Richard von Weizsäckers Rede am 08. Mai 1985

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Die Rede des Bundespräsidenten Herrn Richard von Weizsäcker

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16 Kommentare

  1. Günther A. Classen am

    Richard von Weizsäcker, ein „Zeitzeuge“ im braunen Nebel?

    https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/richard-von-weizsacker-ein-201ezeitzeuge201c-im-braunen-nebel

    Ernst von Weizsäcker Diplomat des Teufels

    http://www.spiegel.de/einestages/ernst-von-weizsaecker-diplomat-des-teufels-a-948766.html

    Die verlogene Republik

    Ein gutes Beispiel dafür ist Richard von Weizsäcker. Der heute neunzigjährige Weizsäcker war von 1984 bis 1994 sechster Präsident der Bundesrepublik. Er begann seine politische Karriere als Verteidiger seines Vaters Ernst Freiherr von Weizsäcker, der als Kriegsverbrecher in den Nürnberger Prozessen angeklagt war und verurteilt wurde. Selbst nach der Veröffentlichung des Berichts der Historikerkommission verteidigt Richard von Weizsäcker seinen Vater und rechtfertigt sein Verhalten.
    Fakt ist: Vater Ernst von Weizsäcker war im April 1938 der NSDAP beigetreten und im gleichen Monat zum SS-Oberführer im persönlichen Stab von Heinrich Himmler (Reichsführer-SS) ernannt worden. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Weizsäcker die Leitung der Politischen Abteilung des Außenamts übertragen bekommen. Vermutlich auf Wunsch Hitlers wurde er 1937 Ministerialdirektor und 1938 erster Staatssekretär des AA. Damit war er nach Außenminister Ribbentrop der zweitwichtigste Mann. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Ausarbeitung des Münchner Abkommens beteiligt, was er später damit rechtfertigen sollte, er habe auf diese Weise den Frieden erhalten wollen.
    Weizsäcker spielte auch eine Rolle bei der Deportation von Juden, was der Bericht der Historikerkommission erneut bestätigt. Bei Deportationen aus besetzten oder verbündeten Staaten musste das AA seine Zustimmung geben, was es in der Regel auch tat. So äußerste Weizsäcker „keinen Einspruch“, als Adolf Eichmann 1942 6.000 Juden aus Paris nach Auschwitz transportieren wollte. Auch einen Erlass zur Deportation von 90.000 Juden aus Belgien, Holland und Frankreich zeichnete er ab.
    Trotz dieser Tatsachen verteidigt der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Verhalten und Vorgehen seines Vaters und behauptet, er habe sich dem Amt nur zur Verfügung gestellt, um den Ausbruch des Krieges zu verhindern.
    Was davon zu halten ist, zeigt der Werdegang von Sohn Richard, der nach Kriegsbeginn trotz seiner Jugend in der Wehrmacht eine Blitzkarriere absolvierte und im Alter von nur 22 Jahren zum Ordonnanzoffizier beim Oberkommando des Heeres aufstieg.
    Auch die Behauptung, sein Vater habe dem Naziregime abweisend gegenübergestanden, ist unwahr. Die Historikerkommission zitiert persönliche Aufzeichnungen, die Ernst von Weizsäcker unmittelbar nach Hitlers Machtübernahme im Februar 1933 verfasste. Darin heißt es: „Unsereiner muss die neue Ära stützen. Denn was käme denn nach ihr, wenn sie versagte! Natürlich muss man auch mit Erfahrung, Auslandskenntnis und allgemeiner Lebensweisheit beiseite stehen. Hierzu bin ich entschlossen…“
    Die Kommission kommentiert dies mit den Worten: „Weizsäckers Ausführungen spiegeln die Gedanken und Wünsche der Spitzendiplomaten nachgerade exemplarisch wider: Das liberaldemokratische System, das sie geschlossen ablehnten, sollte durch eine autoritäre Staatsform ersetzt werden, ein Ziel, das der Reichspräsident ‚Projekt der nationalen Erneuerung und Einigung‘ nannte.“
    Das ist sehr aufschlussreich. Es macht deutlich, warum Richard von Weizsäcker als ehemaliger Bundespräsident entgegen aller Aussagen des Kommissionsberichts an den alten Lügen über das Außenamt als Hort des Widerstands gegen die Naziherrschaft fest hält. Es geht dabei nicht in erster Linie um die Verteidigung der Familienehre. Die Lüge, die gesellschaftlichen Eliten hätten das Nazi-Regime und seinen Terror abgelehnt, erfüllt eine politische Funktion. Mit ihr wurde gerechtfertigt, dass dieselben Leute nach der angeblichen „Stunde Null“ den geläuterten demokratischen Rechtsstaat aufbauten.
    Die Familie Weizsäcker ist geradezu exemplarisch für die Kontinuität der politischen Eliten über die unterschiedlichsten politischen Systeme hinweg. Die aus dem Bildungsbürgertum stammende, 1916 geadelte Familie hat in drei aufeinanderfolgenden Generationen dem Kaiserreich, der Weimarer Republik, der Nazi-Diktatur und der Bundesrepublik in höchsten Staatsämtern gedient. Karl von Weizsäcker, der Vater Ernsts und Großvater Richards, war von 1906 bis 1918 Ministerpräsident des Königs von Württemberg.
    Hinzu kommt noch ein zweiter Gesichtspunkt. Der Bericht der Historikerkommission macht deutlich, dass die führenden Beamten des Außenministeriums trotz ihres Standesdünkels eng mit dem Naziregime zusammenarbeiteten, weil sie mit seinen politischen Zielen übereinstimmten. Die Motive der Angehörigen des Auswärtigen Amts reichten „über Hoffnungen auf einen autoritär gestützten machtpolitischen Wiederaufstieg Deutschlands bis hin zur Übereinstimmung mit den Prämissen der nationalsozialistischen Politik: von der Demokratiefeindschaft bis zum Antisemitismus“, heißt es in der Einleitung des Historikerberichts

