Bericht · In der ersten Folge haben wir das nicht ganz so bekannte Schloss Garath und das weltberühmte Schloss Benrath vorgestellt. Dieses Mal geht es um drei kleinere Schlösser, die allesamt kommerziell genutzt werden. Während das Schloss Eller von der IDR getragen wird und für Veranstaltungen gemietet werden kann, dient das Schloss Elbroich als Gäste- und Tagungshaus der Heinrich-Heine-Uni; im Schloss Mickeln ist eine Privatklinik untergebracht. [Lesezeit ca. 6 min]

3. Schloss Eller – Das Haus der Gräfin Luise von Preußen

Machen wir uns nichts vor: Dieses sogenannte „Schloss“ ist quasi ein Neubau. Denn eigentlich stand hier eine wehrhafte Wasserburg wie sie am Niederrhein gang und gäbe waren. Die wurde 1309 erstmals urkundlich erwähnt, das Geschlecht der Burgherren, derer von Elneren, hat sich aber schon um 1151 einen Namen gemacht und war zeitweise der größte Grundbesitzer auf dem Gebiet des heutigen Düsseldorfs. Die stolzen Burgherren widersetzten sich selbst dem mächtigen Grafen Adolf von Berg (dem Düsseldorfer Stadtgründer), der aber 1424 kurzen Prozess machte und die Burg eroberte. Dieses ursprüngliche Bauwerk, das wohl eher nicht durchweg aus Stein war und weder einen Graben noch ernstzunehmende Befestigungen besaß, wurde 1448 abgerissen und durch eine „moderne“ Wasserburg ersetzt. Die wird allerdings wenig spektakulär gewesen sein, denn es existieren keine Abbildungen des Gemäuers.

Am Schloss Eller; durch den Park fließt der Eselsbach, der auch den Schlossgraben speist (Foto: A. Otto für TD)

Am Schloss Eller; durch den Park fließt der Eselsbach, der auch den Schlossgraben speist (Foto: A. Otto für TD)

Das wechselte in den folgenden rund 350 Jahren häufig den Besitzer, wurde auf unterschiedliche Weise genutzt und verfiel nach und nach. Im Zuge des Wiener Kongresses fiel die marode Burg nach 1815 an die Preußen. Die wiederum verkauften sie 1823 an den preußischen Kammerherrn Carl von Plessen, der zuvor schon dort gewohnt hatte. Der Freiherr ließ die Burg direkt nach dem Kauf bis auf den Turm abtragen und rund um den einen Herrensitz im klassizistischen Stil errichten – das heutige Schloss Eller. Das alles ist nicht besonders gut dokumentiert. Man vermutet, dass Adolph von Vagedes das Bauwerk entworfen hat. Auch bei der Frage, wer den weitläufigen Schlosspark gezeichnet hat, herrscht Unklarheit. Man geht davon aus, dass es Maximilian Friedrich Weyhe war, für den auf der Schlossinsel auch ein Gedenkstein errichtet wurde, gesichert ist das aber nicht.

1826 war der Neubau fertig. Plessen aber hatte Heimweh, und 1838 verkaufte er das Schloss, um in seine mecklenburgische Heimat zurückzukehren. In den Folgejahren wechselten die Besitzer wieder häufig. Ab 1821 war Friedrich von Preußen Divisionskommandeur in Düsseldorf und lebte mit seiner Frau Luise im stadtnahen Schloss Jägerhof, von wo aus die Familie gelegentliche Ausflüge in den Eller Schlosspark unternahm. Weil Friedrich, Luise und die Kinder im Schloss Jägerhof nur „Mieter“ waren, erwarb die Familie das Schloss Eller im Jahr 1843. Die bei den Düsseldorfern äußerst beliebte Prinzessin Luise von Anhalt-Bernburg und Preußen litt zunehmend unter psychotischen Persönlichkeitsstörungen, die man aus heutiger Sicht wohl Schizophrenie nennen würde. Wegen der revolutionären Situation um 1848 wurde der Prinz nach Berlin beordert; er und seine Gattin besuchten Düsseldorf aber weiter regelmäßig – und ihr Zustand verschlechterte sich zunehmen.

Google-Map: Schloss Eller und Schlosspark

Google-Map: Schloss Eller und Schlosspark

1855 blieb sie nach einem dieser Besuche in Düsseldorf. Von nun an bis zu ihrem Tod im Jahr 1882 lebte sie bestens betreut von einem kleinen Hofstaat auf Schloss Eller, während der Gatte dienstlich in Berlin zu bleiben hatte. Aber jedes Jahr kam er aufs Schloss, um den gemeinsamen Geburtstag zu feiern, denn sie waren beide am selben Datum geboren. Luise war eine begabte Zeichnerin und Malerin. Ihr Zustand war ausgesprochen wechselhaft, aber in den klaren Phasen schuf sie vor allem Bilder vom Schloss, vom Park und von der Umgebung. Außerdem beteiligte sie sich bis ins hohe Alter aktiv an der Gartenarbeit.

Ihr Sohn verkaufte das Anwesen nach ihrem Tod an den Holzgroßhändler Vohwinkel. Nach seinem Tod im Jahr 1900 fiel Schloss Eller an seinen Schwiegersohn Hermann von Krüger. Der ließ nicht nur diverse Anbauten und den Gutshof errichten, sondern den Park über den Eselsbach hinaus erweitern. 1919 sorgte die neue deutsche Republik für diverse Enteignungen, so auch im Fall von Krüger, der – finanziell entschädigt – sämtlichen Grundbesitz außer den unmittelbar zum Schloss gehörenden Grundstücken und den alten Teil des Schlossparks verlor. Er und seine Frau blieben kinderlos und verkauften das Anwesen 1938 für 2,4 Millionen Reichsmark an die Stadt Düsseldorf; sie selbst erhielten ein lebenslanges Wohnrecht im Schloss.

