Bericht · Fängt ja schon gut an in Düsseldorf: Der SCHLOSSturm steht auf dem BURGplatz. Tatsächlich wäre das ehemalige Düsseldorfer Schloss das größte und wichtigste aller Schlösser in unserer schönen Stadt; wäre es in der Nacht vom 19. auf den 20. März 1872 nicht bis auf den Südflügel abgebrannt. Die Reste waren beschädigt und wurden dann 1896 abgerissen. Es blieb nur der Schlossturm. Nur deshalb ist das Benrather Schloss mittlerweile das überregional bekannteste Schloss der Stadt. [Lesezeit ca. 6 min]

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Insgesamt gibt es auf dem Stadtgebiet acht waschechte Schlösser, die wir uns im Einzelnen anschauen wollen. Damit zählt Düsseldorf zu den deutschen Großstädten mit den meisten Schlössern. Nicht alle haben einen eigenen Schlosspark und nicht alle sind öffentlich zugänglich. Aber zumindest einen Blick kann man auf alle diese Schlösser werfen:

  1. Schloss Garath
  2. Schloss Benrath
  3. Schloss Eller
  4. Schloss Elbroich
  5. Schloss Mickeln
  6. Schloss Jägerhof
  7. Schloss Kalkum
  8. Schloss Heltorf

 

Schloss, Burg, Pfalz – was ist was?
Burgen und (Königs- oder Kaiser-)Pfalzen gehören ins Früh- und Hochmittelalter. Das entscheidende Merkmal für eine Burg ist, dass sie gegen Angriffe befestigt ist. Viele Schlösser der frühen Neuzeit (ab etwa dem 16. Jahrhundert) sind aus Burgen entstanden, deren Befestigung man quasi abgerüstet hat. Im gleichen Zeitalter wie die Burgen entstanden auch die Pfalzen. Dabei handelt es sich um gar nicht oder nur gering befestigte Wohnsitze für Könige und Kaiser für die Zeiten, in denen sie unterwegs in ihrem Reich für einen gewissen Zeitraum wohnen konnten. Aus Burgen mit Wassergräben wurden in unserer Region häufig Wasserschlösser. Von einem Schloss spricht man (inzwischen) immer dann, wenn es als Wohnsitz für adlige Herrschaften errichtet bzw. zu diesem Zweck umgebaut wurde. Als der Adel in die Städte kam, baute er dann in der Regel Palais.

Zu schön umso wenig bekannt zu sein - das Schloss Garath (Foto: Medienwerkstatt Mühlacker)

Zu schön umso wenig bekannt zu sein – das Schloss Garath (Foto: Medienwerkstatt Mühlacker)

1. Schloss Garath – das einzig Beständige ist der Wandel

Altgediente Düsseldorfer verbinden den Namen „Garath“ eher mit dem Neubaugebiet der Sechzigerjahre als mit diesem Schloss, was auch daran liegt, dass dieses Herrenhaus bis zur Eröffnung des Wohngebiets Hellerhof gar nicht als auf dem Stadtgebiet befindlich angesehen wurde. Dabei hat es eine wirklich bewegte, bis weit ins 20. Jahrhundert reichende Vergangenheit. Der Beginn liegt im dunkel, aber man vermutet, dass ein Ritter von Garderode hier schon im 9. Jahrhundert einen ersten Herrensitz errichtet hat. Mitten in einem sumpfigen Waldgebiet, das er von dieser Burg aus roden ließ. Das Wort „Rath“ ist bekanntlich die alte Form von „Rodung“, der Wortstamm findet sich in den Namen vieler Rittergeschlechter wieder.

Das Attribut „Schloss“ ist sogar eine Mogelpackung, den so nennt man diesen Herrensitz erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts, zu vor kannten es die Menschen nur als Haus Garath. Zumal der ursprüngliche Gebäudekomplex wohl eher unscheinbar und einigermaßen angeranzt war. Also riss man die meisten Teile zu Beginn des 20. Jahrhunderts ab. Unklare Besitz- und Erbverhältnisse führten dazu, dass der Schwiegersohn des Düsseldorfer Industriellen Gustav Poensgen, ein gewisser Alhard von Burgsdorff, Grundstück und Schlossreste erwarb. Der ließ das heutige Herrenhaus 1912/13 im historisierende Stil erbauen. Weltweit berühmt wurde die Anlage wenig später als „Garather Hühnerfarm“, denn der ebenfalls Alhard heißende Sohn richtete hier einen weithin gelobten Musterbetrieb ein.

Google-Map: Das Schloss Garath, sein Park und die Umgebung

Google-Map: Das Schloss Garath, sein Park und die Umgebung

Nach dem zweiten Weltkrieg requirierten die Briten das Schloss, und erst Ende der Fünfzigerjahre verkauften sie es an die Bundesregierung, die es wiederum der Deutschen Bundespost zur Verfügung stellte. Das führte zu massiven Umbauten im Inneren, weil das Schloss Garath als Repräsentationsgebäude genutzt werden sollte. Weil die Post das Haus nicht mehr wollte, verkaufte sie es 1978 an die Stadt Düsseldorf, die nie so recht wusste, was sie damit anfangen sollte und das Herrenhaus unregelmäßig für kulturelle Veranstaltungen nutzte, um es schließlich häppchenweise an verschiedene Unternehmen zu vermieten.

