Es steht nicht zu erwarten, dass die Existenz von “What’s Pizza” zu einer größeren Pizzafizierung der Stadt führen wird, so wie das Schwesterhaus “What’s Beef” zur flächendeckenden Burgerisierung Düsseldorfs geführt hat. Denn die schönste Stadt am Rhein hat schon seit Jahrzehnten eine sehr vielfältige, lebendige Pizzaszene, die in den frühen Sechzigerjahren in der Altstadt begann. Ich erinnere mich, dass mein Bruder eines Sonntags davon berichtete, er habe am Abend zuvor in der Altstadt ein Stück Pizza gegessen – und er uns erklären musste, was das ist. Selbst zehn Jahre später bezeichnete Ekel Alfred in der legendären Fernsehserie “Ein Herz und eine Seele” die italienische Spezialität als “vollgepisste Wolldecke”. Da hatten die Deutschen aber schon recht viel Erfahrung mit dem Fladen, die nicht wenige aus dem Urlaub kannten. Außerdem hatte gerade Düsseldorf mit seiner langen Tradition italienischer Zuwanderer schon die erste große Welle an Gründungen von Restaurants hinter sich. Wobei die Pizza zunächst keine große Rolle spielte. Wie die Steinofentorte ja selbst in Italien viel weniger verbreitet war (und ist) als der Normaldeutsche meint. Wobei der Begriff “Pizza” ab etwa 1950 eine erhebliche Umdeutung erfahren hat; was wir heute so nennen, ist die neapolitanische Variante einer uralten Speise aus Getreide.

Gewinner: Die elektronische Lottofee namens Excel hat unter den zehn Kommentatoren dieses Beitrag den Leser “Sosho” als Hauptpreisgewinner gezogen. Der darf nun mit dem Chefred auf dessen Kosten eine Pizza bei Gino genießen – Benachrichtigung erfolgt zusätzlich per Mail!

Die “echte” Pizza Napoli trägt immer nur Tomaten und Mozzarella sowie ein oder mehrere würzende Kräuter auf dem Boden. Und wurde Mitte des 18. Jahrhunderts überhaupt erst erfunden, weil die Tomate vorher im mediterranen Raum kaum als essbare Frucht angebaut wurde. Das Wort selbst bezeichnet ganz grundsätzlich einen runden oder länglichen Teigfladen – das griechische Wort “pita” ist etymologisch eng verwandt. Die moderne Pizza hat übrigens zwei ganz unterschiedliche Quelle: neben Neapel steht Chicago als zweiter Gründungsort in den Annalen. Denn dort wurde 1943 die Chicago-style Pizza” erfunden. Was wir in Deutschland für eine echte italienische Pizza halten, ist in den USA übrigens eine “New-York-style Pizza“. Die wurde zuerst 1903 in Little Italy angeboten und machte nicht nur bei den italienischen Immigranten schnell Karriere. Der Chicago-Fladen unterscheidet sich im Wesentlichen dadurch vom italienischen Original, dass der einen hohen Rand hat, oft mehr als daumendick gerollt und gelegentlich sogar mit Käse und/oder Schinken gefüllt. Die Pfannenpizza ist eine Variante der Chicago-Pizza, die vor Ort gelegentlich sogar Tortendimensionen (Randhöhe bis zu fünf Zentimeter) annimmt. Lassen wir das so stehen, denn diese Abart der Pizza wird hierzulande nur von gewissen Ketten und Gastronomien angeboten, die einen auf Amerikanisch machen.

Die richtige Pizza, so viel sollte klar sein, hat einen möglichst dünnen Boden, der im möglichst heißen, mit Holzfeuer beheizten Steinofen nur ganz, ganz kurz garen muss. Dünn wird der Boden aber nur, wenn er mit dem speziellen italienischen Mehl Tipo 00 und der genau richtigen Menge Hefe angesetzt wird. Ansonsten legt der Bäcker drauf, was sich über Jahrzehnte als klassische Beläge durchgesetzt hat und was heute schon die Kinder mit italienischen Namen benennen können. Der Klassiker sind die Margaritha und Napoli, dicht gefolgt von der Salami, der Tonno, der Procsiutto, der Funghi und der Quattro Stagioni. Leider hat sich über die Jahre auch die widerliche “Pizza Hawaii” durchgesetzt. Und beim Pizza-Taxi kann man sich die Pizza sogar mit Belägen nach Wahl vollknallen, die dann zusammenpassen oder auch nicht. Apropos: Den Pizzaservice gibt es hierzulande auch noch nicht so lange – das erste Pizza-Taxi soll 1972 in Würzburg am Start gewesen sein; witzigerweise der Stadt, in der 1952 die erste Pizzeria in Deutschland eröffnet wurde. Erst Mitte der Achtzigerjahre entstanden dann die reinen Lieferdienste für den Fladen, die gar kein Restaurant mehr betrieben – und dann kamen natürlich die unvermeidlichen Ketten der US-Systemgastronomie…

