Welcher Freund des getretenen Rundballs, der eventuell sogar Fan der Düsseldorfer Fortuna ist, erinnert sich nicht gern an das kleine Ausweichstadion, in dem das damalige F95-Team im Jahr 2011 drei Heimspiele austrug, weil die Arena selbst für den European Song-Contest blockiert war? Noch heute weiß fast jeder was gemeint ist, wenn von der „Lenarena“ die Rede ist. Dies als Beispiel dafür, dass ungewöhnliche Situationen ungewöhnliche Maßnahmen verlangen. Etwas Ähnliches ereignete sich in Düsseldorf aber etliche Jahre früher schon einmal. Da ging es auch um ein sportliches Ereignis, für das man etwas bis heute Einzigartiges auf die Beine stellte.

1. Um welches sportliche Ereignis geht es: Halbfinale Davis-Cup 1970 zwischen Deutschland und Spanien
2. Wo fand es statt: Im Düsseldorfer Rheinstadion auf Asphalt
3. Wann fand es statt: 14. bis 17.08.1970

Aus irgendeinem Grund begeisterten wir uns so etwa ab 1968 für Tennis. Mag daran gelegen haben, dass wir als Schüler unter der Woche freien Eintritt im Rochusclub hatten, wenn dort das große Turnier lief. Ja, man konnte sich sogar spontan als Linienrichter melden und wurde dann nach einer kurzen Befragung auch tatsächlich bei den Vorrundenpartien eingesetzt. Ich erinnere mich noch gut an den walisischen Spieler Gerald Battrick, der mich wegen einer vermeintlichen Fehlentscheidung nach einem Aufschlag verprügeln wollte und sich dann weigerte weiterzuspielen, so lange ich auf dem Platz stünde. Ich wurde dann ausgetauscht – aber sonst waren die Helden des weißen Sports eigentlich immer ganz zufrieden mit mir.
Natürlich war Wilhlem Bungert unser Idol, der einzige deutsche Tennisspieler, der in den Sechzigerjahren überhaupt mit den Amerikanern und Australiern mithalten konnte. Und dann der Davis-Cup 1970 mit der Skandalbegegnung in Poona, Indien, wo der indische Verband alles dafür tat, dass die Deutschen Cracks nicht gewinnen konnte. So hatte man Tenniscourts im Cricket-Stadion auf dem speziellen Rasen angelegt, den die indischen Spieler gut kannten. Trotzdem gewannen Bungert und Kuhnke 5:0. Und nun musste sie auch gegen Spanien mit den Weltranglisten-Topspielern Orantes und Santana gewinnen, um ins Endspiel einzuziehen. Das DTB-Team hatte das Heimrecht, und wegen des Renomees des Rochusclubs war Düsseldorf als Austragungsort gewählt worden. Ursprünglich sollten die fünf Partien zwischen dem 14. und dem 17. August auch oben am Grafenberg stattfinden, aber allen Beteiligten war klar, dass unsere Vertreter auf Asche keine Chance gegen die Spanier haben würden.
Und so entstand die Idee, auf Asphalt spielen zu lassen, dem schnellsten aller Beläge. Da traf es sich gut, dass gerade der Bau der Haupttribüne des Rheinstadions in Vorbereitung auf die Fußball-WM 1974 im Gange war. Also ließ man ein paar Tage vor dem Beginn des Halbfinales einen Asphalt-Court in der nordwestlichen Ecke des Stadions gießen. Außerdem stattete man einen Teil der noch nicht fertigen Haupttribüne mit Sitzschalen für Zuschauer aus. Das musste ich miterleben! Weil die Begegnung mitten in den Sommerferien lag und der Eintritt für Schüler wieder kostenlos war, hatte ich das Glück, an den beiden Tagen des Triumphs live dabei zu sein. Zuvor hatte Wilhelm Bungert am Freitag gegen Manuel Orantes in drei Sätzen – zweimal im Tiebreak – verloren, während Christian Kuhnke den spanischen Superstar Manuel Santana (1966 weltbester Spieler) in vier Sätzen bezwungen hatte. Am Samstag fertigte das deutsche Doppel dann die Spanier leicht in drei Sätzen ab, wobei der Sieg in dieser Partie zu mehr als 50 Prozent auf den Belag zurückzuführen war. Sonntag musste Kuhnke also gegen Orantes ran. Der war weder in Form, noch kam er mit dem Asphalt klar, sodass Kuhnke die ersten beiden Sätze leicht mit jeweils 6:3 gewann. Ich saß relativ hoch über dem Court als es im dritten Satz zu tröpfeln begann. Regen auf einem Asphaltplatz ging und geht gar nicht. Kuhnke führte 6:5 bei eigenem Aufschlag als das Spiel abgebrochen wurde. Während am Wochenende insgesamt fast 30.000 Zuschauer zugegen waren, hockten montagmittags kaum zwei-, dreihunert Leute auf der Tribüne. Bei strahlendem Sonnenschein übrigens. Und dann dauerte es nur 75 Sekunden – Kuhnke brachte seinen Aufschlag durch, gewann in drei Sätzen, und das deutsche Team lag uneinholbar mit 3:1 vorne, hatte so das sogenannte „Interzonen-Turnier“ gewonnen und war offiziell Herausforderer der US-Herren. Das bedeutunglose Einzel zwischen Santana, der damals schon seinen Zenit deutlich überschritten hatte, und Bungert gewann der deutsche Vertreter mühelos.

Der Trick mit dem Asphaltplatz erhitzte weltweit die Gemüter der Tennisfreunde. Natürlich war die Maßnahme vollkommen abgedeckt durch die Regularien, nach denen der Gastgeber den Platz und den Untergrund bestimmt, aber überwiegend beschuldigte man den DTB der Unfairness – und übersah, dass der indische Verband dasselbe mit den deutschen Herren veranstaltet hatte. Besonders heroisch war der Sieg aus einem anderen Grund: Während Orantes und Santana de facto Profis waren („echte“ Profis durften damals noch nicht am Davis-Cup teilnehmen), muss zumindest Christian Kuhne, der mitten in seinem Rechtsreferendiat steckte, als Amateur bezeichnet werden, während Wilhlem Bungert in seinem Sportartikel-Geschäft voll berufstätig war.

Der Bierpunkt geht glar an den Leser „mostertpoettchen“, der sich beim nächsten TD-Stammtisch aufschlagen und seinen Gewinn einlösen wird.
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4 Kommentare

  1. Thors Haedecke am

    1. Um welches sportliche Ereignis geht es? Ausweichstadion für Bayer Leverkusen
    2. Wo fand es statt? Esprit Arena
    3. Wann fand es statt? 2009

  2. mostertpoettchen am

    Tennis Davis-Cup Halbfinale – 4:1 gegen Spanien

    Rheinstadion-Baustelle – es wurde extra ein Platz aus Asphalt auf dem Rasen Angelegt

    14. – 17. August1970

  3. Das Spiele des Tennis-„World Team Cup“ im Eisstadion an der Brehmstraße stattgefunden haben war meiner Erinnerung nach nicht einmalig. Das kann also eigentlich nicht gemeint sein…

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