Absolutes Highlight des Schlosses ist der Park, der in seinen Grundzügen vermutlich schon im 18. Jahrhundert angelegt und von einem der wechselnden Besitzer um 1840 herum für die regelmäßige Pflege kartographiert wurde. Es handelt sich eher um einen Landschaftspark nach englischem Muster, der aber immer auch durch eine Nutzung als Garten geprägt ist. Ein Spaziergang durch den Park ist absolut empfehlenswert (die Lage auf Google Maps).

Der Benrather Schlossweiher in der Abenddämmerung (Foto: H. Kendelbacher)

Der Benrather Schlossweiher in der Abenddämmerung (Foto: H. Kendelbacher)

2. Schloss Benrath – die makellose Barockschönheit

So wie sich dieses Schloss beim Blick von Benrath aus über den Weiher präsentiert, scheint es schon immer dort gestanden haben. In Wahrheit ist die Geschichte dieses Herrensitzes ebenfalls recht bewegt. Urkundlich nicht durchgängig nachweisbar ist, dass an dieser Stelle die Herren von Benroide (wieder dieser Hinweis auf eine Rodung…) gehaust haben, vermutlich in einer ersten Burg. Aber schon im 12. Jahrhundert reißt der Faden. Die Grafen von Berg übernahmen die Sache – möglicherweise weil das Geschlecht derer von Benroide ausgestorben war. Ob sie die alten Gemäuer zu einer Wasserburg umbauten oder gleich eine neue Anlage erstellten, ist nicht bekannt. Jedenfalls war diese Burg Mitte des 17. Jahrhunderts so baufällig (und wohl auch hässlich), dass die Gattin des Herzogs Phillip Wilhelms von Berg den Abriss sowie den Neubau eines Renaissanceschlosses befahl. 1666 war es fertig, und die Familie nutzte es als Sommer- und Jagdsitz.

Dieses Wasserschloss hielt aber auch nicht lange – aus welchen Gründen auch immer. Es lag übrigens südwestlich des Barockschlosses, etwa da, wo sich heute die schnurgeraden Wege im Schlosspark kreuzen. Die Idee von Karl-Theodor, dem kurpfälzischen Herzog von Jülich und Berg war so um 1760 herum, bei Benrath ein todschickes, nicht allzu wuchtiges Jagdschlösschen bauen zu lassen – und zwar im angesagten Barockstil. Wobei: Als das Benrather Schloss nach 14 Jahren Bauzeit fertig war, war die Barockzeit eigentlich schon wieder zu Ende. Der Architekt Nicolas de Pigage hatte sich auf ausgedehnte Reise eine Reihe von Vorbildern angesehen und versucht in Benrath die Essenz zu ziehen, quasi das reinste aller Barockschlösser zu bauen.

Google-Map: Schloss Benrath und Umgebung

Google-Map: Schloss Benrath und Umgebung

Das Besondere am Schloss Benrath ist einerseits der vorgelagerte Schlossweiher und andererseits der zweigeteilte Park. Der besteht aus einer Anlage rund um den 470 Meter langen Spiegelweiher zum Lustwandeln und dem großen Jagdpark, der sich bis zum Rheinufer erstreckt. Zwischen ihm und dem Örtchen Urdenbach lag dann das wildere Jagdgebiet. Übrigens: Man darf es sich nicht so vorstellen, dass die Adligen in einem solchen Park wilde, dort ansässige Tiere jagten. Jagden wurden als gesellschaftliche Ereignisse veranstaltet, das Wild speziell zu diesem Zwecke herangekarrt und im Park ausgesetzt.

Der Wiener Kongress machte das Schloss zum preußischen Besitz, einige preußische Prinzen wohnten bis 1875 darin. Zuvor hatte die zuständige Verwaltung für eine sorgfältige Restaurierung gesorgt, bei der man sich am Schloss Sanssouci orientiert hatte. 1912 kaufte die Stadt Benrath das Anwesen. Schon ab 1907 hatte man begonnen im Ort eine höhere Knabenschule einzurichten, die Keimzelle für das Benrather Schlossgymnasium. Man bezog also den Ostflügel, und das Gymnasium blühte und gedieh. Bis 1980 blieb das so, dann bezog das Gymnasium einen Neubau. Weil britische Bomber nach Angriffen auf Düsseldorf die restlichen Bomben nach dem Abdrehen Richtung Westen einfach ziellos abwarfen, wurde auch das Schloss getroffen, aber zum Glück nicht schwer beschädigt. Trotzdem zogen sich die Wiederherstellungsarbeiten von 1949 bis Anfang der Sechzigerjahre hin. Als die englische Königin 1965 in Düsseldorf zu Besuch war, konnte sie ein strahlend schönes Schloss Benrath besichtigen.

Seit 2000 hat die Stiftung Schloss und Park Benrath im Auftrag der Stadt die Verwaltung übernommen. Mehrere Museen sind im Schloss untergebracht, und es finden diverse Veranstaltungen, vor allem Konzerte, statt. Besuche im Benrather Schloss lohnen sich immer (die Lage auf Google Maps) !

[In der zweiten Folge unserer kleinen Serie befassen wir ins ausführlich mit dem Schloss Eller und außerdem mit Schloss Mickeln und Schloss Elbroich.]]

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