    https://www.wsws.org/de/articles/2010/11/aamt-n04.html.

    • Rainer Bartel am

      Alles bekannt. Ändert nichts daran, dass Ritschies Rede zum 8. Mai dem ganzen, damals noch herrschenden Revanchismus die Kerze ausgepustet hat. Zweitens: RvW hat selbst in einem seiner letzten Interviews bekannt, wie lange es bei ihm gedauert hat, ohne Beschönigungen und Lügen zum Tun seiner Familie in den Zeiten des Naziregimes zu stehen.

      • Günther A. Classen am

        Menschen, die sich im Widerstand befanden oder im Konzentrationslagern saßen oder dort ermordet wurden, dürften die Rede und Weizsäcker deutlich anders empfunden haben.

        Es gibt daher erheblich andere Bewertungen dieser „denkwürdigen“ Rede Weizsäckers.

        Wenn dieser in seiner Rede einer „Kollektivschuld“ entgegentritt, reitet er damit „scheinheiliig“ ein totes Pferd.
        Die „Kollektivschuld“ war 1985 längst eine Chimäre, die ausschließlich ständig von einer reaktionären und rechten Rhetorik kakophoniert wurde, um von ihren eigenen Verbrechen und ihrer Beteiligung an solchen abzulenken.
        „Noch heute gehört die Behauptung, die Deutschen seien einem Kollektivschuldvorwurf ausgesetzt oder ausgesetzt gewesen, zur rechten Rhetorik“ (Wikipedia, Kollektivschuld).
        Die Täter benutzen den Begriff der „Kollektivschuld“ nach wie vor als Versuch der Relativierung ihrer Schuld und zur eigenen Entlastung.

        Weizsäcker selbst lässt an der Authentizität und Wahrhaftigkeit seiner Rede, an der ein ganzer Stab monatelang feilte, erhebliche Zweifel aufkommen.

        Bis zu seinem Tod hielt Weizsäcker das Urteil des Nürnberger Kriegsverbrecherprozess für „ungerecht“:

        „Richard von Weizsäcker hatte bei der Verteidigung seines Vaters assistiert, als dieser in Nürnberg als Kriegsverbrecher angeklagt und wegen seiner Mitwirkung bei der Deportation französischer Juden nach Auschwitz zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. An seiner Ansicht, dieses Urteil sei „historisch und moralisch ungerecht“ gewesen, hielt Richard von Weizsäcker trotz neuer belastender Dokumente bis an sein Lebensende fest.“ (Die Welt,

        „Bei strenger Betrachtungsweise lassen sich in den fein geschliffenen Formulierungen Weizsäckers freilich Hintertüren erkennen, durch die man heiklen Fragen entkommen kann. So etwa der, ob es sich bei dem Nationalsozialismus tatsächlich nur um ein der deutschen Gesellschaft aufgepfropftes System gehandelt hatte oder ob Letzteres nicht zumindest zeitweise mit Ersterer eins geworden war.

