Analyse · 2020 ein Seuchenjahr zu nennen, ist nicht einmal ein flacher Witz. Das am wenigsten witzige an diesem Jahr ist, dass die wundervolle Fortuna nicht nur von Corona gebeutelt wird, sondern von jeder denkbaren Form Unheil. Sichtbar wird das exakt heute, an einem Tag, an dem den Coaches noch genau 15 Feldspieler zur Verfügung stehen. Um angesichts des grassierenden Verletzungs- und Infektionspechs noch über eine verfehlte Transferpolitik zu reden, muss man schon ganz schön abgebrüht sein. Aber, auf diesem Hintergrund wiegen die durch selbstverschuldete Fehler ausgelösten Niederlagen umso schwerer. [Lesezeit ca. 3 min]

Viel besser geht es den Heidenheimern auch nicht, denn die Truppe des ewigen Schmidt und des fast ewigen Schnatterers hat in der Saison auch noch nichts gerissen und hatte auch schon heftig unter Corona zu leiden. Dabei hat man am Rande der Ostalb auf die Verjüngung des Kaders gesetzt und diesen auf 30 Mann aufgestockt. Aber, es stockt. Das größte spielerische Problem des 1. FC HDH aber: Sie lochen die Chancen nicht ein. Wobei sie – was in den Zeiten der Geisterspiele klug ist – daheim und auswärts ähnlich auftreten, nämlich ausgesprochen offensiv.

Der Spielplan und das System

Zunächst muss es also darum gehen, nicht so viele Torchancen zuzulassen, also deutlich weniger als gegen Regensburg. Das geht entweder durch einen Doppelvierer zwischen eigenem Sechzehner und Mittellinie oder durch heftiges Vorpressen vor der unumgänglichen Viererkette. So wie die Dinge liegen, könnten für die Fortunen Standardsituation wichtig fürs Toreschießen werden – man hat da unter der Woche wieder ein bisschen geübt. Ein sehr früher Treffer für die Rotweißen wäre sehr, sehr wünschenswert – nicht nur, weil er mentale Sicherheit brächte, sondern weil das System dann noch stärker auf Konter ausgerichtet werden könnte. Wichtig wäre auch, dass es nicht wieder zu einem Platzverweis und/oder Strafstoß kommt – ganz gleich, ob berechtigt oder unberechtigt.

Der wirklich wahre Schlüssel zu einem Sieg aber liegt woanders, nämlich in einer radikalen Verbesserung bei den drei Bs: Balleroberung, Ballbehandlung und Ballbehauptung. Wird wieder so schlampig gekickt wie in Hannover, hat F95 nicht den Hauch einer Schnitte. DAS muss jeder einzelne Spieler ganz allein für sich lösen, also die volle Konzentration aufbringen, den Kopf frisch halten, sich nicht hängen lassen.

Die Aufstellung

Wie schon angedeutet deutet vieles auf ein 4-2-3-1 hin. Also einer Viererkette, einem deutlich gewichteten Mittelfeld und einer einzigen Spitze. Welcher Bursche genau wo eingesetzt wird, hängt an vielen Stellen davon ab, ob Andre Hoffmann fit genug für einen Startplatz ist. Ist er das nicht, wird Bodze als Innerverteidiger antreten MÜSSEN, denn mit einem Youngster-Trio aus Kevin Danso, Christoph Klarer und Jamil Siebert würde das Risiko ins Unermessliche steigen. Also gehen wir mal davon aus, dass Hoffmann von Minute Null an mittun kann. Gehen wir außerdem davon aus, dass Jean Zimmer ausnahmsweise mal auf der linken Seite operiert – das könnte sonst nur Matthias Zimmermann, aber darf dank Dankerts Pfeifdurchfall ja nicht. Klarer hat bei aller Nervosität einen ganz ordentlichen Eindruck hinterlassen, sodass er eher in die startende Elf kommt als Siebert.

Als defensives Mittelfeldduo hat sich die Kombi aus Käpt’n Bodzek und Cello Sobottka erwiesen – an denen hat es bisher nie gelegen, wenn die Fortunen nicht erfolgreich waren. Davor kommt eine bewegliche Dreiertruppe zum Zug, die einerseits fürs Kreieren von Torgelegenheiten zuständig ist, andererseits aber auch die Defensive verstärkt. Diesen Mannschaftsteil aufzustellen erweist sich trotz der Personalknappheit als schwierigste Aufgabe. Denkbar wären Tony Pledl, Kelvin Ofori, Kristoffer Peterson, Brandon Borrello, Kuba Piotrowski und schließlich auch Kenan Karaman. Denn die einsame Spitze macht der unvermeidliche Rouwen Hennings.

Es spricht viel dafür mit Peterson und Pledl auf außen und Karaman in der Mitte zu starten. Wichtigste Alternative – sowohl für Pledl als auch für Karaman – ist dann Ofori. Piotrowski könnte wertvoll werden, wenn F95 eine Führung zu verteidigen hat. An ein mannschaftsdienliches Spiel von Borrello glaubt ja dann doch kaum noch einer.

So könnte das 4-3-2-1 gegen Heidenheim aussehen

Der Tipp

“Optimismus ist der Realismus der Fröhlichen”, hat ein kluges Köpfchen mal gesagt. So betrachtet ist das Gros der Fortuna-Anhänger nicht besonders fröhlich, den Miesmacherei ist Teil der DNA. Das wird von den Witzigeren gern ironisch gebrochen, indem sie vor jedem Spiel sagen “Das wird nix.” Wer keine Hoffnung hat, kann nicht enttäuscht werden. Aber wer nicht hofft, wird hat meistens schlechte Laune. Jenseits aller Philosophiererei hat Ihr Ergebener tatsächlich die Hoffnung, dass sich das Team unter dem Druck der Situation zusammenreißen wird, dass den Jungs ein frühes Tor gelingen und die Sache mit einem 2:1 für Rotweiß ausgehen wird.

2 Kommentare

  1. B.Lockwart am

    Ich wünsche allen Beteiligten ein klares, deutliches Ergebnis.
    Wenn es wieder eine, zu befürchtende, Niederlage gibt, hoffe ich das diesmal kein Fremdverschulden als Ausrede herhalten kann (dafür wird die gegenwärtige Kadersituation schon herhalten müssen).
    Ich gehe davon aus die Fortuna am Montag auf einem der Ränge zu sehen, auf die ich mir eigentlich den HSV wünsche.

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