Nicht nur das Untere Werft steht am kommenden Samstag komplett auf zwei Rädern, auch die jährliche Sternfahrt des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs fügt sich am Samstag (13.06.2015) passgenau in das Ereignis ein. “Neben den vielen Startpunkten außer­halb von Düsseldorf finden sich acht (…) in Düssel­dorf, die Du hier findest; die gemeinsame Abschluss­runde startet diese Jahr am Burgplatz um 14:00 Uhr” [Quelle: ADFC Information]. Einer der Höhepunkte ist wieder einmal die Fahrt durch den autofreien Rheinufertunnel. Gegen 16:00 Uhr findet auf dem Unteren Werft auf der Bühne von „radaktiv“ die Abschlussveranstaltung statt mit Verkehrswissenschaftler Professor Heiner Monheim, Politikern und Vertreter*¬Innen von Critical Mass.

Keine „Helmpflicht“ für TeilnehmerInnen
Außer einem funktionstüchtigen und verkehrssicheren Rad gibt es keine Vorgaben an die TeilnehmerInnen, auch keine für das Tragen von Helmen, deren Zweck nicht nur innerhalb des ADFC diskutiert wird und dessen Nutzen von Fachleuten und Wissenschaftlern durchaus grundsätzlich infrage gestellt wird. Zahlreiche Untersuchungen bezüglich der Pflicht auf motorisierten Zweirädern einen Helm zu tragen, haben beispielsweise zu der Erkenntnis geführt, dass einem „gepanzerten“ Zweiradfahrer deutlich weniger Aufmerksamkeit und Rücksicht durch Autofahrer widerfährt als einem ungeschützten. Überdies hat beispielsweise hat eine gesetzliche Helmpflicht in Australien zu einem gravierenden Rückgang der Fahrradnutzung geführt.

Im vergangenen Jahr fuhren bei der Sternfahrt 7.500 RadlerInnen (2013: 5.000 TeilnahmerInnen) mit. Damit stellte der engagierte Fahrradclub nicht nur seinen eigenen Teilnehmerrekord vom Vorjahr gleich um mehrere Tausend wieder ein.

„Radnacht“ floppte
Die sogenannte „Radnacht“, Parallelevent des kommerziellen Veranstalters Claus Vogel, geriet dagegen wenige Wochen später im August im Gegensatz zum Vorjahr anhand des mageren Zuspruchs zum desaströsen Einbruch bei den Teilnehmerzahlen. „Exakte Zählungen an Start und Zwischenstopp“ bei den Stadtwerken am Höher Weg lieferten lediglich „1.112 bzw. 1.234 TeilnehmerInnen“.
Bei der Premiere im Jahr zuvor fuhren deutlich mehr, nach Angaben des Veranstalters „4.700“, mit.

Aus unerfindlichen Gründen schrieb Vogel letztes Jahr (auch für 2015) eine „Helmpflicht“ vor. Dies führte augenscheinlich dazu, dass die Teilnehmer trotz Traumwetters im Gegensatz zur ADFC-Sternfahrt gleich zu Tausenden zuhause blieben.

Dass der nach Meinung nicht nur einzelner, während der Fahrt gemobbter und aussortierter Helmverweigerer „rechtswidrig“ geforderte Kopfschutz zudem überdies von einem übereifrigen Einsatzleiter der Polizei höchstpersönlich massiv exekutiert wurde, lässt mehrere Betroffene nach wie vor über eine entsprechende Dienstaufsichtsbeschwerde wegen dieses nach ihrer Meinung „rechtswidrigen Vorgehens“ nachdenken. Nach ausdrücklichen Angaben der Pressestelle der Polizei waren die Beamten „ausschließlich für die verkehrstechnische Absicherung zuständig“, keinesfalls jedoch für die Durchsetzung einer gesetzlich nicht vorgeschriebenen, eigenmächtigen Helmpflicht des Veranstalters.

Dass der Veranstalter im Gegensatz zu seiner „Rollnacht“ (Skateboards), bei der es durchaus immer wieder zu gefährlichen Stürzen und Unfällen kommt, ausschließlich bei der Radnacht eine „Helmpflicht“ vorschreibt, konnte Claus Vogel auf Nachfragen kaum überzeugend erklären. Eine „Sportveranstaltung“, wie er sich äußerte, ist diese gemütliche Familienradtour sicher nicht.
Insider munkeln, dass sich der Veranstalter mit der Forderung nach einem Helm in erster Linie seinen Sponsoren unterwirft, unter anderem diversen Lobbyisten aus der Automobilbranche, Herstellern, der Verkehrswacht und Teilen der Verkehrs-Polizei, die allesamt ständig auf Helme für RadfahrerInnen drängen. Bei den Veranstaltungen am kommenden Wochenende ist solcherlei Ungemach jedoch nicht zu befürchten. Es kann einfach mitgeradelt werden.

Kritische Masse auch auf Tour
Wer schon Freitag zum Feierabend auf seinen Drahtesel steigen und für zwei Stunden ein Stück Stadt für sich in einem munteren Pulk von Zweirädern inklusive Musikbeschallung erleben möchte, dem sei die Teilnahme an der Critical Mass empfohlen.