        Implizierte die Feststellung, das Kriegsende sei auch für die Deutschen eine Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gewesen, nicht eine Beschönigung des Ausmaßes der Verankerung des NS-Regimes und seiner Ideologie im Wollen und Fühlen einer großen Mehrheit der Deutschen? Und wenn Weizsäcker feststellt, Hitler habe „das ganze Volk zum Werkzeug“ seines Judenhasses gemacht, klingt darin die von Schuld entlastende Nachkriegslegende nach, das deutsche Volk sei von dem Dämon Hitler zum Bösen verführt und missbraucht worden. […]

        In manchen Passagen jedoch klangen seine Ausführungen so, als ob das deutsche Volk zumindest ähnlich stark unter dem NS-System gelitten hätte wie jene, die Opfer seiner systematischen Ausrottungs- und Unterjochungspolitik geworden waren. So, als er ausführte: „Am Ende blieb nur noch ein Volk übrig, um gequält, geknechtet und geschändet zu werden: das eigene, das deutsche Volk.“ Er stützte diese Feststellung auf Hitlers berüchtigte Aussage, das deutsche Volk habe, wenn es nicht siege, den Untergang verdient – woraus folgte, dass der „Führer“ die Politik der verbrannten Erde am Ende auch auf Deutschland selbst anwandte.

        So blieb er gegenüber einer Problematisierung der Rolle seines Vaters Ernst von Weizsäcker als Staatssekretär im Auswärtigen Amt und damit als NS-Spitzendiplomat harthörig. Er wirkte damit der in den deutschen Nachkriegsjahren weitverbreiteten Legende zumindest nicht entgegen, man habe im Apparat der NS-Diktatur hohe Posten bekleiden und dabei doch „anständig bleiben“ können.“

        http://www.welt.de/politik/deutschland/article136986413/Weizsaeckers-Brueche-staerkten-seine-Autoritaet.html

        Der Saubermann

        Richard von Weizsäcker, CDU, 1984-1994: Mitte der Sechziger gehörte Weizsäcker der Geschäftsleitung des Chemieunternehmens Boehringer Ingelheim an, wo seinen Biografen Werner Filmer und Ernst Schwan zufolge „keine wichtige Unternehmensentscheidung“ ohne ihn fiel. Als bekannt wurde, dass die Firma Bestandteile des Entlaubungsmittels Agent Orange, an dessen Einsatz die Vietnamesen bis heute leiden, in die USA geliefert hatte, ließ Weizsäcker wissen, er habe davon nichts gewusst. Als Adjutant des Regimentkommandeurs war Weizsäcker am Überfall auf die Sowjetunion beteiligt. Vom Treiben der SS-Einsatzgruppen hinter der Front, so ließ er später wissen, habe er nichts gewusst. Als 1991 ein Mitarbeiter des Sterns eine Geschichte über Kriegsverbrechen recherchierte, die Soldaten von Weizsäckers 23. Infanteriedivision begangen hatten, ließ dieser wissen, er habe davon nichts gewusst – ebenso wie er nichts darüber wusste, warum der Stern die Geschichte plötzlich nicht mehr drucken wollte. Dabei verdankt Weizsäcker seinen tadellosen Ruf vor allem der Rede, die er zum 40. Jahrestag des Kriegsendes hielt: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“, sagte er, und man möchte ihm heute noch zurufen: Potzblitz, darauf muss man erst mal kommen! Befreit wurde nach Weizsäckers Lesart auch sein Vater Ernst, SS-Brigadeführer und wegen der Deportation von 6.000 französischen Juden nach Auschwitz zu fünf Jahren Haft verurteilter Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Richard stand seinem Vater als Hilfsverteidiger zur Seite, und hält das Urteil immer noch für ungerecht. Ernst von Weizsäcker hatte sich übrigens in Nürnberg damit verteidigt, von den Vorgängen in Auschwitz habe er nichts gewusst.

        http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=tz&dig=2012%2F02%2F04%2Fa0227

        Ein entsprechendes glaubwürdiges Bekenntnis „ohne Beschönigungen und Lügen zum Tun seiner Familie in den Zeiten des Naziregimes zu stehen“ konnte ich nirgends finden.

        • Rainer Bartel am

          Das ist jetzt als Teil einer Diskussion bisschen länglich, was du da zusammenträgst. Nehmen wir zwei Punkte:

          1. Befreiung: Es war nach den Ostverträgen der nächste Schritt, den Sieg der Allierten als „Befreiung Deutschlands“ zu bezeichnen, was zu Zeiten des Kalten Krieges und des Revanchismus nicht möglich war. Also ein politischer Fortschritt in Bezug auf das Jahr 1985.
          2. Geknechtetes Volk: Ich verstehe diesen Begriff in erster Linie in Bezug auf das Leid der Menschen als Folge des Krieges gegen die Zivilbevölkerung.

