Analyse · Vor dem Jahn aus der hintersten Ecke Deutschlands muss man keine Angst wegen der Tabellenposition haben, sondern wegen deren spezifischen Stärken. Okay, man soll Statistiken nicht überbewerten, aber die Regensburger haben bisher bei drei Werte geglänzt: Laufleistung, Zweikampfquote und Anzahl der Schüsse aus der zweiten Reihe. Die Passquote ist dagegen eher im suboptimalen Bereich. Dass sie so weit oben stehen, hat durchaus auch was mit den Gegnern zu tun – die ersten drei Siege kamen gegen Mannschaften zustande, die auf die eine oder andere Weise verunsichert waren. Nur der Heimsieg gegen Schalke, der glänzt wirklich. Der Jahn hat jedoch auch ein Problem, das nicht so offensichtlich ist: Das Team kann nicht anders als immer voll drauf zu gehen. Das bietet Möglichkeiten. [Lesezeit ca. 4 min]

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Natürlich hat Cheftrainer Christian Preußer in der Pressekonferenz wieder nicht verraten, mit welchem System und welchen Spielern er starten will. Wäre ja auch blöd, den Kontrahenten schlau zu machen. Zwei winzige Hinweise hinterließ er. Einerseits, dass es durchaus möglich sei, eine – wie er immer sagt – andere „Systematik“ anzuordnen, andererseits, dass er nicht wieder auf fünf Positionen wechseln wolle.

Der Spielplan

Gegen konditionsstarke und mit großem Körpereinsatz spielende Teams macht Hurra-Fußball keinen Sinn. Preußer erwähnte, dass die Mannschaft aus Regensburg bei ihrer speziellen Spielweise durchaus mal größere Abstände entstehen lassen. Diese gedankenschnell und kreativ zu nutzen wird der Schlüssel zum Sieg sein. Der umgekehrte Schuh: Macht die Fortuna selbst die Räume eng (wie Nürnberg beim Remis in Regensburg), könnten sich die Jahn-Buben auch gern schnell festlaufen. Ganz wichtig wird sein, so wenig Standards in der eigenen Spielhälfte zu erlauben, denn in dem Punkt sind sie auch stark. Es gibt also vor allem defensiv viel zu beachten.

Hat man sich ein paar Ausschnitte von Partien der Regensburger angeschaut, stellt man fest, dass sie nicht die Schnellsten sind. Was bedeutet, dass die Herren den Rot deren Abwehr vor allem mit Speed aushebeln kann. Das spricht auch für eine massive Nutzung der Flügel. Um die Arbeit der Außenstürmer angemessen auszuwerten, wären zwei Spitzen sicher besser als eine.

Das System und die Aufstellung

Es riecht nach 3-5-2 oder – noch flexibler – nach einem 3-2-3-2, das aber nur möglich wäre, wenn Dragos Nedelcu als dritter Innenverteidiger fit genug wäre. Dann hätte man eine Dreierkette mit einem guten Mix aus Robustheit (Klarer), Erfahrung und Übersicht (Hoffmann) und Stabilität (Nedelcu). Zwei der Außenläufer wären etwas defensiver angeordnet als in der „normalen“ Fünferkette, das wären dann am ehesten Leon Koutris links und Khaled Narey rechts. Spielentscheidend würde das Dreier-Mittelfeld sein, weil es für die gesamte Spielanlage zuständig wäre. Ohne Shinta Appelkamp wird das nicht gehen, und Cello Sobottka wäre auch unverzichtbar. Dazu bräuchte es einen auf links, der als echter Stürmer agiert, denn auf rechts könnte Narey immer vorstoßen. Und angesichts der kleinen Formdelle von Kris Peterson wird es an dieser Stelle ein bisschen knifflig. Vielleicht wäre die beste Lösung hier Niklas Shipnoski einzusetzen, der ja auf beiden Flügeln spielen kann.

So könnte ein 3-2-3-2 gegen Regensburg aussehen

Kann Nedelcu nicht starten, läuft es auf ein ziemlich klassisches 4-4-2 hinaus. Ja, genau: Zwei Spitzen sollten es sein. Und an diesem Punkt plädiert Ihr Ergebener dafür zwei verschiedene Spielertypen einzusetzen, die Flanken und Pässe auf unterschiedliche Weise verwerten können. Im Klartext: Rouwen Hennings und der vielversprechende Robert Bozenik. Wäre der gegen Aue in zwei Situationen nicht übersehen worden, der hätte vermutlich schon seine erste Hütte für F95 gemacht.