Meine liebste Pizza
Weil die Pizza und vor allem die Pizzeria in Düsseldorf eine besonders lange Tradition hat, spielt die Lieblings- oder Stammpizzeria eine wichtige Rolle. Weil so viele Pizzerien Familienbetriebe sind, nimmt man als Gast Teil an dieser Familie, wird manchmal sogar zum Teil der Familia. Das unterschiedet die Pizzeria auch am meisten vom Fastfood-Laden, der etwas anbietet, was er “Pizza” nennt. Oft aufs aufgetauten Teiglingen in Elektroöfen zu Tode gebacken und mit minderwertigen Belägen dürftig kaschiert. Von dieser Sorte “Pizza” soll hier überhaupt nicht die Rede sein, sondern nur von der Pizza “vom Italiener”.

Und weil das so ist, bekenne ich: Bei Gino am Fürstenplatz gibt’s die beste Pizza der Stadt! Weil es Gino gibt und seine Familie, weil man dort herzlich aufgenommen wird, weil es dort kein bisschen Schickmicki ist und weil die Pizza einfach supergut ist. Tatsächlich erfüllt der Fladen bei Gino alle Qualitätskriterien. Übrigens bietet Gino schon seit zehn Jahren alternativ auch Pizzen (so bildet der Deutschen auf ganz falsche Weise den Plural) aus Vollkornmehlteig an. Bevor Da Gino an die Ecke Kirchfeld-/Morsestraße zog, hatte man das winzige Restaurant am Fürstenwall, kurz hinter der Ecke mit dem Hotel, wo es schon ab 1985 immer eine Trattoria gab. Als ich zwischen 1988 und 1995 mein Büro am Fürstenplatz hatte, war dort ein Wirt am Werk, der nebenbei Europameister im Kickboxen war, aber trotzdem hervorragende Nudelgerichte anbot, dafür aber nicht so perfekte Pizzen. Auch bei Gino gab und gibt es auch andere Speisen, vor allem Salate und Pasta-Teller, die sehr lecker sind. Auf Vorbestellung oder wenn der Küchenfamilie danach ist, gibt es aber alles, was die italienische, speziell die apulische Küche so hergibt.

Und deine liebste Pizza?
Man sieht: Die Frage nach der liebsten Pizza ist eine Frage nach der liebsten Pizzeria. Und weil dies auch mit emotionaler Bindung zu tun hat, veranstaltet The Düsseldorfer eine Umfrage samt Gewinnspiel. Benennt eure Lieblings-Pizza! Und weil nicht jeder eine Lieblings-Pizzeria hat, gibt es drei Kategorien. Jeder, der am Gewinnspiel teilnehmen möchte, muss mindestens in einer Kategorie seinen Liebling nominieren und höchstens in den drei Kategorie:

1. Meine Lieblings-Pizza gibt es bei…
2. Meine Lieblings-Pizzeria ist…
3. Meine Lieblings-Pizza wird geliefert von…

Über kurze oder lange Geschichten als Begründungen würden wir uns freuen. Teilnehmen kann jeder mit einem Kommentar zu diesem Artikel. Auch wer mehrmals kommentiert, kommt nur einmal in den Lostopf. Unter allen Leserinnen und Lesern, die bis einschließlich Sonntag, 27.06. um 12:00 Uhr einen Kommentar abgeben, in dem mindestens ein Name in einer Kategorie genannt wurde, nehmen an der Verlosung teil. Ausgelost wird über den bewährten Excel-Zufallsgenerator. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Und der Hauptpreis ist eine Pizza bei Da Gino auf Einladung und in Begleitung des Chefreds.