          Alles andere ist natürlich richtig, hat aber mit der Rede wenig zu tun. Die Insassen des Billigadel war nach der Bourgeosisierung jedem Regime willige Helfer. Man hatte ja sonst nichts…

  2. Günther A. Classen am

    Es geht mir um die Glaubwürdigkeit der Rede und des Redners.

    Die sind beide an keiner Stelle gegeben.

    Weizsäcker steht mit seiner gesamten Persönlichkeit, mit seinem Leben gegen den Inhalt und die Athentizität dieser Rede.

    Ein Redner, der bis zu seinem Tod die Verstrickung seines Vaters in den Holocaust leugnet und ständig von allem grundsätzlich „nichts gewusst haben“ (siehe Taz-Zitate) will.

    Wo findet sich denn diese bekannte Äußerung ständig wortwörtlich (rhet.).

    Abgesehen davon, dass der Begriff der „Befreiung“ vom Faschismus/Nationalsozialismus bei kritischen und fortschriftlichen Kräften seit dem 8. Mai 1945 (nicht nur in der Ex-DDR) und insbesondere bei der 68er-Bewegung, ausdrücklich auch gerade zuzeiten des „Kalten Krieges“ selbstverständlich war, steht explizit aus diesem Grund als Person, als lebenslang uneinsichtiger Tätersohn und als Wehrmachtssoldat Weizsäcker mit seiner Rede eben gerade nicht für Opfer, Widerständler und Demokraten, sondern lediglich als vorgeschobenes, durchsichtiges Alibi für reaktionäre Kräfte, Täter, Mitläufer und Ewig-Gestrige.

    Ich denke, ich habe genau das mit den o.a. ausführlichen Zitaten zweifelsfrei belegt.

    Nur weil Weizsäcker himself erstmalig in seinem Leben den Begriff der „Befreiung“ verwendet, zudem äußerst unglaubwürdig, wie seine grundsätzliche Haltung zum Thema Nationalsozialismus zweifelsfrei belegt, kann dies wohl kaum als politische Großtat bezeichnet werden.

  3. Ronald Steinert am

    Günther, ich finde der Rainer hat Recht.

    Außerdem ist in der Rede das erste Mal von höchst offizieller Seite, eben vom Staatsoberhaupt, vom Widerstand der Kommunisten sowie auf Opferseite von den Roma und Sinti und den Schwulen die Rede.
    Das ist für 1985 (und für einen Adligen mit seiner von Dir erwähnten Vergangenheit) schon sehr viel, und eben, die Wirkung war doch sehr positiv.
    Das hat Tür und Tor geöffnet für erstmalige ernsthafte Beschäftigung mit dem deutschen Faschismus.
    Vorher bis tief in 1970er war da ja nicht viel.

    • Günther A. Classen am

      Also, „ich finde, dass“ ich „Recht habe“ – grundsätzlich und immer.

      „Vorher bis tief in 1970er war“ jede Menge, lieber Ronald.

      Das war eben gerade keine „restmalige Beschäftigung mit dem deutschen Faschismus“, nicht einmal für eine solche bornierte Kaste und auch nicht von „offizieller Seite“.

      Schon am 8. Mai 1949 hatte der spätere erste Bundespräsident Theodor Heuss anlässlich der Verkündung des Grundgesetzes als Mitglied es Parlamentarischen Rates erklärt: „Die Deutschen sind damals am 8. Mai 1945 erlöst und vernichtet in einem gewesen.“

      Und ob 1985 irgendein grenzdebiler und nachweislich bis in den Tod hinein uneinsichtiger Angehöriger des „Billigadel“ in seinem Leben erstmalig Kommunisten, Sinti, Roma und Schwule in den Mund nimmt, ist mir so was von schnuppe, wie der Sack Reis, der in China umgefallen ist.

      Nicht nur für mein soziales Umfeld und mich war längsten vor und im Rahmen der 68er Bewegung die gründliche Abrechnung der Nazizeit und mit ihren ehemaligen Repräsentanten, die zum Teil wieder in Amt und Würden waren, angesagt.

      Ob sie nun Filbinger, Carstens, Lübke, Kiesinger oder Schleyer hießen.

      Beate Klarsfeld hat den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger aus diesem Grunde 1968 geohrfeigt.

