Laut einer Statistik gibt es in Düsseldorf 24 Hundeschulen – nicht einfach, die passenden für den eigenen besten Freund zu finden…

Bericht · Die Corona-Pandemie hat viele Menschen, auch in Düsseldorf, auf den Hund gebracht. Unter denjenigen, die sich in den letzten zwei Jahren einen Fellträger ins Haus geholt haben, sind sehr viele Neuhundehalter:innen. Leider haben sich gerade die für eine Welpe entschieden, wo doch die Tierheime immer noch voll mit Tölen sind, mit denen der Umgang leichter fällt. Immerhin setzt ein großer Teil der neuen Welpenbesitzer:innen auf eine ordentliche Ausbildung. Doch es ist nicht einfach, die richtige Hundeschule, die passende Welpengruppe oder den:die optimale Trainer:in zu finden. Wir erklären, worauf Sie achten sollten. [Lesezeit ca. 5 min]

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Das große Verdienst des bekannten Hundelehrers Martin Rütters ist es, mit ungezählten Vorurteilen gegen das Hundeverhalten aufgeräumt und den Zuschauenden seiner TV-Sendungen klargemacht zu haben, dass a) das Vermenschlichen des Fiffis dem schadet und b) das Problem meist am oberen Ende der Leine sitzt. Kontraproduktiv waren dagegen die Sendungen des in Deutschland als Tierquäler anerkannten US-Typen Cesar Milan, in denen vor allem sogenannte „Problemhunde“ im Mittelpunkt standen – Milan und seine vielen hiesigen Jünger:innen haben den Deutschen den Floh vom Problemhund ins Ohr gesetzt.

Und so nehmen fast nur noch Leute die Dienste von Hundeschulen und -trainer:innen in Anspruch, die ihrem Waldi ein sogenanntes „unerwünschtes Verhalten“ eingepflanzt haben. Diese Verhaltensweisen (Leinenpöbeln, Aggression gegen die Familie, Fresssucht, Zerstören von Sachen etc.) werden aber, das sind sich die Expert:innen einig, im Welpenalter angelegt. Überhaupt: In der Zeit zwischen etwa der zwölften Lebenswoche und dem vollendeten ersten Lebensjahr nimmt Hasso sein Repertoire an Verhaltensweisen im Umgang mit der Menschenwelt auf. Weil ihm dabei nur erfahrene Hundemenschen helfen können, ist Neulingen der Hundehaltung dringend angeraten, den jungen Liebling professionell ausbilden zu lassen.

Das korrekte Verhalten gegenüber erwachsenen Hunden muss die Welpe lernen (Foto: TD)

Das korrekte Verhalten gegenüber erwachsenen Hunden muss die Welpe lernen (Foto: TD)

Ja, als Windhundhalter, der auf straffreie und belohnungsarmen Umgang mit den dünnen Rennern setzt, rede ich immer von „Ausbildung“ und nicht von „Erziehung“, denn das ist Begriff, der ganz grundsätzlich nicht zum Miteinander von Mensch und Hund passt. Was also muss die Welpe eigentlich lernen? Thema Nummer 1 heißt: „Sicherheit“. Gerade in der Stadt, in der die Gefahr für Leib und Leben der Fellnasen vom Straßenverkehr ausgeht, muss der Hund führbar sein – dazu später mehr. Thema Nummer 2 lautet: Sozialverhalten. Unser Hundchen muss lernen sich den anderen Familienmitgliedern, Besuchern, fremden Menschen, anderen Hunden und anderen Haus- und Nutztieren gegenüber angemessen zu verhalten.

Die gute Nachricht ist: Die Erforschung der Neurobiologie des Canis familiaris hat in Übereinstimmung mit der zuständigen Verhaltensforschung ergeben, dass solch ein Hund in der Lage ist, zwei voneinander unabhängige Sätze an Verhaltensweise auszubilden: einen für den Umgang mit den Menschen, einen für den Umgang mit Artgenossen. Wer also immer noch meint, ein Mensch könne „Rudelführer“ sein, irrt. Für den Hund ist der Mensch ein Mensch. Das hat sich in mindestens 12.000 Jahren Ko-Evolution in die Gene des Haushundes eingeprägt. Und weil dieser Haushund kollektiv über mehrere Hundert Generationen „gelernt“ hat, dass er über alles gesehen vom Menschen profitiert, wird er mehr oder weniger intensiv versuchen, „seinen“ Menschen zu gefallen und seinen rassespezifischen Dienst zu verrichten.