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17 Kommentare

    • Das war ca zwischen 1990 und 2000 auch mein Favorit, und dort Spinaci zum mitnehmen . Muss ich unbedingt mal überprüfen , ob die das level halten konnten. Hab bis jetzt auf jeden Fall noch keine Bessere woanders bekommen

  1. Sascha Lennartz am

    1.Meine Lieblingspizza gibt es irgendwie kaum noch in Pizzerien. Es ist Pizza Vongole ( Babymuscheln ), 2. Meine Lieblingspizzeria ist Pizzeria Trattoria La Ruota auf der Dreherstrasse in Gerresheim ( am Sportplatz ) .
    3.Mein liebster Lieferdienst ist DOMINO’s. ( da ich in Monheim wohne, liefert La Ruota leider nicht ) Damit mein Fernweh nach Florida immer am lodern bleibt ???? bestelle ich nur amerikanische Pizza.

  2. Meine Lieblings Pizzeria ist “Mama Lisi”, Nachtigallstraße, Gerresheim. Hier kocht die Mama selbst und das seit über 40 Jahren. Wunderschönes, weinverhangenes Lokal, bodenständig und gemütlich. Ein traumhafter Familienbetrieb. Die Fladen sind einzigartig in Form und Zubereitung, nämlich nach apulischer Art. Mein Favorit: Pizza D.O.C.G. mit Parmaschinken, Parmigiano Reggiano – Hobeln und Ruccola. Dazu gibt es roten Wein aus eigenem Anbau. Reservierung erforderlich! Kurzurlaub in Italien….

    Bester Lieferservice: Pizzeria Porto Cervo, Collenbachstr.

    • Rocky Raccoon am

      Unterstützung meinerseits. Wir wohnen da ja in der Nähe. Ohne Reservierung ist allerdings nichts zu machen, aber die Pizzen sind klasse! Und unglaublich preiswert. Mama Lisi: leider kein Geheimtipp mehr.

  3. jupp flassbeck am

    Pizza Ente Rotkohl vom Pizza Service International
    Italienisch Griechisch Chinesisch Mexikanisch
    (auf Wunsch auch gemischt!)

    siehe:
    http://www.spiegel.de/panorama/pizza-kalter-horror-der-mal-ein-leckerbissen-war-a-582538.html

    —-
    Spass bei Seite – meine lieblingspizza ist die Pizza Originale. Mozarella, frische Tomaten, Oregano.
    vielleicht verfeinert durch ein paar Scheiben Goodfellas-mässig-dünn-geschnittenem Knoblauch.

    Wo gibt’s die? Bei meiner Ex.
    Und bei jedem guten Italiener.

  4. Eine Lieblingspizza habe ich eigentlich nicht, aber eine Margherita ist immer ein guter Indikator für Qualität.

    Meine Lieblingspizzeria ist die Gargano in Eller auf der
    Gumbertstrasse. Dort haben wir Anfang der neunziger unzählige
    Freistunden vom Unterricht am Kikweg verbracht. Die Crew ist
    heute eine andere, aber die Qualität und Freundlichkeit sind
    geblieben. Von aussen ist sie sehr unscheinbar und macht eher
    nicht den Eindruck, besonders zu sein. Drinnen gibt es fünf Tische. Absolute Klasse !

    Auch das Haus Malzkorn in Unterrath am Röttchen bietet eine
    Klasse Pizza. Die Betreiber sind relativ neu dort. Sie kommen
    von der Arcobaleno in Flingern. Der Laden ist ziemlich gross,
    dort ist bestimmt Platz für 60-70 Gäste, aber trotzdem muss man
    ohne Reservierung manchmal warten, es ist nämlich fast immer
    rappelvoll. Italienische Küche vom feinsten für den normalen
    Geldbeutel.

    • kassandra am

      Der Laden in Flingern heisst Alberobello!!! Under der Laden in Unterrath heisst Ca’del Re!! Dies als Kommentar aus Korfu.

  5. Karlheinz Lorenz am

    Meine Lieblings-Pizzeria ist “La Bruschetta” in Kaiserswerth auf der Niederrheinstrasse. Bei Pino und seinem Pizzabäcker Salvatore schmeckt die Pizza am besten.

  6. Pizza! Mein absolutes Lieblingsthema, mit dem ich schon seit Jahren allen, die sich nicht wissenschaftlich damit auseinandersetzen wollen, (also tatsächlich „ allen“), auf den Keks gehe.

