Es gibt in diesen Zeiten der Seuche sicher Wichtigeres als die Frage nach dem Fortgang der Fußballbundesliga. Wer aber die Fortuna im Herzen trägt, der denkt angesichts der möglichen Szenarien schon daran, was diese für F95 bedeuten würden. Immerhin geht es um den Klassenerhalt, den Abstieg oder die Relegation. Drei mögliche Abläufe sind in der Diskussion:

Alle Spieltage finden irgendwann statt – mit oder ohne Zuschauer

Inzwischen ist klar, dass selbst Geisterspiele bis zu einem gewissen Zeitpunkt im Verlauf der Corona-Epidemie für alle Beteiligten gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Das wissen wir spätestens, seit bekannt wurde, dass sich mehrere Erst- und Zweitligaprofis das Virus schon eingefangen haben. Vorstellbar ist eine Fortsetzung der Saison unter diesen Umständen ohnehin nur, wenn alle Kicker und alle Mitglieder der Funktionsteams sowie Schiedsrichter und Assistenten und natürlich die diversen Spieltagshelfer negativ getestet wurden.

Vorherzusagen, wann dieser Zeitpunkt erreicht ist, kann zurzeit als praktisch unmöglich betrachtet werden. Sicher ist, dass vor der 20. Kalenderwoche gar nichts gehen wird. Am ehesten könnte es Mitte Juni weitergehen – zum Beispiel ab dem 12. Juni. Ausgespielt ist bisher – Nachholspiele ausgenommen – alles bis einschließlich des 25. Spieltags. Fehlen also noch neun Spieltage. Sollen die in Form englischer Wochen abgehalten werde, könnte die Saison (im gewählten Beispiel) mit dem 11. Juli beendet werden. Aber: Dazwischen fehlen ja noch die Partien in der Champions und in der Europa Ligue. Dass die Europameisterschaft in jedem Fall verschoben werden muss, dürfte inzwischen klar sein. Ob aber die Restspieltage so entzerrt werden können, dass die internationalen Club-Wettbewerbe noch nach Plan abgewickelt werden können, ist unklar.

Problematisch wäre dieser Ablauf übrigens auch deswegen, weil eine große Anzahl Spielerverträge nur bis einschließlich 30. Juni laufen, das hier also mit kurzfristigen Verlängerungen und natürlich einer weiträumigen Verlegung des Transferfensters gearbeitet werden muss. Schließlich stellt sich dann auch noch die Frage nach dem Beginn der Saison 2020/21 – soll diese dann erst im September beginnen? Fragen über Fragen…

Für die glorreiche Fortuna würde diese Szenario bedeuten: Abstiegskampf bis weit in den Sommer hinein sowie möglicherweise anschließend noch Relegationsspiele.

Die Saison wird abgebrochen – der Tabellenstand nach dem 25. Spieltag gilt

Wie wir von den Pfeffersäcken der Liga, also dem Uhrenschmuggler und dem Vorturner der AG, die 2004/05 mit Steuermitteln vor der Pleite gerettet wurde, ist die Bundesliga ja ein Wirtschaftsunternehmen. Und, so Watzke, die Fabriken würden ja auch nicht einfach ihre Produktion einstellen wegen der Seuche. Ignoranter geht’s kaum noch, und vielleicht wäre es an der Zeit das Hopp-Bild auf den Transparenten durch ein Rummenigge-Watzke-Doppelporträt zu ersetzen. Für die Raffzähne des deutschen Fußballs geht es vor allem um Kohle, und als es schien, dass eine Absage des 26. Spieltags dafür sorgen würde, dass eine größere Tranche aus den TV-Rechten nicht gezahlt würde, da war denen die Gesundheit der Menschen scheißegal. Also werden sie sich weiter gegen den Abbruch der Saison wehren und dafür plädieren, schnellstmöglich (nach dem Ende der Osterferien) mit Geisterspielen und englischen Wochen das Ding über die Runden zu bringen.

Was ein Abbruch für F95 bedeuten könnte, ist nicht ganz klar, weil es gerade in Bezug auf Abstieg und Aufstieg verschiedene Denkmodelle gibt. Das brutalste geht davon aus, dass die Vereine auf den Plätzen 17 und 18 in die zweite Liga müssen und von dort die ersten beiden aufsteigen. Meistens wird davon ausgegangen, dass keine Relegationsspiele stattfinden werden – damit wäre die Fortuna gerettet. Könnte aber auch sein, dass auch die Relegationsregel einfach auf den aktuellen Tabellenstand angewendet wird. Fragt sich dann aber, wann die Entscheidungsspiele stattfinden sollen. Laut Szenario 1 und unserem Beispiel dann wohl als Geisterspiele irgendwann zwischen Ende Juni und Mitte Juli.

