Straubing vs DEG 1:3 – Gemälde des Tages: Kreutzer auf Eis

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Straubing vs DEG, Spielminute 54, es steht 1:1 und die Gastgeber spielen nach einer 2-Minuten-Strafe gegen Tim Conboy noch gut 60 Sekunden in Überzahl. Straubing steht mit drei wartenden Stürmern an der blauen Linie, der Verteidiger führt den Puck ins Mitteleis und Connolly nimmt über die rechte Seite Anlauf. Die DEG ist eher partiell sortiert – Ebner hatte den Forecheck gefahren und ist fast noch im gegnerischen Angriffsdrittel, Preibisch und Brandt sichern die eigene blaue Linie, Weiß fährt zum Wechsel. An sich also nur zweieinhalb aktive Spieler. Der Straubinger Verteidiger passt etwas schlampig an die Blaue, wo der Puck nicht unter Kontrolle gebracht wird.
Und ab jetzt folgt Ästhetik pur:

Preibisch reagiert am schnellsten, fängt den Puck ab und spielt ihn noch aus der Drehung nach schräg rechts vorne – etwas begünstigt dadurch, dass ein Straubinger ihn leicht abfälscht und dadurch verlangsamt. Bettauer zögert einen entscheidenden Sekundenbruchteil und wird sich der Gefahr, die hinter ihm lauert, dadurch erst zu spät gewahr.

Daniel Kreutzer, gerade für Weiß auf das Eis gekommen, hat blitzschnell reagiert, in Bettauers Rücken Fahrt aufgenommen und kommt an die Scheibe. Connolly hatte es etwas früher kommen sehen, musste aber noch von ziemlich weit rechts nach ziemlich weit links. Alles sprintet. Schnitzel presst die letzten Reserven aus seinem 37-jährigen Körper, Connolly erreicht Kreutzer einen viertel Schritt zu spät und in ungünstigem Winkel, Bettauer läuft versetzt, kann daher nicht unmittelbar eingreifen und versucht das Tor abzusichern. Connolly versucht, was man in dieser Situation versuchen muss, nämlich Kreutzer mit Händen und Schläger irgendwie zu foulen.

Aber der lässt sich nicht foulen, der schiebt in vollem Tempo den gegnerischen Schläger über die rechte Schulter weg, behält dabei den Puck im Auge und die entscheidenden 15 cm Vorsprung auf Connolly. Bettauer hat einen halben Meter Abstand, der kann nur noch einen ebenso verzweifelten wie erfolglosen Stockschlag versuchen. Kreutzer ficht das zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr an. Kreutzer ist schon vor dem Tor und schaufelt Climie die Scheibe mit größter Selbstverständlichkeit über die Stockhand ins linke Kreu(t)zeck.

Diese vier Sekunden zwischen Abfangen und Abschluss sind ein Gemälde für jeden, der Hockey liebt. Wenn er nicht gerade aus Straubing kommt.

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