Analyse · Ihr erstaunlich ergebener Berichterstatter schaut seit einiger Zeit sehr viel Fußball im Fernsehen. Denn dabei kann man eine Menge lernen. Vor allem, wenn man mit kühlem Kopf dabei ist und nicht mit heißem Herzen. Letzteres trifft auf den Ergebenen inzwischen ohnehin nur noch bei Partien unter Beteiligung der glorreichen Fortuna zu. Beim intensiven Fußballglotzen lernt man, wie unterlegene Mannschaften trotzdem nicht verlieren, was technisch unterbelichtete Teams gegen Superfußballer ausrichten können, wie man einen Torschützenkönig ausschaltet und gegen eine kampfstarke Truppe bestehen kann. Das führt zu der betonfesten These, dass Konkurrenzbeobachtung das A und O für einen Matchplan ist. [Lesezeit ca. 4 min]

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Der Matchplan

Nun hat man ja vor einem Rückrundenspiel die Gelegenheit, das Hinspiel noch einmal genau zu analysieren, auch wenn es aus heutiger Sicht fast wie aus einer anderen Saison wirkt. Über die SVDler ist dabei wenig zu sagen, außer dass sie ihre Dinge schnörkellos angehen und immer exakt im Rahmen ihrer Möglichkeiten spielen. Und die sind offensiv gar nicht so gering, defensiv aber deutlich begrenzt. Hohes Pressing mögen sie gar nicht, die Darmstädter, und in der Abwehr haben sie ein Geschwindigkeitsdefizit. Dafür sind sie vorne enorm effizient – dass sie die viertmeisten Tore der Liga geschossen haben, spricht für sich. Das alles lässt sich im Nachhinein aus der Partie am 5. Dezember 2020 in der eiskalten Arena ablesen, diesem merkwürdigen Spiel, in dem Uwe Rösler auf Drängen der Spieler in der 20. Minute von der von ihm geliebten Dreier- auf die heute noch lebende Viererkette umstellte, was den Beginn einer Siegesserie markierte.

Schnee von gestern, denn der Aufstieg ist abgehakt, und die Wahrscheinlichkeit, dass UR in der folgenden Spielzeit Cheftrainer bleibt, ist so gering, dass Buchmacher Wetten auf seinen Verbleib wegen der tödlichen Quote ablehnen. Schon am 9. Februar 2021, also vor fast zwei Monaten, hat Ihr Ergebener vorgeschlagen, das Saisonziel zu schwämmen, um sich ganz auf die Vorbereitung der kommenden Saison zu konzentrieren und empfohlen, nun so weitgehend wie möglich auf die Kicker zu setzen, die auch nächstes Jahr noch im Kader sitzen werden.

Das heutige Spiel auf der Böllenfallbaustelle von Darmstadt bietet die perfekte Ausgangssituation für dieses Rezept, weil der SVD als Gegner eine Menge Eigenschaften hat (siehe oben), die für die zweite Liga typisch sind … und außerdem nicht so gefährlich ist, dass man Jungspieler mit einer Klatsche verbrennen könnte. Also gibt ausnahmsweise die Wunschaufstellung den Spielplan vor:

So könnte ein 4-2-3-1 in Darmstadt aussehen

Das System und die Aufstellung

Fangen wir vorne an. Partien mit Dawid Kownacki als einziger Spitze sollten in der kommenden Spielzeit unbedingt im Repertoire sein, beileibe nicht als einzige Variante, denn mit einem rüstigen Rouwen Hennings oder einem Mister X als Ersatz für Kenan Karaman sind natürlich auch Doppelspitzen möglich. Selbst ein Duo aus Kownacki und Emma Iyoha als hängendem Zehner ist denkbar. Also MUSS der gute Dawid heute wirklich mal als echter Mittelstürmer ran. Weil der SVD – wie ungefähr die Hälfte aller Zweitligisten – defensiv allergisch auf Speed reagiert, arbeitet eine schnelle, jugendwilde und kreative Dreierreihe dem Mittelstürmer zu: Kris Peterson, Kelvin Ofori und Felix Klaus. Zwei (Achtung! Fachjargon!) Box-to-Box-Spieler unterschiedlicher Geschmacksrichtung binden die drei Rasanten an die defensive Viererkette: Cello Sobottka und Kuba Piotrowski. Sie müssen auch durch Ansprache dafür sorgen, dass die vier Stürmer ihre Defensivaufgaben ernstnehmen.

