All die alten Pommesbuden-Geschichten…

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Ich muss unser Dauerthema Pommesbude einfach noch einmal aufgreifen. Dieser Tage verschlug es mich nach Langem wieder einmal in das Viertel meiner Jugend. Also nach Pempelfort, genauer: das Gebiet zwischen Güterbahnhof, Rochusmarkt, St.Vinzenz-Krankenhaus und Prinz-Georg-Straße. Hier verbrachte ich die Jahre zwischen dem elften und seinem einundzwanzigsten Lebensjahr. Und bei diesem Besuch fiel mir ein historischer Ort an der Liebigstraße auf. Nein, nicht die Judo-Schule-Prass (von der demnächst hier einmal die Rede sein wird), sondern die wahrhaft historische Pommesbude direkt daneben. Denn die spielt in meiner Biografie eine wichtige Rolle.

Pommes und Cola beim Mao

Wie schon einmal erzählt, war es für Jugendliche in den Sechzigerjahren nicht einfach, sich ungestört von irgendwelchen doofen Erwachsenen zu treffen, um ihr eigenes Ding zu machen. Die Tanzschule Kaechele an der Sternstraße war so ein Ort. Aber dieser Imbiss an der Ecke Moltke-/Liebigstraße war in den Jahren 1967 bis 1969 unser Refugium. Treffen wir uns „beim Mao“ hieß es, wenn wir uns verabredeten. Wie die Pommesbude richtig hieß, weiß keiner mehr. Der Wirt war Chinese und hieß An. Weil Chinesen damals noch sehr selten waren und wir alle schon von Mao Zedong gehört hatten, waren eben alle Chinesen Mao – auch der Inhaber dieses Lokals.

Er war ein freundlicher, stiller Mensch, der uns gewähren ließ. So saßen wir gerade an regnerischen Tagen oft mit acht, neun, zehn Mädchen und Jungens an einem Tisch in der Ecke und teilten uns zweimal Pommes und drei Cola. Es gab auch eine Musikbox, aber da war nur Schrott drin. Heute würde man sagen, wir „hingen ab“. Hockten also da, quatschten und regelten die Sozialhydraulik. Hier wurde geklärt, wer mit wem „ging“, wer welchen Ärger mit den Eltern und/oder den Lehrern hatten und wen von „den anderen“ wir besonders blöd fanden. Die Anderen, das waren all die Jugendlichen aus dem Viertel, die nicht „beim Mao“ reinkamen, weil wir das zu verhindern wussten. Nach ein paar Monaten spielte An auch mit und vertrieb Leute, die einfach bei ihm abhängen wollten – nur uns nicht. Auch wenn er sich nie einmischte: Er kannte uns alle genau und wussten, was uns bewegte.

Schlossstraße: Hier war mal eine Pommesbude

Schlossstraße: Hier war mal eine Pommesbude

Das exakte Gegenteil stellte eine andere Pommesbude dar, die es in unserer Gegend gab. Vermutlich war es der allererste Imbiss weit und breit, der frittierte Kartoffelstäbchen anbot. Nach meiner Erinnerung wurde der eröffnet, kurz nachdem wir in die Lennéstraße gezogen waren – und das war 1961. Zuerst nutzte der ewig übelgelaunte Betreiber ein winziges Lädchen gleich neben dem Eiscafé Tiziano am Carl-Mosterts-Platz, das wir alle nur das „Titz“ nannten und raunten, dort träfen sich nur Verbrecher. Beim Pommes-Mann gab es ausschließlich Fritten in der Tüte; für 60 Pfennige mit Majo, für 50 Pfennige ohne.

Etwa 1968 zog der Inhaber vier, fünf Häuser weiter hoch in der Schlossstraße. Nun hatte er einen Gastraum und eine Art Speisekarte, auf der u.a. auch die Currywurst stand. Vermutlich konnte man die geschnipselte Bratwurst mit scharfer Soße damals schon irgendwo in der Altstadt kriegen, aber im Viertel war das eine Sensation. „Mao“ zog übrigens erst später nach und bot auch Wurst an. Der Wirt war immer noch muffelig, aber die Frau an seiner Seite konnte halbwegs freundlich sein. Während ich mir früher manchmal auf dem Nachhauseweg von der Schule eine Tüte Pommes geleistet hatte, ging das nun nicht mehr, denn die Preise hatten stark angezogen. Dafür schickte uns unsere Mutter gelegentlich zum Imbiss, um Currywurst-Pommes für alle zum Abendbrot zu holen.

Dieser Imbiss hat sich mit wechselnden Besitzern sehr, sehr lange gehalten. Heute steht der Laden leer, und es sieht auch nicht so aus, als sollte dort nochmal eine Pommesbude entstehen. Übrigens: Das winzige Lokal neben dem Titz bezog so um 1969 herum einer der ersten griechischen Gastronomen in der Stadt. Takis hieß der. Dort machten wir uns mit den besonderen Aromen der hellenischen Küche vertraut, die wir auf ewig lieben werden.

Und deine Pommesbuden-Geschichte?

Vermutlich sind wir, die wir zwischen 1950 und 1980 geboren sind, die einzige Generation, deren Leben – zumindest bei den Städtern – von der Pommesbude geprägt ist. Schon bei unserem Artikel „Ach, du liebe Pommesbude!“ erreichten uns einige schöne Geschichten über dieses Thema. Viele Stories über Musiker und Künstler berichten auch über Pommesbuden, in denen kreativ gewerkelt wurde, und gerade in den Vierteln außerhalb der Altstadt waren die Imbissläden für die Grundversorgung der Bevölkerung mit Fritten unverzichtbar. Deshalb unser Aufruf: Schick uns deine Pommesbuden-Geschichte! Als Text an unsere Kontakt-Mail oder einfach hier unter dem Artikel als Kommentar.

Unter allen Einsenderinnen und Einsendern verlosen wir ein Gyros-Pommes-Salat-Dinner für zwei in der „Pfeffermühle“ an der Oberbilker Allee. Damit alle genug Zeit zum Nachdenken und Formulieren haben, ist der Einsendeschluss erst Montag, der 15.08. um 12:00. Die Auslosung nimmt unser Excel-Orakel vor. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen!

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