Ein paar Tage sind es noch, bis die DEL in ihre 26. Saison startet. Zeit, sich die wunderschöne DEG einmal aus der Nähe anzusehen. War die letzte Saison eine Enttäuschung? Schwer zu sagen. Den nackten Zahlen nach eigentlich nicht, da erstmals nach zwei Jahren Pause die Play-offs erreicht worden sind, und zwar auf dem avisierten Zielplatz 6, also ohne den Umweg über die Vorqualifikation. Ist an sich OK, beinhaltete aber eben auch die ganz schwachen Monate Januar und Februar, in denen kaum noch etwas gelang und in denen die eigentlich längst sicher geglaubte Direktqualifikation noch in arge Gefahr geriet.

Von dem bärenstarken Saisonbeginn mit sieben Siegen en suite sprach da schon längst niemand mehr. Und eine ganz knapp (und böse verletzungsgeplagt!) verlorene Serie gegen den AEV ist für sich genommen auch keine sportliche Katastrophe, aber nun auch nicht das, was eine Saison in hellstem Glanz erscheinen lassen würde. Eine Enttäuschung also? Wie gesagt: schwer zu sagen.

Kein Stein auf dem anderen

Was die neue Saison bringen wird, ist nicht minder schwer zu sagen. Schon deshalb, weil, weitgehend ungeplant, kaum ein Stein auf dem anderen geblieben ist. Picard? Karriereende. Marshall? Karriereende. Köppchen? Langzeitverletzt, wohl Karriereende. Torp? Kein neuer Vertrag. McKiernan? Weggekauft. Und das ist nur die Verteidigung, wohlgemerkt. Dafür kamen sieben Neue aus sechs Ligen und fünf Ländern. Von denen einer, der NHL-erfahrene Alexander Sulzer aus dem wichtigsten aller denkbaren Gründe, nämlich seiner Gesundheit (TD wünscht nur das Beste!), wohl schon wieder als weg betrachtet werden muss.

Aber dennoch sind einige interessante Spieler dazugekommen: Sollten z.B. Nicholas Jensen (DK/Bremerhaven) und Alexander Urbom (S/DIF) ein Pärchen bilden, müssten die gegnerischen Stürmer künftig an etwa 3,90 m und ziemlich genau 4 Zentnern vorbei. Das könnte Spaß machen, den DEG-Fans zumindest. Gespannt sein darf man auch auf Johannes Johannesen (N), und das weniger wegen des ulkigen Namens als deshalb, weil die DEG den Burschen, der in einer relativ schwachen Liga unterwegs war, schon ganz früh verpflichtet hat. Man wird sich etwas dabei gedacht haben. Ebner, Nowak und Huß sind geblieben, für Sulzer wurde Ex-DEGler Marc Zanetti kurzfristig nachverpflichtet. „Kurzfristig nachverpflichtet“ klingt übrigens ziemlich blöd, fast wie die Zustandsbeschreibung eines Glases seitens der Tochter des Schreiberlings: „Voll leer.“ Aber zurück zum Thema.

Karrierende, weggekauft – die Abgänge vorne

Vorne war nicht weniger Bewegung. Descheneau? Weggekauft. Gogulla? Dito. Henrion? Vertrag aufgelöst. Pimm? Karriereende. Ridderwall? Karriereende (WTF!?). Kretschmann, Laub, Reiter, Strodel? Alle weg, alle mehr oder weniger Opfer der neuen U23-Regel, die hier demnächst noch gesondert vorgestellt werden wird. Jedenfalls satte neun Abgänge, also drei komplette Reihen. Geblieben sind genau fünf Stürmer, die sich möglicherweise auf alle vier Reihen verteilen werden. Alles neu macht der September, seriöse Vorhersagen sind quasi nicht möglich – wohlan zur fröhlichen Reihenspekulation.

Kapitän Alex Barta ist als #1-Center gesetzt. Zu ihm gesellt sich mit einiger Gewissheit Maxi Kammerer, die beiden haben schon vor dessen USA-Abenteuer zusammen gut ausgesehen. Dritter im Bunde könnte Reid Gardiner werden, ein wohl nicht nur dem Schreiberling bislang gänzlich unbekannter Kanadier aus der drittklassigen ECHL. Kanadier, unbekannt, komische Liga!? Das schreit doch geradezu nach einem kitschigen Descheneau-Sequel. Ansonsten wäre das auch ein Job für Jerome Flaake, der nach einer schwachen ersten Saison aber erst mal wieder in die Spur finden muss, um die Rolle spielen zu können, die er von sich erwartet und für die er verpflichtet wurde.

Volle Punkteverantwortung

Klare Vorgabe der Teamleitung ist, dass nicht wieder sämtliche Punkteverantwortung bei der Topformation liegt. Benötigt wird also eine zweite Reihe, die punktemäßig mindestens ebenbürtig sein sollte: Adam (neu, Mannheim) – Olimb – Nehring (neu, Bremerhaven). Liest sich gut. Der schon angesprochene Flaake dann in Reihe 3 mit Rihards Bukarts (neu, SERC) neben dem ebenfalls wenig bekannten Victor Svensson, der zuletzt in Norwegen aktiv war. Bleiben für Reihe 4 neben Center Patrick Buzas die jungen Leon Niederberger und Tobi Eder (neu, Brause), vielleicht auch Christoph Körner. So könnte es aussehen, so wurden auch die letzten Testspiele bestritten.

Schließlich das Tor, wo es neben dem gesetzten Nationalkeeper Mathias Niederberger eine interessante Personalie gibt. Stand zuletzt noch der Schwede Pettersson Wentzel zwischen den Pfosten, ohne dabei sonderlich zu überzeugen, haben die Verantwortlichen Mut bewiesen und Nachwuchskeeper Hendrik Hane zur #2 befördert. Für ein wenig Geraune sorgt das zwar schon, aber irgendwann muss man die Jungs eben ins kalte Wasser werfen, auch die Torhüter. Hane hat eine statistisch herausragende U20-WM gespielt und sollte Niederberger jedenfalls für acht oder 15 Spiele entlasten können. Man darf gespannt sein.

Punkteausbeute duplizieren

Ungefähr so stellt sich die Lage zu Saisonbeginn dar. Vieles ist neu, vieles wird sich finden müssen. Zum Beispiel, wer die Tore von der blauen Linie schießen soll – Jensen und Ebner heißen da die Kandidaten, ein richtiger Shooter wurde aber nicht verpflichtet, einen solchen gab es letzte Saison allerdings auch nicht, McKiernan hin oder her. Und über allem steht natürlich die Frage, wie die 51 Tore und 121 Punkte der Herren Gogulla und Descheneau aufgefangen werden sollen. Das Fachblatt Eishockey-News hat in seinem Sonderheft vorgeschlagen, dass Alex Barta seine Punktausbeute „duplizieren“ möge. Vernünftiger Ansatz. Noch besser wäre es, er triplizierte, denn dann läge er bei 138. Das sollte für einen sicheren Playoff-Platz reichen.

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