Zugegeben: Der AEV, der zwischen den Saisons kaum Wechsel in seinem Line-Up zu verzeichnen hatte, war als eingespieltes Team nicht eben der allerdankbarste Auftaktgegner, andererseits stellt er aber eines der Teams, die man beim Kampf um den Playoff-Platz im Blick haben muss und tunlichst hinter sich lassen sollte. Insofern war das Saisonauftaktmatch im Dome durchaus eine erste Standortbestimmung. Und die brachte Höhen, aber leider auch erwartbare Tiefen.

Die Anzahl der buchstäblichen Stockfehler und ungenauen Anspiele, gerade im eigenen Drittel, war jedenfalls frappierend und ist wohl nicht nur mit der Anzahl neuer Spieler zu erklären. Mitunter wirkte es so, als liege dies am arg holprigen Eis, aber als wirkliche Erklärung taugt das wohl nicht, denn dann hätte die Fehlerquote auf AEV-Seite ähnlich hoch liegen müssen. Lag sie aber nicht. Schreiben wir es also der Nervosität des ersten Saisonspiels zu und widmen uns dem Spielverlauf.

Positives aus dem Rückstand

Wenn man etwas Positives aus dem 0:1 ziehen möchte, dann: Einen derart desaströsen Fehlpass im eigenen Drittel wird man von Tim Conboy in dieser Saison vermutlich nicht noch einmal erleben. Wen oder was er auch immer gesehen haben will, da war weit und breit niemand außer AEV-Stürmer Evan Trapp, der diesen abenteuerlichen Pass hätte annehmen und humorlos versenken können. Ganz böses Geschenk. Kämpferisch war die DEG durchaus gut im Spiel, aber es mangelte an der Präzision, selbst eine lange 5:3-Überzahl brachte zwar einen Pfostenschuss, aber ansonsten nur hektische Abschlüsse aus schlechten Positionen. Wie man das besser macht, zeigten die Gäste wenige Minuten später, als sie keine 30 Sekunden brauchten, ihre eigene doppelte numerische Überlegenheit zum vielleicht nicht ganz unhaltbaren 0:2 auszunutzen (Davies).

Im zweiten Drittel gelang der Anschluss (Boyce nach schöner Vorarbeit Machacek), durchaus verdient, weil die DEG das zu diesem Zeitpunkt aktivere Team war. Allzu lang währte die Freude allerdings nicht, weil eine weitere Kombination aus schlampigem Pass und Missverständnis den Gästen den nächsten Treffer auf dem Silbertablett servierte (Parkes). Entmutigen ließ sich die DEG von diesem Nackenschlag jedoch nicht, sondern spielte vielmehr weiter mutig nach vorn und zelebrierte einen nahezu perfekten Spielzug, den AEV-Keeper Boutin mit einem unfassbaren Save allerdings extrem spaßkillend beendete.

Aufgegeben wird nicht

Aufgegeben wurde dennoch nicht, warum auch? Gegen Ende des Drittels war die DEG wieder dran: Alexander Barta, der sich generell wesentlich agiler und überhaupt gegenüber der vergangenen Saison deutlich verbessert zeigte, hatte sich eigentlich schon in die große Gruppe der Puck-an-der-eigenen-blauen-Linie-Verdaddler eingereiht, bekam die Scheibe aber irgendwie zurück und setze dann zu ganz großer Fahrt an: Einmal ziemlich unbedrängt von links hinten nach rechts vorne, und seinen Pass in den Rückraum konnte Daniel Weiß, der, wenn er sich seine Matte zum Pferdeschwanz binden würde, wohl auch als Zlatan Ibrahimovic durchginge, recht trocken verwandeln. Gutes Drittel, beim Stand von 2:3 war noch alles drin!

Im Schlussabschnitt war der AEV wieder etwas wacher, gleichwohl war die DEG das aktivere Team, wenn auch die ganz großen Chancen – von einem feinen Henrion-Solo abgesehen – fehlten. Entschieden wurde das Match dann durch eine selbst für Hockey-Verhältnisse besonders dämliche Strafe, nämlich einen Wechselfehler. Der ansonsten heute weitgehend unsichtbare Maxi Kammerer musste sie absitzen, aber nicht so furchtbar lange: rechts-links-Mitte, 2:4, wieder Parkes, danke schön, auf Wiedersehen…

Verdienter Sieg für die Schwaben

Unter dem Strich ein verdienter Sieg für die Schwaben, die deutliche Vorteile in der Effizienz und die signifikant geringere Fehlerquote hatten, dazu das bessere Powerplay und wohl auch den heute besseren Keeper. Aber ein schlechtes Spiel der DEG war es dennoch nicht – Wille und Einsatz waren über jeden Zweifel erhaben, die ganzen neuen Spieler müssen noch zueinander finden, und solch kapitale Böcke wie vor dem 0:1 und dem 1:3 schießt man auch nicht jeden Tag. Sollte man allerdings auch nicht, denn die nächsten Heimgegner heißen Mannheim und München und sind nicht eben als Laufkundschaft zu bezeichnen. Also ruhig am Sonntag in Straubing punkten.

Download PDF

Antworten