Junge Hunde raufen gern (Foto: TD)

Junge Hunde raufen gern (Foto: TD)

Dies alles herauszuarbeiten und zu verfestigen, ist die eigentliche Aufgabe von Welpenschulen. Der Teil mit dem Sozialverhalten gegenüber Artgenossen ist für Junghunde der einfachste: Er erlernt es im freien Spiel in der Welpengruppe, in deren Toben und Treiben die Trainer:innen so wenig wie möglich eingreifen. Notabene: Die Teilnahme an einer Welpengruppe im Alter zwischen etwa drei und sechs Monaten ist durch nichts zu ersetzen! Hundeschulen, die dergleichen nicht anbieten, sollten sofort durchs Raster fallen.

Das Stichwort beim Sicherheitsaspekt lautet: Begleithund. Genießt der Junghund ab – je nach Rasse – etwa dem achten oder neuen Lebensmonat eine formale Begleithundausbildung, wird er sich zusammen mit seinem Frauchen und/oder Herrchen den Rest seines Lebens sicher in der Stadt bewegen können. Als erstes lernt der Vierbeiner ordentlich an der Leine zu gehen. Und zwar nicht nur geradeaus, sondern mit raschen Wendungen, unerwarteten Stopps, treppauf, treppab, über furchterregenden Untergrund und durch dunkle Gänge. Das ist schon mehr als die halbe Miete. Soll er später sogar die Begleithundprüfung erfolgreich ablegen, folgt eine ganze Reihe weiterer Lektionen.

Schwimmenlernen kann auch Teil der Ausbildung sein (Foto: TD)

Schwimmenlernen kann auch Teil der Ausbildung sein (Foto: TD)

Zur Sicherheit zählt übrigens auch, dass Waldi nichts Fressbares aufnimmt ohne sich vorher das Okay von seiner:m Halter:in zu holen. Und dann ist da noch das Verhalten im Freigelände, also überall dort, wo Fiffi leinenlos rumrennen und schnüffeln darf. Denn dort muss er jederzeit – über die jeweils rassebedingte Distanz – abrufbar sein. Ruft oder pfeift Frauchen oder Herrchen, sollte die Fellnase abbrechen, was sie gerade tut, und zu seinen Leute zurückkehren. Oder: Man lässt den Struppi sich ablegen und macht ihm deutlich, er möge so lange verharren bis er explizit gerufen wird.

7 Fragen zur Auswahl der richtigen Welpenschule:

  1. Bietet die Hundeschule / der:die Trainer:in eine Welpengruppe mit mindesten fünf ungefähr gleichaltrigen Hunden für das freie Sozialspiel an?
  2. Schließt sich an die Welpengruppe eine Junghundegruppe für das gemeinsame Traing von mindestens fünf ungefähr gleichaltrigen Hunden an?
  3. Bietet die Hundeschule / der:die Trainer:in mindestens einmal pro Woche eine Stunde für die Grundausbildung (Sitz, Platz, Bleib, Komm) an?
  4. Bietet die Hundeschule / der:die Trainer:in Antiangst-Übungen (Bewegen bei lautem Autoverkehr, Gehen über unsicheren Untergrund, plötzliche Geräusche etc.) an?
  5. Bietet die Hundeschule / der:die Trainer:in spezielle Übungen für die Leinenführigkeit an?
  6. Bietet die Hundeschule / der:die Trainer:in das Abruf-Training im Freigelände an?
  7. Bietet die Hundeschule / der:die Trainer:in optional die Ausbildung zum Begleithunde an?

Wenn Sie einer bei einer in Frage kommenden Hundeschule mindestens fünf Mal mit Ja antworten können, dürfte das Angebot für Sie und ihre Welpe richtig sein. Eine Auswahl an Hundeschulen in Düsseldorf finden Sie hier: diehundeschulen.de. Ein beachtenswertes Ranking gibt es hier. Die Preise für Übungsstunden variieren sehr stark, am preiswertesten ist die Ausbildung in einem Hundesportverein wie dem HSV Golzheim, den ich ausdrücklich empfehle. Der Verein hat ein großes Gelände und verfügt über mehrere sehr, sehr erfahrene Trainer:innen.

Generell gilt: Schauen Sie sich genau an, wo und unter welchen Umständen die Welpenschule stattfindet; gerade bei Angeboten, die in öffentlichen Parks oder Auslaufplätzen stattfinden, ist Vorsicht geboten. Sprechen Sie mit den Trainer:innen und vereinbaren Sie – sofern möglich – eine Teststunde. Und wenn Sie merken, dass Sie und auch ihr Welpe mit der gewählten Welpengruppe bzw. -schule nicht klarkommen, wechseln Sie. Denken Sie daran: Alles, was Ihr Wauwau im ersten Lebensjahr lernt, wird ihn sein ganz Leben lang prägen – positiv, aber möglicherweise auch negativ.

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