Es fing schon scheiße an – zu laut Musik gehört und darum vergessen, am Hildener Kreuz zum Unterbacher See abzubiegen und über Gerresheim und Grafenberg zu fahren. Also obenrum über A44 und A52 bis Rath – ist generell eine Riesenidee bei einem ausverkauften Stadion, da fahren alle anderen schließlich auch lang. In der Summe dauerte die Anreise knapp zwei Stunden für ca. 40 Kilometer. Immerhin so gerade noch pünktlich und die Ehrung für den großen Otto Schneitberger mitbekommen. Die die Kölner Zuschauer übrigens ruhig mal zum Anlass hätten nehmen können, ihren Rand zu halten, wenn sie es schon nicht über sich bringen, grandiose Leistungen verdienter Spieler anderer Teams anzuerkennen.

Auf dem Eis wurde es dann kein bisschen besser. Die Haie vom ersten Bully an in jeder Beziehung klar überlegen – auf den Kufen, mit dem Schläger, dazu gedanken- und handlungsschneller. Und als wäre das alles nicht furchtbar genug gewesen, kamen nach ein paar Spielminuten noch sechs Gestalten in den Block, die nun wirklich jedes Vorurteil erfüllen wollten, das man gemeinhin mit Eventies verbindet. Sechs Gelegenheitsbesucher, die absolut nichts vom Eishockey verstehen (das ist nicht schlimm), sich im Minutentakt Pils reinschrauben (für sich genommen auch nicht schlimm), dabei eine zunehmend große Klappe hatten (das schon eher) und sich vor allem unglaublich witzig fanden. Aua. Wenn du schon mitansehen musst, wie deine DEG von Kölnern, die im Gegensatz zu den Helden in Rotgelb mitbekommen hatten, dass hier gerade ein Derby stattfindet, zerlegt wird, dann willst du nicht auch noch Schalker Komiker neben dir haben.

Nach zehn Minuten stand es 0:2, völlig verdient übrigens, und die Reaktion der DEG war: Keine. Keine Auszeit, kein Aufbäumen, kein gar nichts, nicht mal eine gepflegte Hauerei, um Spiel, Spieler und Zuschauer aufzuwecken. Nada. 1:3 nach 20 Minuten, wobei Bartas Treffer kurz vor dem Drittelende erst nach Videobeweis gegeben wurde.

1:3 auch noch nach 40 Minuten, wobei das Spiel nun ein wenig ausgeglichener war, was allerdings weniger an übermäßiger DEG-Spielfreude als daran lag, dass die Fische die komfortable Führung ziemlich souverän verwaltet haben ohne dabei mehr zu tun, als unbedingt nötig war. Und das war eben nicht so fürchterlich viel, dafür war die wunderschöne DEG bei allem Einsatz, den man ihr nicht absprechen kann, viel zu uninspiriert und fehlerhaft. In Erinnerung bleiben vor allem gleich zwei Schussversuche von Luke Adam innerhalb einer Minute, die beide daran scheiterten, dass er den Puck nicht getroffen hat. Immerhin liefen die KEC-Fans langsam zu gewisser Form auf: Erst, indem sie sich gegenseitig auf die Fresse gehauen haben und dann, als der Oberschläger von den Ordnern abgeführt wurde, dieser Sportskamerad sich nicht entblödete, erst nach der Polizei zu rufen und dann darauf hinzuweisen, dass er aber doch bezahlt habe. Er wurde nicht erhört.

Drittel Nummer Drei brachte zu Beginn zumindest zarte Ansätze von Gegenwehr und eine Großchance von … sage ich nicht, weil mir Adam-Bashing völlig fernliegt, die anderen waren heute auch nicht besser. Die Chance wurde jedenfalls nicht verwandelt, sondern führte zu einem Konter. Wobei: Eigentlich nicht wirklich, denn der rot-gelbe Verteidiger, nennen wir ihn E, war wesentlich eher am Puck und hatte ihn an der Bande sicher. Eigentlich. Kurz danach stand es 1:4.

Minute 53 brachte die erste Strafe gegen die Haie. Zum Mitschreiben: Die Haie sind in diesem Derby 53 Minuten ohne Foul ausgekommen, und das Foul, das zu ihrer ersten und einzigen Strafe führte, war auch kein solches im eigentlichen Sinne, sondern ein Stockschlag beim Bully, also außerhalb des regulären Spielgeschehens. Immerhin brachte diese erste und einzige Überzahlsituation des Abends eine weitere Großchance, nur halt nicht für die DEG. Furchtbar, ganz furchtbar. Der einzige Lichtblick des Schlussdrittels waren wiederum die Zuschauer von der falschen Rheinseite, immerhin auf die kann man sich verlassen. Da führt ihr Team hochverdient mit 4:1 beim Rivalen, dessen 13.000 Fans konsterniert bis deprimiert sind, es ist also alles bereitet für maximale Häme und originellen Spott. Und was singt der gemeine Kölner in dieser Situation? „Kölle Alaaf!“. Kein Witz, leider. Denen hat sich ihr Leichtbier dermaßen tief ins Hirn gebrannt, dass da außer Karneval nix mehr rauskommt. Ändert aber auch nix daran, dass das Spiel in jeder Beziehung zutiefst enttäuschend war.

Rückfahrt inklusive. Wenn der Abend eh schon verhunzt war, setzt Straßen NRW immer noch ein kleines Highlight und verengt die Autobahn auf eine Fahrspur für eine Baustelle, auf der niemand ist und demnach auch nichts passiert. Von Anfahrt bis Rückkehr nichts als 300 Minuten Frust.

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1 Kommentar

  1. muetzenman am

    Zum Spiel gibt es leider wirklich nicht mehr zu sagen.
    Zu den “Kunden” in unserem Block fällt mir allerdings noch was ein: Wie blöd muss man sein, wenn man sich bei einem Spiel mit dem Status AUSVERKAUFT auf Plätze hockt für die man keine gültige Karte hat? Für die Antwort “man kann es ja mal versuchen… wir wollten gerne zusammen sitzen” verdient man sich eigentlich eine Backpfeife. Und das waren keine 2 oder 3 Kunden, sondern gefühlte 30 Leute in unserem Block.

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