Kommt es tatsächlich zu einer Viererkette, sind Chris Klarer und Andre Hoffmann als Innenverteidiger gesetzt. Auf der linken Seite besteht immer die Wahl zwischen Leon Koutris und Flo Hartherz, wobei Letzterer defensiv einen Hauch stärker erscheint und sowie so – das passt gegen den Jahn – körperlich robuster ist. Noch schwieriger wird es auf der rechten Seite. Khaled Narey überzeugt – trotz einiger Fehler – vor allem durch seine Flexibilität, während Zimbo Zimmermann anscheinend noch immer nicht ganz aus seinem Loch gekommen ist. Wer von beiden starten soll? Vielleicht doch mal wieder der Zimbo. Im Offensivbereich spricht manches dafür, Felix Klaus (rechts) und tatsächlich Niklas Shipnoski (links) einzusetzen – es sei denn Kris Peterson habe wirklich im Training sehr überzeugt. Als Macher im Mittelfeld, also als Doppelsechs oder gar Sechser-Achter-Team bieten sich ganz stark Cello Sobottka und Shinta Appelkamp an.

Das wahrscheinlichere 4-4-2 gegen Regensburg aussehen

Das Gute an der 4-4-2-Kiste ist, dass Ausrichtung und Feintuning durch Wechsel prima gesteuert werden könnten. Beispiele: Kuba für Cello, Ao Tanaka für Shinta, Koutris für Hartherz, Narey für Zimmermann. Selbst eine Umstellung auf 4-3-2-1 ließe sich problemlos bewerkstelligen.

Der Tipp

Es wird ein Heimspiel, es werden wohl erstmals mehr als 16.000 Fans im Stadion sein. Das wird der Mannschaft in Rot, da ist sich Trainer Preußer sicher, Schwung geben, vielleicht sogar den entscheidenden Schwung. Und wenn unsere Jungs das mit starkem Selbstbewusstsein ergänzen, dann sollte ein Sieg gegen den Tabellenführer drin sein. Nein, sicher kein Kantersieg, aber bei kluger Spielweise und einer stabilen Defensive könnte Flo Kastenmeier erneut kein Ei aus dem Netz holen müssen. Läuft also alles auf ein 1:0 für Fortuna Düsseldorf hinaus.

2 Kommentare

  1. Stadionbier am

    … gehe normal mit den Ideen hier sehr konform, aber das ist (beides) vercoacht. Wo ist Ao? Was ist mit „mal was einspielen“, Laufwege und so? War nicht einhellig die Meinung, Appelkamp außen ist verschenkt?
    Und ja, „einspielen“ heißt dann, zwei Spitzen gehen (jetzt noch) nicht. Sondern nur positionsgetreue Wechsel. Und da haben wir eigentlich eine klare (fast) „22“-Elf, also auf genau jeder Positionen (Narey kann zwei) ein (mehr oder weniger) gutes Backup – wer spiel, muss dann natürlich nach Talent, Form, Training, whatever entschieden werden. Training/Form sehe ich nicht, ich fühle so:
    Da wir nicht mehr funkeln sondern preußlern … sind die „ersten“ AV Koutris und Narey – ja, das ist nicht die optimale Defensive, aber die optimale Offensive – Hurra.
    Also mein erster Wechsel zu Aue (weil die Systematik (4-3-3) steht: Koutris für Hartherz. Im Mittelfeld Appelkamp für Piotrowski. Im Sturm gerne mal Bozenik für Hennings.
    Shipnoski kommt gerne nach der Pause für den formschwächeren Außen. Wie in Aue auch noch ggf. Zimmermann für den zweiten Außen, und Narey dann vorne.
    Je nach Spielverlauf im Mittelfeld Piotrowski oder Nedelcu (den ich gerne mal als 6er sehen würde) für Sobottka, der in Aue noch kein 90 Minuten konnte. Sonst halt für den Tagesformschwächsten.
    Im Sturm dann Hennings für Bozenik , wenn der auch nichts triift. Oder K., aber der ist vermutlich gar nicht mehr im Kader?
    so long ….

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