Was fällt auf? Spieler, die in der nächsten Saison nicht mehr dabei sein werden, werden nicht mehr aufgestellt. Das widerspricht nach Ansicht einiger Experten dem Zwang, immer das bestmögliche Team auf den Rasen zu schicken. Sie begründen diesen Zwang nachvollziehbar mit der Tatsache, dass es finanziell sehr wohl einen Unterschied machen wird, ob F95 am Ende auf dem vierten, fünften oder – das negativste Szenario – auf dem 14. Platz landet. Das betrifft heute vor allem die Frage, ob Kevin Danso mittun darf oder nicht. Dass der in der Spielzeit 2021/22 nicht mehr an Bord sein wird, ist klar. Dass er aber trotz gelegentlicher Schwächen immer noch ein Goldstück in der Viererkette darstellt, ist eh klar. Nun ist ja die Überlegung nicht einfach, ihn draußen zu lassen, sondern an seiner Stelle den stabilen, nominellen IV namens Luka Krajnc aufzustellen; bei dem besteht die Chance, dass er bleibt … und dann natürlich als Innenverteidiger, der er ist.

Man könnte ab heute auch die Einwechslungen nicht primär nach dem Spielstand vornehmen, sondern ebenfalls im Hinblick auf die Saisonvorbereitung. Wie wär’s zu vorgerückter Stunde mit Jamil Siebert oder Christoph Klarer für Andre Hoffmann? Weil Alfie Morales uns ja leider auch verlässt, bleibt ihm nur noch die Rolle als Joker – je nachdem für Cello oder Kuba. Weil nicht klar ist, wie fit Felix Klaus ist, könnte an seiner Stelle der hier schon oft gelobte Lex-Tyger Lobinger kommen, der ja mit im Bus nach Darmstadt saß. Natürlich kann im Verlauf der Partie auch der eine oder andere Oldie rein: Hennings sowieso, aber auch Käpt’n Bodzek – so wie diese beiden auch in der kommenden Saison noch im Kader sein und als Erfahrungsträger fungieren werden.

Wie auch immer: Die vorgeschlagene Startaufstellung wird die Darmstädter mit Geschwindigkeit unter Druck setzen und ihnen ein stabiles Bollwerk in der Wolle gefärbter Verteidiger entgegenstellen. Fast vergessen: mit Leon Koutris auf links und Zimbo Zimmermann auf rechts haben wir dann auch die perfekten Verbinder fürs Flügelspiel.

Der Tipp

Der SV Darmstadt 98 hat vor der Länderspielpause einmal Licht und einmal Schatten produziert; das 1:1 gegen Braunschweig war eher enttäuschend, beim 4:1 gegen Aue waren sie hoch überlegen. Aber sie spielen halt immer ihren oben beschriebenen Stiefel. Es wird nicht ohne Gegentor(e) abgehen, soviel ist wahrscheinlich, ja, es könnten wieder mehr als eins sein. Aber mit dem Hochgeschwindigkeitssturm sind auch fortuna-seitig ein paar Buden drin. Gefühlsmäßig läuft das auf ein 4:2 für die Diva aus der NRW-Landeshauptstadt hinaus. In der realen Fußballwelt riecht es eher nach einem dreckigen 1:0 … für eine der beiden beteiligten Mannschaften.

3 Kommentare

  1. Ich glaube einfach nicht, das UR den Mut hat. Weder Danso auf die Bank, noch Kownacki als einzige Spitze. Ofori schon mal gar nicht.

    Die Vorbereitung auf die neue Saison beginnt leider erst nach der aktuellen Saison, ohne UR.

  2. “Ein dickes Brett, das es für Fortuna zu bohren gilt, aber keine unmögliche Aufgabe”, das schreibt der Kicker heute hinsichtlich einer Chance auf den Relegationsplatz. Das ist auch der Grund warum Rösler noch nicht junge Spieler spielen lässt. Der Drops ist noch nicht gelutscht und abgerechnet wird immer zum Schluss.
    Schade das wir immer noch auch unseren Kreativspieler Appelkamp verzichten müssen.
    Umso mehr zeichnet es unseren Trainer aus, dass die Mannschaft zusammensteht. Hoffentlich haben wir Geduld und machen mit unseren Trainer weiter.

  3. Echt jetzt? Das geht doch nur wenn die anderen Schwächen und wir fast alles gewinnen. Nach dem Auftritt von Sonntag kann ich daran wirklich nicht glauben. Wenn mangelten St. Pauli gesehen hat, rennen die uns in Grund und Boden. Kiel hat noch zwei Nachholspiele. Wenn die Truppe 5. wird wäre das mit dieser Saisonleistung schon ein Geschenk.

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