Interessant der Vorschlag, auf Absteiger zu verzichten sowie die beiden ersten der zweiten Liga aufsteigen zu lassen und dann die erste Bundesliga auf 20 Vereine aufzustocken. Das würde auch in Richtung Aufstieg aus der dritten Liga klappen, nicht aber für die Regelungen zwischen den Regionalligen und der dritten Liga, weil die eh schon mit 20 Clubs spielt.

Die Saison wird annulliert – 2020/21 beginnt so wie die Vorsaison

Die radikalste, aber auch unwahrscheinlichste Lösung wäre die komplette Annullierung der Saison. Das heißt: Es gäbe weder Meister, noch Ab- und Aufsteiger. Im Herbst würde die Saison 2020/21 mit derselben Besetzung starten wie die Saison 2019/20. Wäre für die Fortuna natürlich eine dufte Variante, denn dann stünde alles wieder auf Anfang und es hieße “Neues Spiel neues Glück.”

Fazit

Der Beginn der EM am 12. Juni ist inzwischen sowas von unrealistisch, dass man darüber nicht mehr zu reden braucht. Fragt sich also, wohin diese Meisterschaft verschoben werden soll. In Bezug auf die Länderliegen wäre die Verlegung in den Sommer 2021 wohl am komfortabelsten. Nun haben aber einige Schlauköpfe vorgeschlagen, die EM im Winter stattfinden zu lassen – quasi in die teilweise vorhandenen Winterpausen der Ligen. Das würde aber zum Beispiel für die englische Premier League bedeuten, dass sie pausieren müsste, was beinahe zwangsläufig eine Reduktion der Anzahl Clubs in der Liga nach sich ziehen würde.

Von besonderer Radikalität ist die Idee, dass ALLE europäischen Ligen sich dem Muster der nord- und nordosteuropäischen Ligen anschließen und die Saison parallel zum Kalenderjahr betreiben. Würde bedeuten, dass die EM irgendwann im Herbst/Winter stattfinden könnte, und dass die Bundesligasaison 2021 im Januar des Jahres beginnt.

Was die aktuelle Saison der DFL-Bundesliga angeht, spricht vieles dafür, dass es am 25. April mit Geisterspielen und englischen Wochen weitergeht und die Chose so mit maximal einer oder zwei Wochen Verspätung beendet werden kann – mit Meister, Ab- und Aufsteigern und Relegation.

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2 Kommentare

  1. Der Witzke ist ein Arsch, sorry, aber das muss man so deutlich sagen. Soviel zur Solidarität. Will er eine Liga mit 7 bis 9 Vereinen. Denn mit seinen Vorstellungen gehen gerade die “kleinen” Vereine kaputt. Wir dann wohl auch.

    Die Idee mit dem Kalenderjahr hatte ich auch schon mal und ich meine, dass dies vor Jahren schon einmal im Gespräch war. Dann könnte man im Herbst die Saison zu Ende spielen, die EM anschließen und ab Februar die neue Saison starten. Aber dann müsste man auch eine Regelung für die bestehenden Verträge und Ausleihen finden. Sonst wäre das ja wieder eine Wettbewerbsverzerrung. Einfach wird das alles nicht und vermutlich wird es ohne Ungerechtigkeiten nicht laufen. Triebfeder dürfte bei den im Artikel genannten Uhrensöhnen und Co. ausschließlich der finanzielle Aspekt sein. Warum sollte jetzt auch eine sportliche Lösung bei den Geldsäcken bevorzugt werden?

    Ich meine, man müsste die Saison abbrechen und nächstes Jahr neu starten. Das ist Mist für die Ligen ab 2. Bundesliga, aber auch für manche Erstligisten. Man muss sich nur mal den Kader der Fortuna und die Verträge und Ausleihen genau anschauen.

  2. Zu glauben das ein großer Verein finanziell solidarisch ist gegenüber einem Kleinen ist genauso unrealistisch wie zu glauben das ein Arbeitnehmer Geld weiterzahlt an einem Arbeitnehmer, der nicht zur Arbeit kommen kann, weil er auf seine Kinder aufpassen muss.

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