Sicher, Fortuna ist schon seit fast 90 Jahren der führende Fußballclub in Düsseldorf, aber die anderen Traditionsvereine der Stadt verdienen auch Respekt.

Bericht · Kaum einem Fußballfan in Düsseldorf ist bewusst, dass in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts ein hiesiger Verein mindestens so erfolgreich war wie unsere glorreiche Fortuna. Genau, es war der VfL Benrath, der von 1930 bis 1935 jedes Jahr die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft erreichte. Die Fußballer aus der kleinen Stadt, die heute ein Teil Düsseldorfs ist, erfreuten sich deutschlandweit einer solchen Beliebtheit, dass sie im vielleicht schönsten aller Fußballbücher, dem „11 Freunde müsst ihr sein“ von Samy Drechsel, namentlich erwähnt werden. Da kann F95 nicht mithalten, auch wenn im Jahr 1933 die Meisterschaft gegen Schalke 04 geholt wurde. Dafür wurde der VfL Benrath 1957 Deutscher Amateurmeister, ein Titel, den die große Fortuna erst und zum einzigen Mal 1977 erreichte. [Lesezeit ca. 7 min]

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VfL Benrath 06

Heute dümpelt der VfL Benrath, der Traditionsverein mit dem so authentischen Fußballstadion an der Karl-Hohmann-Straße in Reisholz, in der Bezirksliga herum, strebt aber wieder die Landesliga an. Die Aussichten sind schwankend… Der namensgebende Karl Hohmann war in den Dreißigerjahren übrigens Nationalspieler und Olympiateilnehmer. Aus F95-Sicht interessanter sind die Namen zweier ehemaliger Fortuna-Spieler, die das Kicken in Benrath gelernt haben. Da ist zum einen eine ganz großen F95-Legende: Peter „Pitter“ Meyer, der vielleicht größte Knipser, der je in Rotweiß angetreten ist. Der hatte das Pech, gleichzeitig mit Gerd Müller aktiv zu sein und brachte es als Ersatz für den Bomber lediglich auf ein Länderspiel – es war das 0:0 in Albanien, das als „Schande von Tirana“ in die deutsche Fußballgeschichte eingegangen ist.

2018: VfL vs F95 - Das Stadion in Benrath (Foto: TD)

2018: VfL vs F95 – Das Stadion in Benrath (Foto: TD)

Näher an unserer Zeit war da ein Mann unterwegs, der heutzutage als Trainer und komischerweise Ur-Schalker in aller Munde ist: Mike „Buyo“ Büskens. Der trat als Jugendlicher zunächst für Alemannia 08 an, wechselte dann zur Fortuna bevor er beim VfL Benrath den Übergang in den Seniorenbereich vollzog und dann zu F95 zurückkehrte, wo er 102 Spiele zwischen 1987 und 1992 absolvierte. Nachwuchsarbeit wird in Benrath schon immer groß geschrieben – der Verein zählt zu den Clubs, die Mannschaften in allen Altersklassen melden und verfügt über eine außergewöhnlich große Zahl Ehrenamtler.

TuRU Düsseldorf 1880

Eigentlich ist der TuRU-Platz an der Feuerbachstraße der „Hometurf“ eures Ergebenen, denn nachweislich sah er sein erstes Fußballspiel zu Pfingsten 1957 im Alter von viereinhalb Jahren genau dort. Und hat über all die Jahre oft in der Nähe gewohnt, teilweise mit Blick auf das kleine „Stadion“. Außerdem handelt es sich um den einzigen Fußballclub in Düsseldorf außer der Fortuna, dessen Spiele er sich regelmäßig anschaut.

Beim TuRU-Pfingstturnier 1957 (Foto: TD)

Beim TuRU-Pfingstturnier 1957 (Foto: TD)

Dies vor allem in den vier Jahren zwischen 2004 und 2008, in denen die TuRU in der viertklassigen Oberliga antrat und es eine Weile so aussah, als könnte ein zweiter Großstadtclub entstehen, wie es ihn in den anderen deutschen Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt) gibt. Der Verein ist historisch betrachtet untrennbar mit dem 1968 gegründeten Unternehmen Telefonbau Schneider verbunden, dessen Patriarch Heinz Schneider den Club über viele, viele Jahre alimentierte.

