Vor ein paar Monaten meinte der Chefred, ich solle mich mal für Düsseldorfer Originale interessieren und gab mir ein paar Lesetipps. Gemeint sind Menschen, die keine Imitate sind, sondern echte, eigenständige Männer und Frauen, die sich ihr Leben lang an keine Norm halten und aus Sicht der braven Bürger irgendwie skurril sind. Davon gab und gibt es in Düsseldorf viele Exemplare. Ein besonderer Vertreter dieser Gattung genießt das Privileg, dass sein Spitzname sogar zweimal (manche meinen sogar dreimal) vergeben wurde, wobei wir heute nach dem ersten Mister X suchen, der vor mehr als 150 Jahren ein ziemlich fröhlicher und äußerst populärer Rebell war, der genauso aussah wie man sich einen Vertreter seines, ähem, Berufes vorstellt. Der andere war ein Enkel des ersten, konnte aber bis aufs Pittoreske seinem Oppa nicht das Wasser reichen.

Frage: Wie nannte man beide Originale: Muggel

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Fünf Lösungsvorschläge, fünf richtige Antworten. Gemeint war der berühmte Wilddieb Johann Muckel, den sie in Düsseldorf kurz und liebevoll “Muggel” nannten. Wilddieb in Düsseldorf? Zu Lebzeiten des ersten Muggel (1814 ~ 1882) waren Düsseldorf und die Nachbarorte Kaiserswerth, Angermund, Gerresheim, Flingern und Bilk noch von erheblich viel Wald umgeben, der fast durchweg in adligem Besitz war. Deshalb durften nur die Grafen und Landedelleute sowie ihr Gesindel dort jagen, was sie vorwiegend aus Spaßgründen taten. Der Johann Muckel wurde in Lintorf geboren, das mittendrin in adligen Wäldern lag und lernte früh, dass sich auch arme Menschen ganz gut von Wildbret ernähren können. Also schlug er eine Laufbahn als Wild- und Holzdieb ein und wurde in diesem Beruf äußerst erfolgreich.

Tatsächlich schlug der Wilderer, den der Düsseldorfer Maler Carl Maria Seyppel so schön porträtiert hat, aber eher nicht zu, um das Fleisch an die Armen zu verteilen – er war eher ein Auftragskiller, der Bestellungen von Gastwirten und Bürgern Düsseldorfs entgegennahm und die gewünschte Beute gegen ordentliche Bezahlung lieferte. Weil praktisch alle Düsseldorfer den Muggel und sein Tun kannten und gern mal einen Bock oder eine Sau aßen, war dieser Johann Muckel ausgesprochen populär. Auch, weil er sich mit seinem Gewerbe immer und immer wieder in scharfem Kampf gegen die preußische Obrigkeit bewährte – und alles, was gegen die Preußen ging, fanden die Bürger der Stadt gut.

Treppenwitz der Geschichte ist, dass ausgerechnet der preußische Kronprinz Friedrich, Gatte der Prinzessin Luise, erfolgreich ein Gnadengesuch für den Muggel einreichte, der eigentlich immer, wenn er gerade nicht durch die Wälder streifte, im Kaschott (dem Stadtgefängnis) saß. Dieses Gnadengesuch gehörte zu den PR-Maßnahmen des Divisionskommandeurs, der sich so bei den Düsseldorfern beliebt machte.

Immer wieder wird behauptet, der zweite Muggel, ein gewisser Johann Anton Hubert Wilhelm Muckel (1872 ~ 1943), sei der Enkel des Wilddiebs gewesen – bewiesen ist das nicht. Außerdem verbindet die beiden wenig. Der Pitter Muggel war ein wohnungsloser Lebenskünstler, der sich vorwiegend linksrheinisch und in der Altstadt herumtrieb und sich seinen Lebensunterhalt zusammenschnorrte. Nach dem ersten Weltkrieg war er bei den Studenten der Kunstakademie höchst beliebt und saß denen gegen eine geringe Gebühr Modell – wegen seines weißen Vollbarts meistens als Landstreicher. Weil er später in Oberkassel eine Behausung gefunden hatte, gilt der als Namenspatron des berühmten Cafés Muggel auf der Dominikanerstraße.

Hans Seyppel, ein Nachfahre des erwähnten Kunstmalers, hat zwei feine Bände über Düsseldorfer Originale herausgebracht, die leider vergriffen sind. Und der behauptet, es habe als dritten Muggel einen weithin bekannten, verhaltensauffälligen Lehrer gegeben, der so von seinen Schülern genannt wurde. Darüber habe ich ansonsten nichts gefunden…

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