    Da Du uns ja explizit aufforderst, auszuholen, meine Sülze dazu gerne hier:

    Meine Lieblingspizza gibt es so nicht, das kommt etwas auf den Bedarf an. In der Altstadt favorisiere ich klar Matteo. Die hatten mal ein kurze Zeit lang eine Krise,
    da war der Teig zu lasch (es fehlte Salz) und man hat sich bei Andrang hetzen lassen, die Pizzen nicht punktgenau zu Ende zu backen. Schade dann um das Potential.
    Aber, meiner Meinung nach: Eine ehrliche, aromatische Pizza mit einem Teig der Sorte knusprig/dennoch elastisch und nicht keksig. Schlägt Lupo etc. um Längen.

    Wirklich eine Freude ist aber auch die Pizza bei Da Mossimo/Schirmerstr., die haben dort sehr exotische Belagskombis auf der Karte, was mich bei meinem ersten Besuch misstrauisch gemacht hat,
    (auch wenn es meine Standardvariante – Salami! – natürlich auch gab). Normalerweise ist eine Pizza „Matjes“ ein Grund, möglich schnell panisch wegzurennen (-:

    Ich habe den Wirt nach dem Sinn dieser Perversionen mal gefragt, er antwortete gelassen, „die Gäste stehen drauf“. Auf die Frage, ob er denn sowas auch mag, kam ein Lachanfall. Italienischer Humor…

    Da ich in meinem Fanatismus und mangels anderer, kostspieliger Hobbies einen eigenen, kleinen Gastro-Pizzaofen habe, versuche ich natürlich, mein eigenes Ideal zu kreieren, welches
    letzten Endes aus aromatischem Teig, edlen Tomaten, gutem Mozzarella mit einer Dreingabe eines etwas intensiveren Käses (nicht orthodox, ich weiß) und eben kleinen Fetzen aus der primo piatto –Abteilung besteht.

    Noch ein Wort zur What’s Pizza: Sehr argwöhnisch musste ich die natürlich probieren. Mein Eindruck nach einem ersten Besuch vor ca. einer Woche: Ein sehr freundliches Lokal mit dem nach wie vor Pop-Art-orientiertem Interieur
    und einer anspruchsvollen Pizza, die ich weder überkandidelt noch wirklich zu teuer finde.

    Eine P-Salami kostet 9,- EUR, ist großzügig dimensioniert, hat einen Tomatenbelag weit über dem Metroniveau fast aller Pizzerien der Stadt, intensiven Mozzarella, frischen Basilikum, leckere Bio-Rindersalami.
    Es stehen diverse aromatisierte Öle und ein besseres natives Olivenöl zum Nachverfeinern bereit.

    Man darf mich ruhig an die Wand stellen – ich mag die Pizza, ich glaube den Betreibern ihren Enthusiasmus und finde sie nicht zu teuer – gemessen an dem Durchschnittskram in den meisten anderen „besseren“ Pizzarestaurants.
    Im Teig steckt Mühe, der neapolitanisch freistehende Ofen impft die Pizza mit dezentem Aroma, ich meine, da kann man mehr falsch machen.

    Bei Gino beispielsweise habe ich mal eine Pizza aus der Blechpfanne bekommen…warum macht man das? Dachte, das sei ein Hallo-Pizza-Privileg…

    Liefern lassen versaut noch die beste Pizza, weil die Luftfeuchtigkeit im Karton…ach, was red‘ ich. Vor Jahren habe ich mir in Bilk mal eine anliefern lassen, die ganz fantastisch war. Leider habe ich vergessen, wo sie herkam.

    Gerne mochte ich auch die Pizza auf der Friedrichstr., rechter Hand, kurz vor den Antiquariaten (vom S-BH kommend). Einen guten Espresso – leider auch keine Selbstverständlichkeit mehr bei Italienern –gab es auch noch.
    Ich hörte, aufgrund plötzlichen Todes des Chefs hat man zugemacht. Das hat mich betroffen gemacht und ich bin danach noch oft wehmütig dort langgegangen.

    Vielen Dank auch für die weiteren Tipps hier – die werden natürlich systematisch abprobiert!

  7. Nachdem ich nun zum ersten Mal einen Preis gewonnen hab :
    Die Spinaci ist mindestens ebenbürtig mit der bei Su Nuraghe Wehrhahn bis 2000 ,aber der Laden ist gemütlich . War sehr lecker ,danke !!!

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