Natürlich wissen alle Absolvent*innen des Luisen-Gymnasiums an der Bastionstraße (das früher einfach “Luisenschule” hieß), nach wem ihre Alma Mater benannt ist. Das unterscheidet sie vom Gros der Düsseldorfer Bürger, die mit dem Namen Prinzessin Luise von Preußen eher wenig verbinden. Und das ist zutiefst ungerecht, denn unsere schöne Stadt verdankt der Prinzessin und ihrem Gatten, dem Friedrich von Preußen, die Fortsetzung der künstlerisch-kulturellen Tradition, die einst von der wunderbaren Anna Maria Luisa d’Medici begründet wurde. Geboren wurde die schöne Frau 1799 als Prinzessin von Anhalt-Bernburg, einem winzigen und zersplitterten Fürstentum, das beinahe 450 Jahre zwischen Elbe und Saale auf dem Territorium des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt existierte.

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Über Anhalt-Bernburg herrschten die Askanier, ein Adelsgeschlecht, das sich bis ins 11. Jahrhundert zurückverfolgen lässt und dessen anhaltinische Linie mit dem Tod des Herzogs Alexander Carl im Jahr 1863 ausstarb. Dieser Alexander war der jüngere Bruder von Prinzessin Luise und litt unter dem, was Psychopathologen heute Schizophrenie nennen – die Krankheit, unter der in der zweiten Hälfte ihres Lebens und bis zu ihrem Tod auch Luise litt. Schon die Mutter der beiden, Friederike von Hessen-Kassel, zeigte Symptome dieser psychotischen Persönlichkeitsstörung.

Ein weiteres Porträt der Prinzessin Luise

Es heißt, ihre Kinder hätten die Krankheit von der Mutter geerbt. Tatsächlich steigt das Risiko an Schizophrenie zu erkranken auf 10 Prozent, wenn ein Elternteil betroffen war. Allerdings wissen wir nicht genau, welche Störung sich in diesem Zweig des Fürstengeschlechts tatsächlich ausgebreitet hatte, denn eine Systematik der Psychosen existierte Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht. Immerhin war sich Prinzessin Luise sehr wohl darüber bewusst, psychisch erkrankt zu sein, und bemühte sich um Heilung – unter anderem durch Beschäftigung mit der gerade aufkommenden Homöopathie. Behandelt im weiteren Sinne wurde sie von Samuel Hahnemann, mit dem sie später einen ausführlichen Briefwechsel führte.

1817 heiratete sie den Prinzen Friedrich von Preußen, gebar 1820 den Sohn Alexander und kam 1921 mit ihrem Mann nach Düsseldorf, denn Friedrich war seit 1815 Kommandeur der 14. Division des preußischen Heeres, die 1819 nach Düsseldorf verlagert wurde. Man bezog das Schloss Jägerhof und nahm schnell aktiv teil am Leben der Düsseldorfer Bürgerschaft. Sowohl Friedrich, als auch Luise waren sehr darum bemüht, die latente Feindseligkeit der Düsseldorfer gegenüber Preußen durch Worte und Taten zu bekämpfen. So gab man Gesellschaften auf Schloss Jägerhof und stiftete Ehen zwischen Düsseldorfer Töchtern und schneidigen Preußenoffizieren.

Schadows Porträt in voller Größe

Schadows Porträt in voller Größe

Das Paar förderte die Kunst nach Kräften, und Luise wurde zur Protektorin der 1837 gegründeten Privatschule für “evangelische Töchter”. Sie selbst war künstlerisch äußerst begabt und nahm Unterricht bei Koryphäen wie Wilhelm Kaulbach, Theodor Hildebrandt, Caspar Scheuren und Friedrich Heunert. Von den Nazarenern war sie so angetan, dass sie Bilder von Malern dieser Schule kopierte. Sie selbst wurde unter anderem von Friedrich Wilhelm von Schadow porträtiert und war überhaupt aufs Engste mit der 1819 gegründeten Kunstakademie verbunden. In welchem Zustand sich Prinzessin Luise 1843 befand, ist unklar. Jedenfalls erwarb sie das Schoss Eller und zog sich aus dem gesellschaftlichen Leben weitestgehend zurück, um sich ganz der Malerei zu widmen.

Am Schloss Eller (A.Otto)

Am Schloss Eller (A.Otto)

Im Zuge der 1848er Revolution wurden Friedrich und Luise nach Berlin zurückgerufen und kamen nur noch besuchsweise nach Düsseldorf. Unter anderem 1855 zum großen Musikfest. Da hatte sich Luises Krankheit schon deutlich gezeigt und zunehmen Besitz on ihre ergriffen. Sie blieb auf Schloss Eller und blieb bis zu ihrem Tod 1882 dort. Ihr Gatte, der aus Gründen der Staatsräson in Berlin zu blieben hatte, besuchte sie nach Möglichkeit und war in jedem Jahr zu ihrem Geburtstag bei ihr. Ein ihr treu ergebener Hofstaat kümmerte sich um sie und sorgte für maximale Diskretion. Die Düsseldorfer vergaßen sie noch zu Lebzeiten, und heute erinnern sich nur noch Luisenschüler*innen an die Prinzessin, die der Stadt Düsseldorf durch ihr Wirken wieder zu neuem Ruhm als Kunstmetropole verholfen hat.

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