      Solche Bilder rüttelten damals – fast zwanzig Jahre zuvor – die ganze Welt auf.

      Die Vergangenheit des bis heute ungebrochen geehrten ehemaligen Arbeitgeberpräsidenten Hans Martin-Schleyer, als SS-Untersturmführer (1. Juli 1933 Eintritt in die SS) in Prag für die Arisierung der tschechischen Wirtschaft und die Beschaffung von Zwangsarbeitern für das Deutsche Reich zuständig.
      wurde auch nicht erst anlässlich seiner Ermordung durch die RAF 1977 ruchbar, die seine „Exekution“ unter anderem wegen dessen NS-Vergangenheit begründete und ihn in seiner ungebrochenen Nachkriegskarriere (Die Entnazifizierungskommission stufte Schleyer letztlich als „Mitläufer“ ein, nachdem er seinen SS-Rang in „Unterscharführer“ abgefälscht hatte.) als typischen „Vertreter dieses (Schweine-)Systems“ sah.

      Simon Wiesenthal sorgte mit dem Ehepaar Klarsfeld seit den frühen 60er Jahren dafür, dass NS-Verbrecher in der ganzen Welt aufgespürt, gefasst und ihnen der Prozess gemacht wurde.

      Die Entführung Adolf Eichmanns 1960, seine Verhaftung in Israel und der Prozess gegen ihn und seine Verurteilung fanden ebenfalls damals weltweite Beachtung.

      Das gilt nicht zuletzt für die Auschwitz-Prozesse, 1963-1965, 1965-1966, 1867-1968 und die Nachfolge-Prozesse, die ebenfalls global großes Aufsehen erregten.

      Die Verbrechen der Nazis, ihrer Mitläufer und Vollstrecker in Kirche, Staat, Justiz und der Medizin waren in großen Teilen damit lange vor Weizsäckers Rede weltweit bekannt.

      Da braucht es ganz sicher nicht eines verquasten, heuchlerischen Bundesgrüßonkels, um die braunen Gesellen halbherzig, zweideutig und Jahrzehnte verspätet beim Namen zu nennen.

      • Ronald Steinert am

        Global und weltweit, ja.
        Im Täterland, nein. (Außer bei den „üblichen Verdächtigen“)

        • Günther A. Classen am

          Mal abgesehen davon, dass ich das völlig anders realisiert habe.

          Das würde bedeuten, dass weltweit – außer in D. – alles Vorgenannte wahrgenommen wurde, nur in Toitschland nicht und ausgerechnet Weizsäckers Rede zum Thema erstmalig auch in „Täterland“.

          Klingt irgendwie nicht überzeugend.

          Entweder grundsätzlich (Dann gilt das aber auch ohne Einschränkungen grundsätzlich für die/jede Ansprache des Bundespräsidenten.) ausschließlich „die üblichen Verdächtigen“ oder grundsätzlich auch die BLÖD-Zeitungs-Rezipienten.

          Warum wacht denn auf einmal bei Weizsäckers Rede – angeblich – auch der Deutsche Michel erstmalig auf?

          Außer ………… die „Staats-Medien“ haben Ws Rede künstlich hochgeschrieben. Was nicht das erste Mal wäre.

          Dennoch machen sich aber nicht alle zum Vasallen bundespräsidialen toitschen Herumlügens und Vergessens:

          „Die neue Auschwitz-Lüge“

          „Das Amt“ sei kein Buch über seinen Vater. Dieser habe, und dabei zitiert er einen der Richter des Nürnberger Prozesses, „im Kampf und Gesittung und Frieden … eine heldenhafte Rolle gespielt“. Ernst von Weizsäcker sei im Amt geblieben, um Juden und anderen Verfolgten zu helfen.

          Am heftigsten hat dieser These in der Vergangenheit wohl „Spiegel“-Herausgeber Rudolf Augstein widersprochen. Unter dem Titel „Die neue Auschwitz-Lüge“ hielt dieser Weizsäcker im Oktober 1986 vor, dass sein Vater mit seinem Verbleiben im Amt „seinem Führer … bis zum letzten Tag gedient“ habe, dass er sich also dem „Nazi-Regime zur Verfügung gestellt“ habe, was der Sohn nicht wahrhaben wolle. Als Weizsäcker sich dagegen wehrt, legt Augstein nach: Es seien eben die „Weizsäckers“ gewesen, „die Hitlers und Ribbentrops Krieg mitgetragen und mitgeführt“ hätten.“

          http://www.tagesspiegel.de/politik/nationalsozialismus-in-einer-schwierigen-lage/1969100.html

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