Hach, wat is dat schön im TuRU-Stadion an der Färber-Straße – das übrigens deshalb “Stadion” heißt, weil es eine waschechte Sitztribüne besitzt, denn ansonsten ist das so ein richtiger Fußballplatz. Die Menschen sitzen auf den Wällen oder den Sitzstufen der Gegengerade, die Mannschaftsbänke direkt vor der Nase. Der Rasen duftet, und man kann den Spielern lauschen, wie sie auf dem Platz mal eben “Hintermann!” rufen oder das taktische Verhalten diskutieren. Jedenfalls bei den Herren des Oberligisten der traditonsreichen TuRU. Die “Stars” der glorreichen Fortuna verständigen sich doch eher und maximal mit Blicken oder Gesten. Wenn sie sich nicht gerade missverstehen…

Beim Besuch dieser Partie kommen nicht nur bei Ihrem sehr ergebenen Berichterstatter nostalgische Gefühle hoch, hat er doch hier – Fotos belegen das – sein allererstes Fußballspiel zusammen mit dem Vater und dem älteren Bruder anno 1957 im zarten Alter von viereinhalb Jahren erlebt. Es wird beim legendären TuRU-Pfingstturnier gewesen sein, bei dem internationale Jugendmannschaften um den Sieg kickten: AC Lecco, FC Drumchapel, Lok Leipzig und andere Vereine, an die man sich gern erinnert. Unangenehme Erinnerungen aber fielen beim Gedanken an den 3:1-Sieg der TuRU gegen die damals drittklassigen Fortuna vor ungefähr zehn Jahren an, bei der sich der beliebte Ivan Pusic so schwer verletzte.

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Fußballer zum Anfassen

Offiziell waren gestern genau 1.050 Zuschauer anwesend, eine Menge, die das Catering vor Ort ein bisschen überforderte. Jedenfalls blieben die Schlangen vor den Bierständen durchgehend sehr, sehr lang, weil es aus den Zapfanlagen – leider gab’s kein Alt – schlecht lief. Das tat der entspannten Atmosphäre keinen Abbruch, und viele F95-Fans waren allein schon deswegen begeistert, weil Spieler und Funktionsleute zum Anfassen nah waren und man auch mal ein Schwätzchen mit Thomas Kleine, Sascha Rösler oder Sportvorstand Lutz Pfannenstiel halten konnte. Ziel der Fortuna-Übung war es in erster Linie, Spielern Praxis zu ermöglichen, die bislang nicht zum Zuge kamen – hauptsächlich aus Verletzungsgründen – oder neu im Kader sind. Einer aus der letztgenannten Gruppe war der frisch von Hoffenheim ausgeliehene Kasim Adams, der sich gleich mit einem kraftvollen Kopfballtor kollektive Bewusstsein brachte.

Da stand es nach einer prächtigen Kombination und dem Abschluss durch den offensichtlich voll fitten Dawid Kownacki in der 4. Minute bereits 1:0, und die Mehrheit der Zuschauer dachten schon an eine derbe Klatsche für die arme TuRU. Aber, so verwirrt die Blauweißen in den Anfangsminuten agierten, so sehr steigerten sich die Jungs vor allem im Hinblick auf Präzision, Taktik und Zweikampfverhalten. Zumal die fortunistischen Angriffe doch ziemlich nach Schema F verliefen. Über rechts ging es weit außen über Jean Zimmer (der übrigens alle Eckbälle trat, und zwar nicht schlecht) und Bernard “Börnie” Tekpetey, dem allerdings durchweg viele Fehler bei der Ballannahme und vor allem bei Pässen und Flanken unterliefen. Auf der anderen Seite waren Diego Contento und Thomas Pledl erheblich effektiver.

Adams, Contento und Pledl vielversprechend

So fit sich Contento zeigte, dürfte er als linker AV nicht lange zweite Wahl bleiben; er überzeugte vor allem mit Geschindigkeit und körperlicher Präsenz. Pledl war zudem bis zur Halbzeit der mit Abstand agilste Stürmer der Fortuna, der später häufig rochierte, den die TuTRU-Kicker aber auch zunehmend unter Kontrolle brachten. Kownacki gab einen ziemlich echten Mittelstürmer und war dann in der zweite Spielhäfte der Mann mit den meisten Aktionen. Im Tor machte Florian Kastenmeier seine Sache gut und hatte ab der 25. Minute auch ordentlich zu tun, weil die Hausherren ehr und mehr ins Spiel fanden und auch die Offensive ausbauten – was in der 30. Minute zu einem blitzsauberen Tor führte. Vorher hatte Adam Bodzek mit einem strammen Schuss für das 3:0 gesorgt. Je länger die Partie dauerte, desto ungenauer, ja, schlampiger fiel das Passspiel der Roten aus.

Weil auch in der Defensive zunehmend gepennt wurde, fiel das zweite Tor für die TuRU völlig zurecht nach einer Stunde. Da verlief die Begegnung bereits auf Augenhöhe, und man wunderte sich, weshalb die Oberbilker in der Oberliga Niederrhein nach drei Spielen ohne Sieg nur auf dem 14. Platz stehen. Denn auch von der Kondition her mussten sich die Bluweißen hinter den Vollprofis nicht verstecken. Immerhin gelang Bodzek um die 80. Minute herum noch ein zweiter Treffen, sodass das Ergebnis mit 4:2 für F95 halbwegs erträglich ausfiel. Nach dem Schlusspfiff fand Kownacki einen sehr jungen Fan, mit dem er das Spiel ausgiebig diskutierte. So etwas geht eben nur auf einem Fußballplatz.

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