2017: TuRU vs Straelen 0:3 - Chance für die TuRU (Foto: TD)

2017: TuRU vs Straelen 0:3 – Chance für die TuRU (Foto: TD)

Einige Nationalspieler der Vorkriegszeit (Josef Lüke (1920–1924), Paul Mehl (1931–32) Hans Mengel (1937–1940) kamen von TuRU Düsseldorf, der vielleicht prominenteste in der Nachkriegszeit war der begnadete Torwart Fritz Ewert. Eine Reihe ehemaliger Nachwuchskicker der TuRU hat es in den letzten Jahren bis in die oberen Ligen geschafft.

Für ältere Düsseldorfer:innen aber wird die TuRU op ewich mit dem legendären Pfingstturnier verbunden sein, zudem ab den frühen Fünfzigerjahren Jugendmannschaft aus ganz Europa eingeladen wurden und viele der ganz großen Clubs antraten. Für die Fußballfreunde in der Stadt war dieses Turnier jedes Jahr ein absoluter Pflichttermin. Leider ließ sich diese Veranstaltung irgendwann nicht mehr finanzieren…

BV 04 Düsseldorf

Ebenfalls durch ein Turnier über die Grenzen der Stadt und, ja, des Landes bekanntgeworden ist der BV 04 mit seiner Sportanlage an der Hans-Böckler-Straße zwischen Kennedydamm und Roßstraße. Seit vielen, vielen Jahren findet zu Ostern der U19-Cup statt, an dem regelmäßig die Nachwuchs-Teams der ganz großen Vereine aus Deutschland und Europa und manchmal auch Übersee teilnehmen. Die Liste der Weltstars des Fußballs, die dort in Golzheim zum ersten Mal öffentlich auffielen, ist meterlang. Weil das so ist, waren früher manchmal mehr Scouts und Berater vor Ort als Normalzuschauende. Das hat sich geändert, weil bei 17-, 18-Jährigen der Zug in Richtung eines Topteams in aller Regel schon abgefahren ist.

Der legendäre U19-Cup des BV 04 - bekannt als das "Osterturnier" (Foto: BV 04 / u19-cup)

Der legendäre U19-Cup des BV 04 – bekannt als das „Osterturnier“ (Foto: BV 04 / u19-cup)

Der Ballspielverein 04 Düsseldorf hatte in Sachen Fußball nur in einer kurzen Zeit nach Kriegsende wirklichen Erfolg, war zwischenzeitlich bis in die Kreisliga C abgerutscht, ist aber ein echter Breitensportverein, der auch im Fußball die Nachwuchsförderung sehr ernstnimmt. Der vielleicht bekannteste BV04er ist der langjährige M’Gladbach-Keeper Uwe Kamps. Auch Marinko „Mile“ Miletić, der beim DSC 99 entdeckt wurde und als Profi unter anderem bei der Fortuna, bei St. Pauli, RW Ahlen und RW Oberhausen spielte, wurde hier ausgebildet. Nicht vergessen darf man natürlich Charly Meyer, der den BV 04 lange leitete und dann in den ganz dunklen Jahren das F95-Schiff wieder auf Erfolgskurs brachte.

DSC 99

Auch der Düsseldorfer Sport-Club 1899 zählt im Fußball zu den Traditionsträgern der Stadt, wobei der größte Erfolg schon lange, lange zurückliegt. Nachdem der Club einem anderen Verein einige Spieler abgeworben hatten, erreichte man 1906/07 die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Weil ihnen in der Endrunde aber verboten wurde, die britischen Kicker einzusetzen, gingen sie gleich im ersten Spiel unter. Aktuell treten die Herren in der Bezirksliga an. Das Besondere am DSC ist, dass es einen fast autonomen Bereich für Hockey, Tennis und Lacrosse gibt, und die Hockeyspieler:innen insgesamt wesentlich erfolgreicher sind.

