Bericht · Bereits in unserer Geschichte über die Jagenberg-Werke haben wir dieses ungewöhnliche Bauwerk vom Beginn des 20. Jahrhunderts erwähnt, und auch in unserem Artikel über die Jazz-Schmiede kommt der sogenannte Salzmann-Bau vor. Dieses einzigartige Stück Architektur mit seiner Kachelfassade hat nicht einfach überlebt, es wurde die Initiative vieler Bürger:innen gerettet und einer neuen Nutzung zugeführt. [Lesezeit ca. 4 min]

Wer die ganze Historie der ehemaligen Fabrik zwischen der Uhlenberg- und der Himmelgeister Straße erfahren möchte, sollte sich unbedingt die hervorragend gemachte Website der Offenen Radiowerkstatt ansehen, die wirklich alle verfügbaren Informationen zum ehemaligen Jagenberg-Hauptquartier gut aufbereitet präsentiert. Sie bildet die Basis für diesen Artikel.

Google-Map: Der Salzmannbau zwischen der Uhlenberg- und der Himmelgeister Straße

Google-Map: Der Salzmannbau zwischen der Uhlenberg- und der Himmelgeister Straße

Jagenberg war um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert das weltweit führende Unternehmen der Papierverarbeitung, auf Messen und Ausstellungen im In- und Ausland, vor allem in den USA vielfach ausgezeichnet und ab 1890 ständig expandierend. Alle paar Jahre musste die Firma umziehen, und um 1900 herum war klar, dass man auf einem ausreichend großen Gelände eine neue Fabrik würde errichten müssen, die zudem von Beginn an auf Erweiterung ausgerichtet war.

So sah es in den Jagenberg-Hallen im Salzmannbau aus

So sah es in den Jagenberg-Hallen im Salzmannbau aus

In Heinrich Salzmann fand man einen freischaffenden Architekten, der sich in der Gründerzeit fast ganz auf Industriebauten spezialisiert hatte. Salzmann entwarf und baute nicht nur für Jagenberg, sondern für eine ganze Reihe damals boomender Unternehmen. Viele dieser Bauten existieren nicht mehr, weil Fabrikhallen oft nur ein kurzes Leben hatten und im zweiten Weltkrieg auch die älteren Gebäude zerstört waren. Sein Konzept war aus damaliger Sicht ultramodern. Denn er hatte ein Baukastensystem im Sinn, das die stetige Erweiterung nach immergleichen Plänen ermöglichte.

Künstlerische Darstellung des Jagenberg-Werks in Bilk von 1906

Künstlerische Darstellung des Jagenberg-Werks in Bilk von 1906

Tatsächlich wurde 1906 zunächst das zentrale Verwaltungsgebäude fertig; die Produktion lief weiter auf den Firmengeländen an der Reichs- und der Konkordiastraße sowie bei der frisch übernommenen Firma Klein, Hundt & Co. Während also der erste Bauabschnitt bereits genutzt wurde, entstanden bis 1913 der Ostflügel sowie die ersten Erweiterungen in Richtung Merowingerstraße. Ende der Zwanzigerjahre wurde ein weiterer Querflügel angebaut. 1949 setzte man ein neues, für Zeichensäle nutzbares Dachgeschoss aufs Hauptgebäude. Hochmodern auch die Stahlskelettbauweise, mit der um 1900 herum nicht viele Architekten Erfahrung hatten. Das heißt auch: Die markante Fassade mit den vielen weißen und den wenigen grünen Kacheln hängt vor der tragenden Konstruktion.

Emil Jagenberg mit seinem E-Auto vor dem Haupteingang

Emil Jagenberg mit seinem E-Auto vor dem Haupteingang

Produziert wurde an der Uhlenbergstraße also ab 1908 bis zur endgültigen Aufgabe der Fabrik im Jahr 1984 als Jagenberg mit der Herstellung komplett nach Neuss umzog und einen modernen Verwaltungssitz am Kennedydamm bezog. Bald wurde bekannt, dass die Stadt den Abriss der Salzmann-Bauten plante, um das Grundstück Immobilienentwicklern in die Hände zu geben, die dort vor allem Büros und Luxuswohnungen errichten wollten. Tatsächlich aber bezogen schon im Winter nach dem Beginn des Leerstands Düsseldorfer Künstler:innen illegal Teile des mittleren Querflügels, um die Räume als Ateliers und für Ausstellungen zu nutzen.

So sah es in der Jagenberg-Fabrik nach dem Aus in den 80ern aus (Foto: salzmannbau.de)

So sah es in der Jagenberg-Fabrik nach dem Aus in den 80ern aus (Foto: salzmannbau.de)

Gleichzeitig arbeitet die sogenannte Projektgruppe Jagenberg, ein Zusammenschluss von Architekt:innen und Stadtplaner:innen, eine Alternativplanung vor, nach der die Salzmannbauten erhalten bleiben und für Wohnen, Arbeiten und Kultur genutzt werden sollten. Im November 1984 gründet sich die Initiative Uns Jagenberg, und schon im Dezember 1984 beschließt der Rat der Stadt, das Gesamtensemble unter Denkmalschutz zu stellen – der Abriss ist vom Tisch. Der Rest ist Geschichte: Der Verein Leben in der Fabrik e.V. entsteht im September 1985 aus der Projektgruppe und der Initiative und entwickelt ein umfassendes Konzept für die alternative Nutzung.

Heute gibt es neben Wohnungen, Künstlerateliers (teils als Atelierwohnungen) Büros für Vereine, gemeinnützige Initiativen und städtische Einrichtungen des Jugendamtes und des Kulturamtes (u. a. das Bürgerhaus Salzmannbau und den Neuen Kunstraum Düsseldorf) und in der ehemaligen Werksschmiede die inzwischen international renommierte Jazz-Schmiede, die seit 1995 von einem Verein betrieben wird. Zwischen 1991 und 1994 wird der gesamte Gebäudekomplex grundlegend saniert und den geplanten Nutzungen entsprechend umgebaut.

[Bildnachweis – wo nicht anders genannt stammen die Fotos aus dem Unternehmensarchiv der Jagenberg AG; Titelbild: Wiegels via Wikimedia unter der Lizenz CC BY 3.0;]

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