Also ist das Schloss Eller seit 1838 im städtischen Besitz; genauer gesagt: im Besitz der städtischen Immobilienfirma IDR. Der fiel die Anlage 2008 zu, nachdem das Schloss sieben Jahre lang leer gestanden hatte. Zuvor hatte der damalige OB Erwin, selbst Mitglied im Verwaltungsrat der Provinzial Rheinland, versucht, dem Versicherungskonzern die Nutzung qua Erbbaurecht zuzuschanzen. Die IDR als Betreiberin des Herrenhauses vermietet die Räumlichkeiten für Tagungen, Seminare, Hochzeiten, öffentliche Empfänge und private Feiern. Das Inneren des Schlosses (das ja irgendwie auch den Düsseldorfer Bürger:innen gehört) ist nur einmal im Jahr im Rahmen des Herbstfestivals Schloss Eller kostenpflichtig(!) zu besichtigen.

4. Schloss Elbroich – Firmengebäude mit herrlichem Park

Über die Geschichte dieses Schlosses vor dem 17. Jahrhundert weiß man nicht viel, weil das zuständige Archiv im zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört wurde. Die Historiker konnten nur rekonstruieren, dass an der heutigen Stelle möglicherweise schon im 12. Jahrhundert ein Rittergut bestanden hat. Um 1679 ging das Anwesen, das vermutlich gerade erst neu erbaut worden war, an die Herren von der Horst. 1748 kamen einige Anbauten hinzu. Als Nicolas de Pigage den Park am Schloss Benrath anlegte, wurde zu dessen Bewässerung die Itter umgeleitet, sodass der Graben von Haus Elbroich trockenfiel.

Schloss Elbroich in seinem heutigen Zustand (Foto: privat)

Schloss Elbroich in seinem heutigen Zustand (Foto: privat)

Als die Mutter des Bankiers Trinkaus 1852 das Anwesen kaufte, war von einem Schloss nicht die Rede. Der Grund für den Erwerb war vermutlich, dass der jeweilige Besitzer automatisch Mitglied der preußischen Kreis- und Landtage wurde, also dort das Stimmrecht ausüben konnte. Nach dem Kauf wurde das Herrenhaus umfassend renoviert und der Park deutlich ausgeweitet. 1895 übernahm dann der Sohn des Gründers der Gerresheimer Glashütte, Hermann Heye, die gesamte Anlage – nicht in erster Linie, um dort zu wohnen, sondern weil er damit ins boomende Immobiliengeschäft einsteigen wollte.

Google-Map: Schloss Elbroich in Hothausen

Google-Map: Schloss Elbroich in Hothausen

Aus diesem Unternehmen entstand später die IDR (Industrieterrains Reisholz), heute ein städtisches Unternehmen. Heyes Erben schenkten Schloss Elbroich 1954 der Caritas, die es als Kinderheim nutzte. Grund für die Schenkung waren vermutlich die hohen Unterhaltskosten. 1989 verkaufte die Caritas an ein Beratungsunternehmen, das im Herrenhaus bis heute Managementschulungen abhält.

5. Schloss Mickeln – das Tagungs- und Gästehaus der Uni

Am Schloss Mickeln wird – mehr noch als am Schloss Elbroich – deutlich, wie missverständlich der Begriff Schloss wirklich ist. Ohnehin nannte man es – noch eine Parallele zu Elbroich – eigentlich immer nur das Haus Mickeln. Ob auch dieses ein ehemaliges Rittergut war, ist zweifelhaft. Als Haus Mickeln findet es jedenfalls schon um das Jahr 1210 Erwähnung. Wie gesagt: Nicht jedes Haus, das heute „Schloss“ genannt wird, hatte einen adligen Besitzer. Zumal bei Mickeln unklar ist, wie die Bebauung vor dem 16. Jahrhundert aussah. Das eigentliche Herrenhaus brannte 1836 ab, die Reste wurden abgerissen, um hier eine Villa im klassizistischen Stil zu errichten.

Das wunderschöne Herrenhaus Mickeln (Foto via Wikimedia - siehe Bildnachweis unten)

Das wunderschöne Herrenhaus Mickeln (Foto via Wikimedia – siehe Bildnachweis unten)

Zu diesem Zeitpunkt gehörte das Anwesen, zu dem auch zwei Gutshöfe zählten dem Prosper Ludwig von Arenberg, der vom Architekten Josef Niehaus dort eine Sommerresidenz bauen ließ; als Vorlage dienten vor allem Stiche von Villen des Architekten Galeazzo Alessi aus dem 16. Jahrhundert. Der Park wurde ab 1846 vom Hofgarten-Architekten Maximillian Friedrich Weyhe angelegt. Schloss und Park ist bis heute im Besitz des Adelsgeschlecht von Arenberg. Weil der Park zunehmend verwilderte, pachtete die Stadt Düsseldorf die Anlage.

Google-Maps: Schloss Mickeln in Himmelgeist

Google-Maps: Schloss Mickeln in Himmelgeist

Der Park wurde sukzessive hergerichtet und ist allgemein zugänglich. Seit 2000 nutzt die Heinrich-Heine-Universität Schloss Mickeln als Tagungs- und Gästehaus, deswegen kann es nicht besichtigt werden.

[Bildnachweis – Titelbild: Pitlane02 via https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2010-03-06_Schloss_Eller.jpg unter der Lizenz CC BY-SA 3.0; Schloss Mickeln: Tom K. via Wikimedia unter der Lizenz CC BY 2.0]

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