Kölner Haie vs DEG 0:1 – Just another Pflichtsieg

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Diese Überschrift stammt nicht von mir, die ist aus dem DEG-Forum geklaut. Dem DEG-Forum, in dem ich mich vor nicht einmal einer Woche nach einem lust-, kampf- und espritlosen 0:4 in Ingolstadt recht deutlich entäußert habe. Dass das so nicht geht, dass kein Konzept erkennbar sei, keine durchdachte Reihenzusammenstellung, nicht einmal Basics wie ein vernünftiges Powerplay. Nun ist Hockey eine sehr schnelllebige Angelegenheit, nicht nur auf dem Eis – dem desaströsen 0:4 folgte ein überraschendes 3:2 beim Spitzenteam in Berlin (nach frühem 0:2-Rückstand), womit sich die Situation tabellarisch gleich wieder ein wenig entspannter darstellte.

Verrückte Millionarios

Nun also Köln auswärts. Da gibt es ja Konstanten. Beispiel: Die verbraten Millionen, ohne ein vernünftiges Team zusammenzubekommen. Oder: Der Hallenschreihals hat eine sehr eigene Wahrnehmung. Oder: Dem Publikum ist das Spiel weitgehend egal, solange das dämliche Maskottchen „Sharky“ (Einschub: Origineller Name, hm? Aber nicht zu laut spotten, denn das nicht minder überflüssige Viech in Düsseldorf heißt ähnlich geistreich „Düssi“. Einschubende.) im dritten Drittel einen Breakdance fremdschämt. Oder: Es wird die Krone Kölner Braukunst gereicht – Gilden. Nun, immerhin diese Konstante konnte heute umschifft werden. Die kölsche, aber gleichwohl sehr angenehme Spielbegleitung des Schreibers konnte vor dem ersten Bully einen Pappbecher voll San Miguel vom Fass organisieren. Damit kann man doch arbeiten, das musste doch ein gelungener Abend werden. Wurde es.

Keine Tore im ersten Drittel, aber die DEG präsentierte sich als das strukturiertere Team. Und das ist durchaus eine Erwähnung wert, wenn man an den Hühnerhaufen zurückdenkt, der keine Woche zuvor in Ingolstadt über das Eis geschliddert ist. Und die DEG hatte die besseren Chancen, was jeder der gut 15.000 Zuschauer so gesehen haben wird – nicht aber der Hallensprecherkomiker, der von einer KEC-Überlegenheit faselte. Eigene Wahrnehmung, ich erwähnte es bereits. Alle Konstanten lassen sich halt nicht doch nicht ausblenden.

Weißbier vom Fass

Drittel zwei brachte schon vor dem ersten Bully den ersten Punktsieg für die Gäste – San Miguel ist ja gut und schön, gewinnt gegen das vom Schreiber angeschleppte Maisel vom Fass aber eindeutig nur Silber. Bayreuther Weißbier vom Fass! In Köln! Verrückt! Eishockey gespielt wurde übrigens auch. Die Fische bekamen noch immer wenig auf die Reihe, gerade deren Powerplay war geradezu schenkelklopfend schlecht. Über die Saison gesehen kennen die da genau eine Variante: Puck an die blaue Linie zum zentral stehenden NHL-Veteran Ehrhoff, und der soll die Scheibe dann reinzimmern. Wenn man den Kollegen zustellt, war es das mit der KEC-Herrlichkeit. Und er wurde zugestellt.

Ich hatte Spaß. Der Kölner Kollege eher weniger. Mit dem einzigen(!) DEG-Powerplay des gesamten Matches ging diese in Führung, auch wenn ich das Tor nicht genau sehen konnte, weil man in der komischen Mehrzweckhalle, die wohl doch eher für Andre Rieu oder die Black Fööss als für Hockey konzipiert wurde, ca. 139,5 Meter vom Geschehen entfernt sitzt. Jeremy Welsh war es, der den Puck irgendwie reingestochert hat.

Sharky, das angemessene Maskottchen

Vom dem dritten Drittel ereilte den Hallensprecherclown der Realitätsschock. Auf einmal waren seine Fische nicht mehr das bessere Team, sondern man läge ja nur ein Tor hinten und das sei doch aufzuholen. Man konnte ihm nicht widersprechen. Die erste Hälfte des Schlussdrittels ging erfreulich schnell vorbei; wenn man führt, kann die Uhr ja gar nicht schnell genug herunterlaufen. Pause, neudeutsch „Powerbreak“ genannt. Auftritt Sharky. Und auf einmal nimmt man 15.000 Zuschauer minus der DEG-Anhänger wahr.

Ich werde das nie begreifen. Die KEC-Millionariostruppe spielt den größten Rotz zusammen, aber ein in einem albernen Kostüm herumhampelnder Germanistik-Student des vierten Semesters bringt die Massen in Wallung. Untermalt wird das schaurige Schauspiel von musikalischen Highlights. Beste erinnerte Textzsequenz: „Mir sinn alle Kölsche Jung und in jedem steckt ein Jeck“. Aua. Immerhin rafften sich die Gastgeber nun doch mal dazu auf, das Spiel drehen zu wollen. Unterstützt von weiteren Überzahl-Gelegenheiten (Hallo, Herr Machacek – warum mähst du einen Kölner um, der 40 Meter von unserem Tor entfernt ist?) wurde das DEG-Gehäuse in den letzten Minuten geradezu belagert und Goalie Dan Bakala zu Schwerstarbeit inklusive eines spektakulären Saves gezwungen. Genützt hat es nichts. Also denen, denn es blieb beim verdienten 1:0. Just another Pflichtsieg halt. Kicher.

Die wunderschöne DEG steht damit auf Platz 8, nur noch durch das Torverhältnis von den Fischen getrennt und mit Platz 6 – der direkten Playoff-Qualifikation – in Sichtweite. Man könnte entspannt sein, wäre Eishockey nicht so schnelllebig.

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