Jeder Düsseldorfer, der regelmäßig oder häufig im Südpark spazierengeht, kannte Klaus. Klaus war ein Schwan, der den größten Teil seines ungefähr zwanzig Jahre dauernden Lebens dort verbracht hat. Er war eine Berühmtheit, Liebling der Gartenbauarbeiter der Werkstatt für angepasste Arbeit, und viele Menschen kannten seine Lebensgeschichte. Und die ist traurig. Schwäne leben bekanntlich monogam, und viele Schwanenpaare teilen ihr gesamtes Leben miteinander. Stirbt einer der Ehegatten, verfällt der andere in Trauer, und nur in ganz selten Fällen heiratet solch ein Schwan erneut. Hermine Ohler, die stadtbekannte „Entenmutti“, hat Klaus 1995 zuerst im Hofgarten beobachtet, wo er als noch junger Vogel zusammen mit einer Schwänin aufgetaucht war. Ein Jahr später siedelte das Paar in den Südpark über – und dort geschah es: Klaus‘ geliebte Frau wurde von Unbekannten ermordet.

Aushang: Klaus, der Schwan

Mit diesem Aushang fahnden Tierschützer nach den Mördern von Klaus, dem Schwan

Klaus verfiel in Trauer. Ein paar Jahre später töteten Jugendliche einen anderen Südpark-Schwan durch Flaschenwürfe. Dessen Witwe wurde Klaus‘ zweite Gattin. Ungewöhnlich genug, dass die beiden Tier nicht nur zueiander fanden, sondern ganz nach Schwanenart wieder ein festes, im Übrigen auch wehrhaftes Paar bildeten. Bis die zweite Schwanengattin vor ein paar Jahren eines natürliches Todes starb und Klaus erneut begann zu trauern.

Nicht nur das: Stundenlang tapste der nun schon recht alte Schwanenmann durch den Südpark und suchte nach seiner Gefährtin. Bis er auf die Spiegelobjekte in den Gärten stieß. Von nun an nahm er seine eigenen Spiegelbilder als Ersatz für die verstorbene Herzensdame. In der Ecke am langen Düsselweg, etwa auf Höhe der Brücke zur Elly-Heuss-Knapp-Schule baute er sich ein Nest, das später von WfaA-Mitarbeitern und Tierfreunden gepflegt wurde. Und weil er sich ständig spiegelte, nannten ihn seine menschlichen Freunde den „Schönen Klaus“. Als Klaus wurde er dann zur bekanntesten Persönlichkeits des Parks. Nach dem Tod seiner Partnerin alterte Klaus schnell und zusehends. Schon im vergangenen Jahr reichte seit Aktionsradius gerade noch bis zum kleinen Düsselweiher am Irrgarten und bis auf die Wiesen jenseits der Gärten.

Seit dem diesjährigen Sommer ging es mit dem stolzen Schwanenmann zunehmend abwärts. Wenn aber irgendwelche Hunde meinten, ihn besuchen zu müssen, wurde er nach wie vor ziemlich wild und drohte mit dem Schlag seiner starken Flügel. In den letzten Wochen aber hockte er oft einfach im Gras am Wegesrand, sichtlich geschwächt, und nahm kaum noch Futter an, das ihm von Spaziergängern angeboten wurde. Genau wie seiner ersten Partnerin wurde Klaus in der Nacht vom 16. auf den 17.11.2015 totgeschlagen und sein Kopf abgetrennt. Der östliche Teil des Südparks wird ohne Klaus nicht mehr sein wie vorher. Jeder der ihn kannte, wird den schönen Schwan vermissen. Und besonders die Mitarbeiter der WfaA, die den Park mit viel Liebe und Sorgfalt pflegen, werden sicher um ihren Klaus trauern.

Den Tätern aber mögen die Gliedmaßen verfaulen, mit denen sie Klaus, den Schwan, er mordet und enthauptet haben. Tierschützer haben einen Aushang im Park verteilt, mit dem nach diesen widerlichen Typen gefahndet wird. Wer in der Nacht vom 16. auf de 17.11.2015 im Südpark etwas Verdächtiges bemerkt hat oder sonstige sachdienliche Hinweise geben kann, möge sich bei der Polizedienststelle Wersten unter 0211-8709343 melden.

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