Analyse · Das Hinspiel Ende Oktober war ja schon schwierig, und die Partie heute in Hoidna, wie der Schwabe das putzige Städtchen am Arsch von Baden-Württemberg nennt, wird mindestens genauso schwierig. Seinerzeit bissen sich die 95er zu einem gerechten 1:0 durch, und Kuba Piotrowski war die Entdeckung des Tages. Da stand das Team nach der idiotischen 3:0-Klatsche von Hannover mit gerade mal 7 Punkten auf dem 12. Tabellenplatz. Die Erfolgsserie schlummerte noch hinter dem Horizont, Trainer Röslers Pattex-Stuhl hatte kaum noch Klebekraft. Und heute? Mit einem 5:0-Sieg (ha, ha, ha…) könnte die glorreiche Fortuna am KSC vorbeziehen und den 5. Platz hinter dem HSV einnehmen. [Lesezeit ca. 4 min]

Als einer, der den fröhlichen Realismus des Rheinländers eher pflegt als den grantlerischen Pessimums des bergischen Menschen, hält Ihr treu Ergebener ein Unentschieden für wahrscheinlich, und weil auf rotweißer Seite die Null stehen muss und wird, steht uns ein 0:0 bevor. So weit schon mal der Tipp. Geht nur noch darum, wie die Coaches und das Team da hinkriegen können.

Unterstützt TD!
Dir gefällt, was Dein ergebener Berichterstatter für The Düsseldorfer über die Fortuna schreibt? Und vielleicht auch die Artikel zu anderen Themen? Du möchtest unsere Arbeit unterstützen? Nichts leichter als das! Unterstütze uns durch ein Abschließen eines Abos oder durch den Kauf einer Lesebeteiligung – und zeige damit, dass The Düsseldorfer dir etwas wert ist.

Der Mätschplan

Aus unerfindlichen Gründen machen sich zahlreiche Anhänger*innen der launischen Glücksgöttin über das Denglisch des Uwe Rösler lustig und vergessen, dass der den größten Teil seiner Profikarriere im englischen Sprachraum verbracht hat. Außerdem ist Englisch mittlerweile zur durchgehend verwendeten Fachsprache im Fußballsport geworden. Das mag man doof finden, was aber nichts ändert. Übrigens: Das zwanghafte Eindeutschen der ursprünglich auch hierzulande mit englischen Wörtern bezeichneten Fußball-Dinge war ein Projekt der deutschen Nationalisten in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts. Bis etwa 1924 unterhielten sich die Freunde des getretenen Rundballs eher über einen Freekick als über einen Freistoß – in der Schweiz ist das übrigens noch heute so. Besonders lustig machen sich manche Leute über Röslers Matchpläne.

Nun ist es aber schon seit Jahrzehnten gängig und völlig normal, dass sich Trainer vorher überlegen, welche Ziele gegen den kommenden Gegner erreichbar sind und vor allem auf welche Weise. Man nennt es Strategie. Die basiert auf den Informationen, die zur Verfügung stehen, und verschiedenen Annahmen. Einerseits also Mutmaßungen über den Zustand des Gegners und dessen Matchplan, andererseits die Bestandaufnahme der eigenen Leistungsfähigkeit.

Im konkreten Fall ist bekannt, dass der 1. FC HDH mit 33 Punkten nur 3 Punkte hinter der Fortuna auf Platz 8 wohnt, es sich um die zweitheimstärkste Mannschaft der Liga handelt, dass Trainer Frank Schmidt gern ein 4-2-3-1 spielen lässt und es im Kader viele kopfballstarke Recken gibt. Die Torgefährlichkeit der Herren Kühlwetter und Kleindienst kennt man auch. Der 2:0-Sieg der Ostschwaben gegen Aue kann als Blaupause genommen werden: Lässt man sie laufen und ermöglicht man ihnen Standards, machen sie die Tore. Steht man ihnen auf den Füßen, kriegen sie wenig auf die Reihe. Ergo: Die F95-Trainer sind gut beraten, ihre Buben defensiv und aggressiv operieren zu lassen, die beiden Viererketten sollten relativ eng beieinander stehen – der Rest ist Umschaltspiel.

Die Startaufstellung

So richtig viele offene Fragen gibt es in punkto Aufstellung angesichts von Mätschplan und verfügbarem Personal nicht. Wegen der empfohlenen defensiven Ausrichtung gehört Luka Krajnc ans linke Ende der Viererkette. Leon Koutris, der jetzt endlich oft spielen muss, wird davor postiert, weil er sowohl im Defensivverbund wertvoll ist, als auch Kontersituationen vorantreiben kann.

Weil ein Regisseur (der er bisher ohnehin nur sehr ansatzweise war) unter den gegebenen Umständen eher nicht gebraucht wird, darf sich Eddie Prib ausruhen, und Alfie Morales und Cello Sobottka beherrschen das Mittelfeld. Dass davor wieder Rouwen Hennings und Kenan Karaman spielen, ist klar, weil Dawid Kownacki ja aussetzen muss.

Bleibt die Frage nach dem Mann auf Rechtsaußen. Felix Klaus wäre erste Wahl, ist aber angeschlagen. Toni Pledl kann das – im Rahmen seiner Möglichkeiten – auch, dito Kelvin Ofori, den man in einem solchen Defensivgewitter aber besser nicht an die Front schickt. Da wäre es doch ein schickes, den Gegner überraschendes Experiment, Kristoffer Peterson auf die rechte Seite vor Zimbo Zimmermann zu postieren. Daraus ergäbe sich folgendes Bild:

So könnten die Rotweißen in HDH starten

Einen haben wir noch. Angesichts der Vorgeschichte und des skizzierten Spielplans könnte aber auch der oben erwähnte Kuba zum Starteinsatz kommen, und zwar anstelle von Morales. Aus der flachen Vier würde eine Raute mit Kuba vorne und Cello hinten. Natürlich ist ein entsprechender Wechsel in dieser Richtung je nach Spielstand denkbar. Genau wie die Variante, Klaus so ab der 60. Minute für Peterson zu bringen. Käpt’n Bodze bietet sich ebenfalls als Austauschmann der zur Raute geformten Mittelfeldkette an.

Antworten