Ortstermin: Messeparkplatz P1, das Open-Air-Gelände für Ed Sheeran

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Der Tag war trüb. Morgens gab es Gewitter mit Starkregen. Trotzdem wollte ich mir den zukünftigen „D.Live Open Air Park“ zu Fuß erschließen. Ja, die Fläche auf den Feldern Nord 4, 5 und 6 des Messeparkplatzes P1 hat schon einen Namen: D.Live Open-Air-Park. Den haben sich die Leute von der DCSE unter der Regie von „Hallenmanager“ Michael Brill ausgedacht. Schon vor einigen Monaten und als von einem gewissen Ed Sheeran in der Stadt noch nicht die Rede war. Auf den ersten Blick keine schlechte Idee, denn weit ab vom Schuss und verkehrstechnisch gut erschlossen eine asphaltierte Fläche von rund 40.000 Quadratmetern für Freiluftkonzerte zu nutzen, bietet sich geradezu an. So hat unser Chefred das in seinem Kommentar zum drohenden Ed-Sheeran-Konzert auch gesehen. Aber dann zeigte sich, dass unser umtriebiger OB wieder einmal einen Schnellschuss im Köcher hatte.

Google-Map: Messeparkplatz P1

Google-Map: Messeparkplatz P1

Der renommierte Großveranstalter von Pop-Tournee und -Konzerten, die FKP Scorpio, hat eine Open-Air-Tournee des extrem angesagten Sängers Ed Sheeran durch Europa mit 25 Stationen organisiert und wollte ihn unter anderem auf dem Flughafen Mülheim auftreten lassen. Dafür wurden in kürzester Zeit rund 84.000 Tickets verkauft. Leider erwies sich die Fläche zwischen Essen und Mülheim in der Nähe der A52 aus Umweltschutzgründen (und, ja, es soll auch noch eine Reihe organisatorischer Probleme gegeben haben…) als nicht geeignet. Das Event musste also verlegt werden. Nun kennen sich Michael Brill und die Leute von FKP Scorpio ganz gut, und so kam es, dass der Düsseldorfer „Hallenmanager“ den zukünftigen D.Live Open-Air-Park als Ausweichmöglichkeit anbot – was der Veranstalter freudig annahm.

D.Live Open-Air-Park: Geländeplan (Quelle: DCSE)

D.Live Open-Air-Park: Geländeplan (Quelle: DCSE)

Allein, zum Zeitpunkt des Angebots gab es den Open-Air-Park noch gar nicht. Aber schon eine Website und – einen Geländeplan, auf dem drei Felder des Messeparkplatzes P1 grün gefärbt sind. Ausgerechnet grün… Nun stand ich am Eingang zum Feld Nord 5, das als Abstellplatz für Lkw eingerichtet ist und deshalb mit einer Schranke und einem Torhüterhäuschen versehe ist. Daneben steht ein Toiletten-Container, und damit die Fernfahrer wissen, wo sie sind, gibt es auch ein Schild mit der Aufschrift „Truck-Stop“. Was mir aber am meisten auffiel: Rund um den öden Platz sah ich mit weißen Netzen eingepackte Grünflächen. Bei näherem Hinsehen erkennbar, dass hier zuvor Bäume standen; deren Pflanzgruben waren unter der Abdeckung deutlich zu sehen. Das waren also die Stellen, an denen dir rund 60 Bäume ausgegraben wurden, die man dann irgendwo zur späteren Verwendung abgesetzt hat. Zuhause bemühte ich die umgekehrte Google-Bildersuche, weil mir nicht klar war, wozu die Netze dienen sollten. Siehe da, es handelt sich um eine Methode, Vögel daran zu hindern, in Bäumen und Büschen Nester zu bauen und zu nisten. Man hat also allen Ernstes dafür Sorge getragen, dass der Gig nicht noch aus Naturschutzgründen abgesagt werden muss, weil der Event Vögel beim Brüten stören könnten! Das ist einigermaßen zynisch.

Ebenfalls daheim schaute ich nach, wie viele Zuschauer zu den beiden großen Sommerfestivals, Rock am Ring und Rock im Park, kommen und wie groß die jeweiligen Flächen sind. Am Nürburgring sind es bis zu 80.000 Leute, die ungefähr 70.000 Quadratmeter zum Gucken, Hören, Jubeln und Tanzen haben; das Zeppelinfeld in Nürnberg ist deutlich über 80.000 Quadratmeter groß und hat bis zu knapp 90.000 Fans aufgenommen. Damit liegen die Quoten „Zuschauer pro Quadratmeter“ bei beiden Festivals bei ca. 1,1. Nun ist es bei Festivals aber auch so, dass nicht bei jedem einzelnen Gig immer alle Ticketinhaber im Zuschauerbereich zu finden sind. Beim Open-Air-Konzert eines einzelnen Künstlers aber schon. Womit klar war: 84.000 Inhaber von Ed-Sheeran-Tickets finden auf den 40.000 Quadratmetern freier Fläche auf dem Feld Nord 5 nicht genug Platz. Im Klartext: Die drei im Geländeplan grün markierten Felder sollen die Zuschauer aufnehmen (Quote dann < 1,0). Aber leider stehen auf den Feldern 4 und 6 jede Menge Bäume – die meisten von ihnen 35 bis 40 Jahre alt und viele durch die Düsseldorfer Baumschutzsatzsatzung gegen das Fällen geschützt. Hier sind sie also, die ominösen 104 Bäume, die noch ganz schnell umgehauen werden sollen, um Platz für die Fans des Sängers zu schaffen. Wobei ich nicht wirklich erkennen konnte, welche Bäume nun wirklich weg sollen – denn zusammen stehen auf den Feldern 4 und 6 mehr als 200 der Sauerstoffproduzenten.