Der DSC-Platz an der Windscheidstraße (Foto: DSC 99)

Der DSC-Platz an der Windscheidstraße (Foto: DSC 99)

Dafür ist die Liste der bekannten Spieler, die beim DSC 99 ausgebildet wurden, ziemlich lang. Sie reicht von der Fortuna-Legende Matthias Mauritz über den großen F95-Keeper Albert Görtz bis hin zu Jürgen Schult, Michael Preetz und dem bereits erwähnten Mile Miletić. Das Schwergewicht aber liegt auf dem Nachwuchs – alle Altersklassen sind bei den Jungs besetzt – und dem Frauenfußball, deren erste Mannschaft zurzeit in der Landesliga kickt.

Alemannia 08, CfR links, Eller 04, Rather SV, SC West, Schwarz-Weiß 06, Sportfreunde Gerresheim, TuS Gerresheim und die anderen

Rund 50 Vereine der Stadt betreiben Teams im Männer- und Frauenfußball. Etwa die Hälfte davon wurde vor dem zweiten Weltkrieg gegründet und können auf Grund ihres Alters als Traditionsvereine gelten. Entlang des Flinger Broich vom Kraftwerk bis zum Schießstand am Bahndamm gab es bis zu sieben Fußballplätze. Einige Clubs gibt es leider nicht mehr, darunter mit Allemannia 08 einen wahren Traditionsverein. Der Eisenbahner Sportverein „Blau-Weiß“ Düsseldorf 1926 hat nach einigen Jahren wieder eine aktive Fußballabteilung, gilt aber in der öffentliche Wahrnehmung als Tennisclub. Die Duschen und Sanitäranlage des legendären ESV-Stadions werden nun mit NRW-Fördergeldern nach Jahrzehnten saniert.

2017: ESV-Stadion am Flinger Broich (Foto: TD)

Einige der genannten Vereine haben wirklich große Fußballer hervorgebracht, allen voran die erst 1945 gegründete Turn- und Sportgemeinschaft Gerresheim und Glashütte e. V., denn bei der TuS lernten Klaus und Thomas Allofs das Kicken. Als „katholischer Sportverein“ wurde 1920 der Lokalrivale, die Sportfeunde Gerresheim, gegründet, die momentan in der Kreisliga A antreten. Dort trafen die Sportfreunde unter anderem auf den CfR Links, der vor drei Jahren seinen hundertsten Geburtstag feiern durfte. Noch älter ist der S.C. Schwarz-Weiß 06 mit dem Platz mitten im Volksgarten, der sich in der Bezirksliga abmüht.

Wie die TuRU zählte auch der SC West in der vergangenen Saison zur Oberliga Niederrhein, stieg dann aber leider in der Landesliga ab. Der im Stadtteil tief verankerte Rather SV mit seinem wunderschönen Platz direkt am Aaper Wald kann als typischer Breitensportverein betrachtet werden, der aber im Fußball immer wieder nach Höherem strebt und zurzeit in der Landesliga spielt. Als Talentschmiede muss auch Eller 04 gesehen werden, immerhin kam Robert „Pico“ Nistroj daher und natürlich die langjährige Nationalspielerin Inka Grings. Vom SV Lohausen kommt übrigens Peter Frymuth, der die Fortuna als Vorstandsvorsitzender durch schwere Zeiten gesteuert hat.

Menschen, deren Herzensverein hier nicht genannt wurde, mögen dem Ergebenen verzeihen – er hat sich auf die Vereine konzentriert, die er aus eigener Anschauung kennt, was nicht heißt, dass die anderen weniger interessant wären. Tipp: Wer sich mit dem Amateurfußball in Düsseldorf näher befassen möchte, schaue sich mal die vom DFB betriebene Website fussball.de an – hier werden alle Ligen und Vereine präsentiert.

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