann, der das durchsichtige Stadttor entworfen und das Gelbe Haus mit Elchgeweihen versehen hat, will sich nun ein ganz persönliches Denkmal setzen: den Erweiterungsbau. [Lesezeit ca. 3 min]

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Keine Frage, du, liebe Akademie, bist in mancherlei Hinsicht in die Jahre gekommen. An vielen Stellen platzt du aus den Nähten, anderswo fehlen dir die baulichen Voraussetzungen für eine sinnvolle Modernisierung. Deshalb ist seit einiger Zeit ein Erweiterungsbau im Gespräch, der vor allem Platz für moderne Werkstätten bieten soll. Schon in früheren Jahren hast du dich über deinen Stammplatz hinweg ausgedehnt. Da gab und gibt es externe Ateliers für Meisterschüler, und auch die Akademiegalerie musste im Rathaus untergebracht werden.

Anbau der Kunstakademie: rechts der alte Bau, links der Anbau (Foto: Kunstakademie)

Anbau der Kunstakademie: rechts der alte Bau, links der Anbau (Foto: Kunstakademie)

Das soll dieses Mal anders werden – sagt der Kalle. Die Wiese nördlich deines imposanten Gebäudes, das zwischen 1875 und 1879 nach Vorbildern der italienischen Renaissance direkt damaligen Sicherheitshafens errichtet wurde, sei der ideale Platz für die Erweiterung. Gut, ideal ist das Grundstück, weil es unbebaut ist und gleich nebenan liegt. Mal ehrlich: Diese Fläche mit den inzwischen stolzen Bäumen macht einen großen Teil deines Charmes aus, geschätzte Akademie.

Vor ein paar Wochen kam nun der Kalle mit Bildern um die Ecke, die einen von ihm mit Unterstützung seiner Studenten entworfenen Neubau zeigten. Am Ostende der Wiese ragte ein Klotz empor, der dir bis an deine Dachkante reichte. Besonders auf der in den Medien am meisten gezeigten Illustration, warst du, wunderhübsche Akademie, kaum noch zu sehen. Die Menschen waren entsetzt, eine Petition gegen diesen Entwurf fand mehr als 2.000 Unterzeichnende, und auch die Presse war nicht begeistert.

Der geplante Zusatzbau für die Akademieverwaltung (Foto: Kunstakademie)

Der geplante Zusatzbau für die Akademieverwaltung (Foto: Kunstakademie)

Natürlich wurde auch diskutiert, ob der Kalle als dein Rektor überhaupt einen Entwurf vorlegen durfte, ohne dass ein entsprechender Wettbewerb ausgeschrieben wurde. Tatsächlich ist dieses Verfahren nach neuen Erkenntnissen nicht nur rechtlich okay, sondern im Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie nicht ohne Vorbilder. Das ändert aber nichts daran, dass die charmante Wiese vollständig bebaut würde. Immerhin zeigen die Entwürfe, dass die großen Bäume auf ästhetisch interessante Weise in den Bau integriert werden sollen.

Liebe Akademie, ich habe mich nun ein paar Tage mit dem Thema befasst und mit vor allem einmal Bilder angeschaut. Sagen wir so: Die am häufigsten gezeigte Illustration ist die mit Abstand unglücklichste – siehe oben. Denn zwischen dem alten Bau und der Erweiterung entsteht ein Innenhof, und weil der Neubau treppenförmig ansteigt, ist der nicht nur ein Alibiding, sondern tatsächlich als Freifläche nutzbar. Die Ausschnitte für die Bäume werden künstlerisch gestaltet, und gerade der Blick Richtung Rhein zeigt die Vielfältigkeit der Bauformen, die auf dem ersten Bild nicht zu erkennen ist.

Kurz und gut: So entsetzt ich als ehemaliger Student von den ersten Illustrationen des Erweiterungsbaus war, bin ich inzwischen nicht mehr. Im Gegenteil: Ich glaube es könnte in der Realität ganz gut werden, was der Kalle und seine Studenten sich da ausgedacht haben. Mit meinem laienhaften Verständnis von Architektur würde ich ein paar Änderungsvorschläge machen. Einerseits sollte der Neubau nicht bis auf Höhe der Dachkante ansteigen, seine östliche Fassade sollte nicht mit der Fassade der Akademie abschließen, sondern ein Stück zurückgesetzt werden. Wenn möglich sollte der Innenhof grün gestaltet werden, also nicht nur gepflastert sein. Ganz radikal die Idee, das Ding um 180° zu drehen, sodass es am Westende der Akademie ansetzt. Was meinst du liebe Akademie?

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