DEG vs VW-Burg 4:7 – Es geht dahin…

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Spiel 1 nach der viel zu späten Freistellung von Coach Mike Pellegrims brachte allerhand Neues: Mathias Niederberger zurück im Tor, nachdem Dan Bakala beim desaströsen und die Freistellung forcierenden 0:5 in Bremerhaven nicht eben glücklich ausgesehen hatte, dazu der seit Wochen verbannte Marcel Brandt wieder im Kader. Es war angerichtet, es musste gewonnen werden. 28 Fans hatten die Grizzlys Wolfsburg, das mit großem Abstand überflüssigste DEL-Team, mitgebracht. Damit konnten sie immerhin zweieinhalb Reihen im Gästeblock füllen – aber Qualität kann Quantität durchaus ersetzen. Darauf wird zurückzukommen sein.

20 Minuten Freude

Die DEG spielte auf, als sei sie von Pellegrims befreit worden, und es steht zu befürchten, dass dies der Wahrheit ziemlich nahe kommt. Sie machte, sie tat, sie versuchte. Und sie fing sich mit dem ersten Wolfsburger Torschuss das 0:1, ein nachgerade klassisches Niederberger-Gegentor über die kurze Schulter. Aber sie machte, tat und versuchte weiter und wurde, von den Fans angetrieben, durch Treffer von Barta (ein nachgerade klassisches Barta-solo-Tor) und Machacek doppelt belohnt. Wolfsburg fiel in dieser Phase des Spiels wenig ein. Allenfalls Verteidiger Torsten Ankert wusste zu gefallen – nicht durch sein gutes Spiel, aber durch seine ständigen Nickeligkeiten.

Die blieben nicht unbemerkt und führten, sobald er in Hörnähe kam, zu allerhand Einschätzungen der Fans über sein Aussehen, seine sexuellen Neigungen und die vermutete Berufswahl seiner Mutter. Der Wolfsburger Qualitätsfanin, nennen wir sie Chantal, stieß dies auf und sie verlieh ihrer Empörung Ausdruck: Die erste Beleidigung seitens der DEG-Fans wurde mit „ey!“ kommentiert, die zweite mit „boah, ey!“ und die dritte wieder mit „ey“, jetzt allerdings mit einem ausgestreckten Mittelfinger garniert. Ich war begeistert. Das ist wahre Wolfsburger Schlagfertigkeit.

20 Minuten Horror

Zwei Gegentore in gut 30 Sekunden, und beide gleich schlimm. Zunächst das 2:2 durch einen Rückhandroller von Riefers, der es aus eigener Kraft kaum bis zur Torlinie gebracht hätte, den sich Niederberger aber unter Zuhilfenahme beider Unterschenkel selbst reinschob. Furchtbar. Kurz danach das 2:3, nachdem ein Wolfsburger DEG-Verteidiger Kevin Marshall mit einem Crosscheck wie aus dem Lehrbuch aus dem Spiel nahm. Wie blind muss man sein, um ein so klares Foul unmittelbar vor dem Tor nicht zu sehen? Wolfsburg hatte das Spiel jetzt klar im Griff, die DEG bekam kein Bein mehr auf den Boden, auch wenn Jeremy Welsh durch eine schöne Einzelleistung noch zum 3:3 ausgleichen konnte.

Am Drittelende stand es verdient 3:5 – und die DEG war in Unterzahl, nachdem die Schiedsrichter einen Crosscheck von Daniel Weiß ausgemacht hatten. Den hat es auch gegeben – aber zehn andere völlig gleichartige Crosschecks eben auch, und die wurden nicht geahndet. Der Puck war sekundenlang hinter dem Tor, alles arbeitete; mit den Händen, mit dem Körper, mit dem Stock. Eishockey halt. Und auf einmal geht der Arm des Schiris hoch und Weiß muss runter. Mit der gleichen Berechtigung hätte er auch die sechs anderen Spieler runterschicken können, die an der Szene beteiligt waren. So kann man das nicht pfeifen, so macht man ein Spiel kaputt. Immerhin: Chantal hatte ihren Spaß und konnte das Spiel präzise analysieren: „Ey, wir führen“. Über so viel Fachkunde freut man sich doch fast schon mit.

20 Minuten Auslaufen

Die bereits angesprochene Unterzahl währte keine Minute und wurde durch das 3:6 jäh beendet, womit natürlich der Deckel auf der Partie war. Die DEG machte, tat und versuchte zwar weiterhin, aber die Gäste konnten das Match souverän zu Ende verwalten, da war wenig zu sehen von Verunsicherung, die nach zehn Niederlagen in zwölf Spielen eigentlich hätte vorhanden sein müssen. Nein, die Wolfsburger werden nicht mehr der Lieblingsgegner der DEG, ganz gewiss nicht.

So regelmäßig wie die DEG gegen Bremerhaven gewinnt (also, äh, bis letztens gewonnen hat…), so regelmäßig verliert sie gegen die orangefarbenen Langweiler, die sich wahrscheinlich wieder bis ins Finale durchwurschteln, um da wie jedes Jahr von der Eishockey-Tochter des österreichischen Brausemultis langgemacht zu werden. Das ist fast so aufregend wie die Fußball-Bundesliga. Die DEG wird all das aber nicht mehr groß bekümmern müssen, denn mit vier Punkten Rückstand auf Platz 10 bei einem ausgetragenen Spiel mehr wird man davon ausgehen müssen, dass die Playoffs zum zweiten Mal in Folge verpasst werden. Deprimierend. Freitag kommt Köln. Immerhin etwas.

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