Es ist zwar reiner Zufall, fügt sich aber ausgezeichnet, dass einen Tag vorher am auch die monatliche Critical Mass Tour um 19:00 vom Fürstenplatz aus startet und allein vom Wetter her dieses Mal durchaus der bisherige TeilnehmerInnen-Rekord vom Mai des Jahres mit 155 PedalistInnen eingestellt werden könnte.

[Alle Fotos von der ADFC-Sternfahrt 2014: Günther A. Classen]

Download PDF

8 Kommentare

  1. jupp flassbeck am

    Ein Radhelm schützt mehr als dass er schadet.

    Man sollte grundsätzlich einen Radhelm tragen,
    ich bin aber gegen eine Helmpflicht, außer vielleicht bei Kindern.
    Auf meinem relativ schnelleren Tourenrad trage immer einen Helm, auf meinem Citycruiser den ich zum Einkaufen nutze, nie.

    Der Helm macht mich sicher nicht unverletzlich, wer sich aber mal mehrere Kopfverletzungen angucken musste, der wird für sich zwingend die Entscheidung für den Helm treffen.

    Und nein, ehe die Frage kommt – ich bin nicht für Helme für Fußgänger … 🙂

    ——

    Freitag soll es bis 30° werden, hoffentlich ist es am Samstag dann noch oder schon wieder trocken.

    • Günther A. Classen am

      “Ein Radhelm schützt mehr als dass er schadet.”

      Das ist eine vollkommen unbewiesene Behauptung aus den PR-Abteilungen der Abgasmafia.

      Genau das Gegenteil ist der Fall.

      Aus diesem Grund engagieren sich nicht nur die Fahrradverbände gegen jede Helmpflicht.

      In Australien tragen nach Einführung einer Helmpflicht, einem damit verbundenen drastischen Rückgang der Radbenutzung und dabei stagnierenden Unfallzahlen (was faktisch einen erheblichen prozentualen Anstieg der Unfallzahlen bedeutet), T-Shirts mit dem Aufdruck:

      „I wear a helmet so that you can drive like an idiot“

      Taz-Debatte Helmpflicht für Radfahrer

      „Gefährlicher Kopfschutz”

      Erst wenn viele Radfahrer auf der Straße sind, nehmen Autofahrer auch Rücksicht auf sie. Der Helm bewirkt bewiesenermaßen das Gegenteil.

      Die Helmpflicht macht das Fahrradfahren nicht sicherer, sondern gefährlicher. Das mag überraschen – ist aber nachgewiesen und Konsens in der Unfallforschung.

      Nachdem in Australien die Helmpflicht eingeführt worden war, nahm das Fahrradfahren bei jungen Menschen um 30 Prozent ab. Zugleich stieg das Unfallrisiko für die verbliebenen Radfahrer beträchtlich. Je weniger Radfahrer auf der Straße sind, desto rücksichtsloser wird das Verhalten der Autofahrer.

      In den USA tragen 38 Prozent der Radler einen Helm, in den Niederlanden 0,1 Prozent. Trotzdem werden in den USA auf der gleichen Distanz zehnmal so viele getötet wie in den Niederlanden, wo das Fahrrad das nationale Fortbewegungsmittel Nummer eins ist.”

      Quelle: taz
      http://www.taz.de/!5063181/

      • jupp flassbeck am

        Ich glaube ich schrieb dass ich gegen eine Helmpflicht bin.
        Meistens trage ich einen – wie das andere halten müssen die selbst wissen.
        Andererseits sieht so ein geplatzter Schädel nicht sehr schön aus …

        • Günther A. Classen am

          Es ging um die Behauptung „Ein Radhelm schützt mehr als dass er schadet“.

          Das ist schlicht falsch und faktisch Unsinn, auch wenn es noch so oft mantramäßig perpetuiert wird.

          Nicht nur, dass dieser Behauptung jeglicher Beweis fehlt, ist der ständige damit verbundene unseriöse Hinweis auf geplatzte Schädel lediglich der Versuch mittels durchsichtiger Panikmache gegen jede Vernunft Stimmung zu erzeugen.

          RadfahrerInnen brauchen nicht die scheinheilige Vorsorge der Automobilbranche, wie Verkehrswacht und Gewerkschaft der Polizei und anderer Helfershelfer; RadfahrerInnen fordern die Rücksichtnahme der AutofahrerInnen.

    • FT: Jupp Flassbeck bezweifelt Existenz intelligenten Lebens auf der Erde –

      http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Nasa-will-Beweise-fuer-Leben-auf-dem-Mars-gefunden-haben/FT-Jupp-Flassbeck-bezweifelt-Existenz-intelligenten-Lebens-auf-der-Erde/posting-1216026/show/

      Gründe für seine Feststellung liefert Flassbeck gleich mit :

      Man sollte GRUNDSÄTZLICH einen Radhelm tragen,

      ich bin NICHT FÜR HELME für Fußgänger.

      Auf meinem relativ schnelleren Tourenrad trage IMMER einen Helm, auf meinem Citycruiser den ich zum Einkaufen nutze, NIE.

      Freitag soll es bis 30° werden, hoffentlich ist es am Samstag dann noch oder schon wieder trocken.

      (Ich behaupte jetzt nicht, daß das am Helm liegt.)

      – smile –

      Viele Grüße

      HELMut

Antworten