Informationen dazu, geschweige denn detaillierte Pläne sind öffentlich nicht verfügbar. Schließlich läuft zurzeit erst das Genehmigungsverfahren für die Rodungs- und die nötigen Tiefbaumaßnahmen. Denn mit dem Umhauen der Bäume ist es ja nicht getan – um das Gelände für Open-Air-Events nutzbar zu machen, müssen diverse Wasser-, Abwasser-, Telekommunikations- und Elektroleitungen – die meisten davon unterirdisch – verlegt werden. Denn wenn sich 84.000 Zuschauer und ein Tross von bis zu 3.000 Leuten rund um die Veranstaltung selbst dort aufhalten, müssen sanitäre Einrichtungen vorhanden sein, Erste-Hilfe- und Notarztstationen und die gastronomischen Einrichtungen, die für Essen und Trinken sorgen – von den Sicherheitseinrichtungen, die ja auch nicht bloß aus Zäunen bestehen können, ganz zu schweigen.

Dass die Vorbereitungen jetzt so chaotisch verlaufen, hat einen einfachen Grund: Eigentlich hatten Brill und seine MitstreiterInnen geplant, den Open-Air-Park in aller Ruhe und mit der nötigen Sorgfalt einzurichten und dann erst nach Künstlern bzw. Veranstaltern zu suchen, die diese Fläche bespielen könnten. So wie es aussieht, war es wieder einmal der übereifrige Oberbürgermeister Thomas Geisel, der darauf drängte, JETZT SOFORT Ed Sheeran zu holen, als er von der Absage der Veranstaltung am Flughafen Essen-Mülheim erfuhr. Nun sind sowohl Geisel, als auch Brill als Männer schneller Entschlüsse bekannt, die gern etwas zusagen, bevor überhaupt die rechtlichen und/oder wirtschaftlichen Voraussetzungen vorliegen; in diesem Fall die Zustimmung des Rates der Stadt für das beschleunigte Genehmigungsverfahren.

Am 13. Juni wird der Rat tagen, den OB befragen und dann abstimmen. Die Fraktion der Grünen hat bereits bekanntgegeben, dass sie der nötigen Ausnahmegenehmigung NICHT zustimmen werden. Die CDU zeigt sich verärgert und will sich die Begründungen des OB erst einmal anhören. Die FDP hat sich vor Wochen für die Veranstaltung (und damit die Ausnahmegenehmigung) entschieden, will für die endgültige Zustimmung aber erst ein schlüssiges Sicherheitskonzept sehen. Als der „Panikforscher“ Michael Schreckenberg öffentlich zu bedenken gab, dass das sorgfältige Erarbeiten eines Sicherheitsplans in der Kürze der Zeit nicht möglich sei, musste er sich von Geisel mit der Bemerkung abkanzeln lassen, man arbeite bereits seit März an einem solchen Konzept.

Als ich gestern vor Ort war, sah – außer den Netzen auf den Grünflächen – nichts danach aus, dass in sechs Wochen dort an die 90.000 Menschen im Umfeld eines Popkonzerts durcheinander wuseln würden. Und erst angesichts der konkreten Situation wurde mir klar, dass nur deshalb über hundert Bäume sterben sollen, weil man um jeden Preis ein Event dieser Größe holen will. Denn immer noch bin ich der Ansicht, dass das Feld Nord 5 des Messeparkplatzes P1 im Prinzip für Open-Air-Veranstaltungen ganz gut geeignet ist, weil es mit dem ÖPNV und auch dem Individualverkehr auch aus größerer Entfernung gut zu erreichen ist und weil die Lärmbelastung der benachbarten Wohngebiete – die ja vom Flugverkehr und dem Autolärm der A44 betroffen sind – nur sehr punktuell steigern würde. Aber diese kahle Fläche reicht eben nur für maximal 50.000 Gäste, und da fragt sich dann schnell, ob Düsseldorf einen Open-Air-Park dieser Größe wirklich braucht.

Hier ein Rundblick über das Feld Nord 5:

Ortstermin: Open-Air-Gelände auf dem Messeparkplatz

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1 Kommentar

  1. Als ich letztes vorletztes Wochenende ebenda auf dem Trödelmarkt war, ist mir aufgefallen, dass insbesondere das Lärmthema viel größer ist, als vermutet.
    Sicherlich ist die Belastung für Anwohner halbwegs überschaubar, weil die nun mal den Flughafen jeden Tag haben, aber als ich dort stand erinnerte ich mich an zwei Dinge:
    1. ein 90 Sekunden-Takt für Starts/Landungen ist in DUS absolut nicht ungewöhnlich
    2. Mr. Sheerans großer Hit Perfect dauert rund 3 Minuten, mit Ansagen und Mitsingen eher 4
    Das bedeutet voraussichtlich drei Flugbewegungen während einer eher ruhigen Ballade.
    das war es dann mit Romantik!
    Vielleicht fahre ich dann ja mal zum Konzert, mache es mir außerhalb des Zaunes mit meiner Partnerin gemütlich und freue mich während „Perfect“ darüber, keine knapp 100,-€ für die Tickets gezahlt zu haben?

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