Verkehrswende konkret – ein Nachmittag auf dem Fahrrad

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[Reportage] Es gibt sie, diese Glückseligkeit spendenden Augenblickeder freien Fahrt: Ein breiter Radweg mit einer weißen, durchgezogenen Linie und – oh Wunder – kein „Ich-Muss-Nur-Mal-Eben“-Parker, der mit seinem SUV die Hoffnung auf eine bessere Welt im Keim erstickt. Es ist Samstag – früher Nachmittag. Es ist warm und trocken, ab und zu scheint die Sonne. Ich radle vom Bilker Bahnhof kommend auf der Friedrichstraße stadteinwärts. Links von mir die Autos, Stoßstange an Stoßstange – sie quälen sich von Ampel zu Ampel. Ich habe es nicht eilig. Ganz im Gegenteil. Ich rolle gemütlich dahin und genieße diesen erhebenden Moment.

Was für ein schöner Tag – aber leider nicht für jeden

Aus den Autos dringen wummernde Bässe, die quäkenden Stimmen von Radioreportern. Hier und da wird sogar gestritten. Die Mienen der Fahrzeuginsassen bezeugen, dass die Nerven teilweise zum Zerreißen gespannt sind. Immer wieder schrillt eine Hupe, weil ein Fahrer sich mit dem Handy beschäftigt und es versäumt hat, zwei Meter vorzuziehen.

Am liebsten würde ich laut auflachen und fröhlich winken. Aber ich fürchte, das würde man als Hohn und Spott missverstehen. Eigentlich sollte man Mitleid mit den Autofahrern haben. Das ist doch ihr freier Tag, ihr Wochenende und jetzt sitzen sie im Stau – die meisten von ihnen sogar mit Düsseldorfer Kennzeichen.

Düsseldorf ist eine kleine Stadt

Trotzdem – dass Düsseldorf klein ist, hätte vielen Pkw-Piloten eigentlich auffallen können. Selbst von Gerresheim aus bin ich mit dem Fahrrad in 20, 25 Minuten in der Innenstadt. Und das ganz ohne Parkplatzsorgen, ohne Stau oder sonstigen Behinderungen. Und gerade an einem Tag wie heute – es ist Japantag und die Stadt ist richtig voll – ist es ein wundervolles Gefühl mit dem Fahrrad direkt neben der Bühne am Rhein zu parken.

Und es wird immer schöner, weil sogar die Überzeugtesten unter den Autofahrern netter werden. Die meisten von ihnen achten beim Abbiegen mittlerweile auf den Radverkehr. Man sieht immer wieder Autofahrer, die auf der für Autos vorgesehenen Fahrspur halten und den Radweg freilassen. Sie sind rücksichtsvoller geworden. Ohne Hupen oder Drängelei gestatten sie Fahrradfahrern sich in den fließenden Verkehr einzuordnen, sollte der Radweg doch mal zugeparkt sein. Ja, manche von ihnen setzen sogar rückwärts, wenn sie an der Kreuzung stehend dem Radfahrer den Weg versperren.

Vielen Dank, liebe Autofahrer

Auch wenn die Hardliner unter den Fahrradfahrern weiter Forderung um Forderung erheben – die Akzeptanz des Radverkehrs hat zugenommen. Die Zahl junger Leute, die keinen Führerschein machen und ein eigenes Auto als zu lästig empfinden, steigt. Im fetten SUV mit heulendem Motor auf der Kö Runden zu drehen, ist nicht nur uncool – sondern inzwischen irgendwie asi. Selbst die Devise „Ich darf überall parken“ ist aus der Mode gekommen.

Wie lange schon – und diesem Punkt bin auch ich leider Fahrradfahrer aus Überzeugung – ist schon von der Umverteilung des Stadtraumes und City-Maut die Rede? Wann wird die Gebührenordnung für Falschparken endlich geändert, sodass wir nicht mehr von „Knöllchen“ sprechen, sondern von empfindlichen Geldstrafen? Warum tut sich die Politik nur so schwer, während der Autoverkehr in Düsseldorfs Straßen weiter zunimmt?

Fragen über Fragen. Die Akzeptanz der Umweltspuren auf der Merowinger- und der Prinz-Georg-Straße sowie der Radspuren auf der Friedrich- und Elisabethstraße durch den motorisierten Verkehr lässt hoffen. Klar, die unbedingt nötige Verkehrswende findet nicht von heut auf morgen statt.

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